Radikalisierung – Schuld ist der Bürger, nicht die Politik

„Alle Gewalt geht vom Volke aus!“

Der Artikel 20 des Grundgesetzes wirkt heute ganz unfreiwillig komisch, ja zynisch. Gemeint mit der Zynik ist jede erdenkliche und umsetzbare Gewalt, mag sie nun mit Kriegswaffen, Baseballschlägern oder Fäusten ausgeübt werden und sich teilweise tatsächlich gegen Vertreter der eigenen Exekutive, sprich Polizei, richten.

Ein schlechter Witz.

Da die deutsche Bevölkerung jedoch in zunehmender Geschwindigkeit bis zur vollständigen Entstellung verblödet, fällt ihr die Diskrepanz zwischen ihrem eigenen Handeln und ihrem eigenen Anspruch gar nicht mehr auf. Sie beschwören ein dumpfes, dummes, aggressives und extrem leicht lenkbares Deutschland herauf, aus dem sich dies Land zum Preis von vielen Millionen Toten einst einmal befreit hatte – oder von außen mit höllischen Bombenteppichen herausgebombt werden musste.

Und wieder einmal blöken die dämlichen Schafe die gleichen Sprüche wie ehedem und beweisen wieder einmal, dass sie gar nichts begriffen haben:

Zugegebenermaßen leisten sich Deutschland und Europa mit der Gesellschaftsform namens Demokratie eine ganz besonders anspruchsvolle und herausfordernde Version eines Gesellschaftsmodells. Die Demokratie dreht den Spieß um; sie nimmt den Mächtigen die Macht und unterstellt sie öffentlicher Kontrolle, Bestrafung, Korrektur und Kritik. Die Demokratie stutzt die Entfaltungsmöglichkeit von Entscheidungskompetenz, sie zieht Schwellen, Ventile, Kontrollpulte in das Getriebe einer Regierung ein und soll so sicherstellen, dass am Ende des Tages die Macht nicht von verrückten Monarchen in kranke, abseitige Wege gezogen, sondern von einer nüchtern-objektiven Mehrheit informierter, zuständiger, verantwortungsbewusster und vor allem interessierter Menschen ausgeübt wird.

Soweit die Theorie. Hört sich gut an.

Aber schon in meiner Jugend staunte ich über wirklich viele, die sich ihrer Aufgabe einfach entziehen. Sie entfernen sich auf jeder Ebene aus der Politik, sie stehlen sich davon und vergnügen sich, während sie einer dahinschmelzenden Minderheit die Arbeit überlassen, sie zu regieren.

„Ich habe keine Zeit.“

Das habe ich noch nie geglaubt. Wie auch. Schützen-, Fußball- und Karnickelzuchtvereine werden so gern frequentiert, dass sich die ganze Welt schon darüber mokiert. Und da geht es zu, wie es in einer gesunden Demokratie in einem Parlament zugehen müsste: jeder kommt zur Hauptversammlung, pocht auf Vereinsstatuten, prüft den Kassenbericht, wählt Kontrolleure und beäugt deren Arbeit argwöhnisch. Manchmal prügelt man sich im Dienst der Sache, die eifrig vertreten und lautstark verteidigt wird. Aber in Berlin bleibt es still. Politik macht ja auch keinen Spaß – sie bereitet tatsächlich Arbeit, verlangt Verantwortungsbewusstsein und fordert etwas unserer Freizeit als Opfer.

Bundes-, Landtags- und Kommunalwahlen verpasst man gern unter Hinweis auf die Lüge, dass man ja angeblich „sowieso nichts ändern“ könne, mit einem Bier auf der Sonnenliege auf Mallorca – wozu hat man denn seine intellektuelle Schmalspurbahn namens „BILD“, in welcher man in knappen Worten Ergebnisse finden kann?

Wahlbeteiligungen in erschreckend niedriger Höhe hatten die Väter des Grundgesetzes nicht vorausgeahnt, sonst würden sie Barrieren formuliert haben, nach welchen bestimmte Beteiligungsverhältnisse als Grundlage für die Wirksamkeit einer Wahl eingezogen worden wären. Und in der Tat wäre es auch in der Zeit, in welcher unser Grundgesetz geschaffen worden, eine völlig verrückte Annahme gewesen, dass sich nach den Erfahrungen eines Dritten Reichs kaum noch ein Bürger für Politik interessieren würde, solange er die Freiheit dazu hätte.

