Israel – tödliches Salut für einen Kameraden

(Hier mit besonderer Widmung ein Special für meinen neuen Troll, der sich zwar wie für Dummgebliebene üblich zum Kreischen und Beleidigen, nicht aber zum Denken tauglich zeigt.)

Man kennt das ja – und für gewöhnlich bezeichnet das Salutschießen eine durchaus bewegende Situation, gerade wenn es sich um eine Ehrenbezeugung für gefallene oder friedlich verstorbene Kameraden handelt.

Schauen wir mal nach einer belastbaren Definition für den Begriff „Salutschuss“ bei Wikipedia nach:

Im deutsch- und englischsprachigen Raum werden zu Anlass von Staatsvisiten 21 Kanonenschüsse oder Salutschüsse abgegeben. Anlässlich der Geburt eines Thronfolgers werden 101 Schuss abgefeuert. In manchen Ländern werden ebenfalls zum Geburtstag des Monarchen 101 Schuss abgefeuert. In der Regel werden Salutschüsse mit historischen Kanonen abgefeuert. Bei der verwendeten Munition handelt es sich um Platzpatronen, die mit Schwarzpulver gefüllt sind.

Bis hierher alles gut. Kein Problem. Wir richten unsere Aufmerksamkeit einmal auf den letzten Satz:

Bei der verwendeten Munition handelt es sich um Platzpatronen, die mit Schwarzpulver gefüllt sind.

OK …. zurück zum Anfang mit der Frage, was denn eigentlich passiert ist. Fünf Tage nach Beginn des letzten Massakers Israel im Gaza-Streifen in 2014 wurde der israelische Armeecaptain Dima Levitas, 26, von einer Scharfschützenkugel tödlich getroffen.

Sein befehlshabender Offizier,  Nerya Yeshurun, ordnete zur Beisetzung des geliebten Kameraden Salutschießen an. Hierzu wurden drei Panzer besetzt und eine Rampe hochgefahren. Die Bedienmannschaft konnte sich Ziele im vorgegebenen Gebiet frei auswählen und lud die Geschütze mit panzerbrechenden Granaten, die auf Häuser und eine Klinik gezielt abgefeuert wurden. Einer der Schützen sagte aus, dass ihm von seiner Position aus im ungefähr angegebenen Zielgebiet bereits Tage zuvor ein orangegefärbtes Privathaus aufgefallen sei. Er wiederholte in seiner Aussage gleich mehrfach, dass die Beschießung dieses Hauses und anderer Objekte bei diesem perversen „Salut“-Schießen keinerlei tragfähige, militärische oder sonst wie geartete Begründung gehabt hätte, sondern rein willkürlich geschah. Es habe, so seine Aussage, aus dem Zielgebiet keinerlei Bedrohung vorgelegen.

Der Commander Yeshurun, der diesen Befehl gab, sagte dazu in einem Interview mit einem Militärjournal:

„Ich liebte persönlich Dima sehr. ich war traurig, dass weder meine Einheit noch ich auf [dem Militärfriedhof auf] Herzlberg sein konnten, als er bestattet wurde und so beschlossen wir, während der Beerdigung ein Salut von Granaten auf die Stelle zu schießen, durch die er sein Leben verloren hatte.“

Es ist beinah unnötig zu erwähnen, dass nach Internationalem Recht Vergeltungsmaßnahmen im Kriegsfall verboten sind. Angriffe auf Krankenhäuser und andere, medizinische Einrichtungen schon mal sowieso – und dies „Salut“ zielte u.a. auch auf ein Krankenhaus. Das Schießen auf Krankenhäuser hat für Israels Militär bereits eine sattsam geübte Praxis: allein nur während des Massakers in 2014 feuerte man auf insgesamt 17 Krankenhäuser und 56 weitere, medizinische Einrichtungen.

Und somit komme ich wieder zu der Frage, wie „Terror“ eigentlich zu definieren ist: meine Definition unterscheidet sich allerdings massiv von der offiziell-israelischen, denn nach dieser kann ein jüdischer Israeli niemals Terrorist sein, egal was er immer auch tut. Ob er nun unprovoziert mit Lenkwaffen mehrfach (!) auf Kinder feuert oder aus großer Entfernung ohne jede Vorwarnung, ohne jede militärische Notwendigkeit mit Panzern in Wohn- und Krankenhäuser hinein, ist dabei unerheblich. Sorry – ich halte das allerdings für äußerst erheblich und solange Israel offiziell Terror nicht Terror nennt, würde ich auch unter Palästinensern grundsätzlich niemals Terroristen finden, egal was sie auch immer tun. Da ich aber Muslim bin, werde ich Terrorakte von Extremisten auf Palästinenserseite selbstverständlich auch Terror nennen – ganz genau wie Terror, der von Israels Regierung und Militär ausgeübt wird.

Aber das begreifen meine niedlichen, kleinen Trolls sowieso nicht.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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4 Antworten zu Israel – tödliches Salut für einen Kameraden

    • echsenwut schreibt:

      Israel belohnt seine Mörder, soviel ist sicher. Für feige Monstren, die Wehrlosen, am Boden liegenden Menschen ohne jede Bedrohung „einfach mal eben so“ in den Kopf schießen werden Medaillen verlangt, sie werden freigelassen und -gesprochen. Leute, die Kinder zu mehreren (!) bestialisch zusammentreten, erfahren noch nicht einmal eine Untersuchung und israelische Terroristen, die ganze Häuser samt Bewohner niederbrennen, erfahren grundsätzlich niemals die gleiche Strafe wie Nichtjuden. Ihre Familienhäuser werden NICHT abgerissen, sie geraten auch nie in „administrative Haft“. Es gibt 50 (!) unterschiedliche Gesetze, die Nichtjuden in Israel zwangsweise diskriminieren. Besonders „effektiven“, israelischen Terroristen, denen viele Dutzend Menschen zum Opfer fallen, errichtet man in Israel ganz gern auch schon mal kostbare Schreine, die zur öffentlichen Verehrung in einer Ortsmitte aufgestellt und mit Gedenktagen und Gottesdiensten bedacht werden. Möchten Sie hier Einzelheiten? Liefere ich Ihnen gern – und Sie wären mit der Neutralität und Objektivität der Beweisführenden sicherlich zufrieden.
      Außerdem: möchten Sie über die kleinen Jungs, die am Stand von Gaza Fußball spielten und vollkommen grundlos mit mehreren Granaten beschossen worden sind, auch so herzzerreissende Geschichtchen lesen? Oder von dem Jungen, der Benzin trinken musste, bevor er angezündet wurde?

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  1. ebenso schreibt:

    Gerüchte ohne Quellenangaben sind, nun ja, Gerüchte. Die erwähnte Geschichte belegt also nichts, erstens. Zweitens verliert z.B. ein Krankenhaus seine nStatus, wenn es zweckentfremdet wird und als Munitionsdepot o.ä. verwendet wird, so wie bei den „Freiheitskämpern“ eben üblich. Drittens würde deine salbungsvoll behauptete Neutralität glaubwürdiger, wenn du einmal, nur ein einziges Mal, den täglichen Terror gegen israelische Zivilisten, gegen Frauen und Kinder beleuchten würdest. Einen Terror, der Staatsziel in Gaza ist, der Kindergartenkindern vermittelt wird. Eine Gehirnwäsche und ein Todes- und Hasskult, der Mütter den Märtyrertod ihrer Söhne wünschen lässt.
    Das aber wird nicht passieren und so sind deine parfümierten Pirouetten eben nichts anderes als eine dumme und verlogene Heuchelei.

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    • echsenwut schreibt:

      Ich bin hier weder eine Zeitung, noch eine Nachrichtenagentur – dies hier ist kaum mehr als ein Tagebuch. Und ich muss mir selbst keine Nachweise archivieren; was ich gelesen habe, WEISS ich. 🙂
      17 Krankenhäuser, die alle verkappte „Terrorzentren“ gewesen sein sollen? 17? Echt? Glauben Sie sowas? Von mir aus.
      Im Übrigen habe ich mich bisher einige Male ob islamistischen Terrors äußerst betroffen gezeigt, und dies auch und gerade in jüdischen blogs. Wenn ich über Terror schreibe, äußere ich mich eigentlich immer angeekelt, angewidert von den Tätern, die sich zu allem Überfluss auch noch „Muslime“ nennen. Allah mag entscheiden, ob sie welche sind. Ich lehne Gewalt GRUNDSÄTZLICH ab und stelle mich als Muslim damit auch bewusst und frontal gegen Glaubensbrüder, die da eine andere Sicht vertreten. Wenn Sie meine Meinung zum „Gesamtproblem Israel und Palästina“ haben wollen – bittesehr: lesen Sie „Meine Position zu Israel“. Wenn das nicht sprechend genug für Sie ist, kann ich Ihnen auch nicht helfen.
      Darüberhinaus ist Ihre selektive Wahrnehmung höchst erstaunlich! Sie verrät, dass Ihnen das Ausmaß staatsterroristischer Verbrechen Israels nicht ansatzweise bekannt sind und dass Sie nicht erkennen können, welcher Medienmanipulation wir hier ausgesetzt sind. Ich drücke die Kompassnadel einfach nur in eine andere Richtung und zeige auf, was Israel so gern unterdrücken möchte: die bösartige, abstoßende Seite der israelischen Regierung, die aus rein rassistischen Gründen aus dem gesamten Gebiet mithilfe ethnischer Säuberungen ebenso ein „Groß-Israel“ machen will wie einst die Nazis aus halb Europa ein „Groß-Deutschland“. Wenn die Regierung Israels einmal damit beginnen würde, spätestens nach der Klage über einen palästinensischen Terrorakt die eigenen Verbrechen anzusprechen, dann werde ich kurz nach meinem Beklagen über israelische Verbrechen auch sehr gern die palästinensischen in den Fokus rücken. Tatsache (und die ist beweisbar!) aber ist, dass Israel sein Möglichstes tut, seine Verbrechen zu leugnen, zu vertuschen und nicht davor zurückzuckt, dafür selbst ganz offen massiven Druck auszuüben, damit seine „Freunde“ bloß nichts Unangenehmes schreiben.
      Aber das werden Sie nicht verstehen – und schon gar nicht akzeptieren. Für Sie wird alles „parfümierte Pirouette“ sein, was Sie nicht sehen wollen und auch für Nazis war es schon immer „dumme und verlogene Heuchelei“, wenn Außenstehende darauf bestanden haben, dass Juden auch Menschen sind.

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