Die Bürger Deutschlands und Europas tragen direkt die volle Schuld an ihrer eigenen Radikalisierung und an dem Umstand, dass die Regierungen immer isolierter denken, diskutieren und ….. im Namen ihres Volkes! …. regieren und entscheiden. Selbst wirklich überzeugte Politiker geraten natürlich in Verführung wenn sie jahrelang miterleben müssen, mit wie wenig Kontrolle und Interesse ihre Arbeit verfolgt wird. Die Politik greift in einer Demokratie nur nach Macht, die ihr gegeben wird. Und ein Bürger, der seine Wahlbeteiligung, jede Teilnahme an öffentlich geführten Diskussionen und Parteiarbeit verweigert, wirft seine demokratische Verpflichtung fort.

Parallel dazu ist seit Jahrzehnten zu registrieren, dass das Grundwissen der Bürger über die Eigenschaften ihres eigenen Staats immer stärker verfällt. Soweit verfällt, dass sich viele, wenn überhaupt, nur mit größter Mühe daran erinnern können, wer sie überhaupt regiert. Immer nur dann, wenn als Ergebnis ihres eigenen Desinteresses plötzlich eine Stromtrasse durch ihren eigenen Garten geführt werden soll, stehen sie auf und fordern tatsächlich auf einmal genau die Rechte ein, auf die sie in ihrem ganzen Leben nur zu gern freiwillig verzichtet haben.

Die Leute lesen sich intensiv in die verschiedensten Dinge ein: ein Hundezüchter kennt alle Vorschriften buchstabengenau, seine Vereinssatzung, das Programm der nächsten Hundeausstellung – wird er jedoch nach dem Namen seines Landesinnenministers gefragt, wird es schon mal eng. Dafür hat man ja eben: „Keine Zeit!“

Blöd geboren, dämlich geblieben, blökt der (Nicht-) Wähler im Rudel dann Weisheiten anderer, übernimmt nur allzu gern „Ängste“ anderer und lässt sich nur allzu leicht von Aggressivität anstecken, weil es vermeintlich gegen ihn und seine Rechte geht. Nicht wenige haben bösen Spaß am Angriff auf andere und entschuldigen sich gern und schnell mit vorgeschobener „Angst“, die „ernst genommen“ werden solle – aber auf gar keinen Fall darf.

Mit all diesem uninformierten, destruktiven und hassorientiertem Kroppzeug kann nicht diskutiert werden. Es müsste zunächst sein eigenes Versagen eingestehen, Fakten akzeptieren und sich langsam in die Realität des Staats einarbeiten, aber das wird es nie tun. Dies blöde Vieh zieht seine Bestätigung aus gegenseitig erteilter Absolution und benutzt magische Entschuldungs- und Entschuldigungsbegriffe wie etwa „Angst!“. Diese blöde Menge wird nie Verstand entwickeln, sondern immer nur Neid, Gier und Hass. Jahrhundertelang lernte diese Masse im Rahmen ihrer „christlich-jüdischen Tradition und Kultur“, dass sie nach Befehlen und Verhaltensmaßregeln fragen und diese auch befolgen darf, ohne für die Destruktion, die daraus erwächst, verantwortlich zu sein. Denn sie haben ja nur Befehle befolgt. Jahrhundertelang erfuhren die Menschen zu ihrer großen Erleichterung von der Kirchenkanzel, wie zu denken und zu handeln sei und in all dieser Zeit empfand die Menge, dass sie deshalb nicht zur Verantwortung gezogen werden könne.  Wie einfach, wie wundervoll einfach ist das doch! Manchmal, wenn mir manches in einer stillen Minute zuviel, zu belastend wird, würde ich mir soviel Blind- und Blödheit wünschen. Aber mir gelingt ein solch mieses Leben einfach nicht. Und als Muslim schon mal gar nicht – als solcher trage ich zuviel Verantwortung.

Es ist viel zu viele Jahre mit dem Anwachsen von Wohlstand halbwegs gut gegangen und die Politik wusste den Schlaf der Bürger zu beschützen. Mit bunten Wahlplakaten und knackigen Sprüchen sang man den Wähler immer wieder sanft in den Schlummer, wenn er tatsächlich einmal aufzuwachen drohte. Und der Wähler verlangte nach diesen Schlummerliedchen.

Deutschland ist zusammen mit Europa am Ende – und nach meiner festen Überzeugung trägt der Bürger die volle und direkte Schuld daran. Die Verhältnisse hier werden vollends umkippen und eine langanhaltende, bedrückende Atmosphäre von Hass, Misstrauen, Gier, Neid und krankem Überlegenheitsgefühl wie Mehltau über den Kontinent werfen. Vermutlich wird dies wieder einmal erst gegen die Zahlung eines Preises von blutigen Aufständen, Kriegen und Millionen von Toten beendet werden können – aus eigener Kraft wird der Bürger dies weder schaffen können, noch wollen. Erst wenn wieder einmal viele, sehr viele Gräber geschlossen und Trümmer aufgeräumt werden, können sich neue Wege auftun.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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