Landmarke auf dem Weg des Niedergangs

Seit ich denken kann versuche ich, weder einer Hysterie, Gerüchten, veritabler Panik oder blanken Übertreibungen aufzusitzen – deshalb beteilige ich mich ganz grundsätzlich niemals an Verschwörungstheorien und dies selbst dann nicht, wenn sie sich arg verführerisch und toll in mein Weltbild eingliedern würden. Viele extreme und extremistische Muslime sehen in Europa schon seit Jahrzehnten einen totalen Verfall und Niedergang unserer Gesellschaft. Dem habe ich mich immer entgegengestellt – aber nun scheint der Moment gekommen, an welchem Umdenken notwendig wird.

Was bedeutet die „Affäre Lohfink“ für unsere Justiz, für die Jurisprudenz, für unsere Gesellschaft, Zukunft und Politik?

Sabrina Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der „Zeit“, schrieb vielsagend:

„Was leidenschaftliche Liebesnacht und was Vergewaltigung war, definiert die Frau am Tag danach.“

… und das beinhaltet für mich den innersten Kern dieses gesellschaftlichen Konflikts – und der ist nach meiner Meinung unter gegenwärtigen Umständen unauflösbar. Die derzeit ausgelöste Diskussion mündet für die Männer in unserer Gesellschaft in eine Zwickmühle, der sie grundsätzlich nie mehr entkommen können: egal, in welcher Beziehung sie auch immer zu (irgendeiner!) Frau stehen, Sex ist unmöglich geworden.

Der Gefahr, dass sie nach einer vermeintlich harmonischen Liebesnacht plötzlich in Handschellen wachwerden, entkommen sie nie. Nehmen wir an, wir wären buchstäblich reiche Ehemänner und realisieren am nächsten Morgen auf der Polizeiwache, dass die eigene Frau seit längerem ein Verhältnis hat und mit einer Anzeige wegen Vergewaltigung einen tollen Hebel gefunden hat, um uns loszuwerden. Oder Unsummen mit der Drohung von uns zu erpressen, eine Anzeige zu erstatten. Oder nehmen wir an, ein entspannter „One-Night-Stand“ mit einer lustigen Strohwitwe reut selbige am nächsten Morgen. Vielleicht, weil ihr Ehemann uns zusammen erwischt hat und sie wählte den Notausgang: „Der hat mich vergewaltigt!“. Das sind nur zwei Situationen, die sicherlich in der Praxis durchaus häufiger vorkommen (können), es gibt noch viele weitere Szenarien, die allesamt sehr unangenehm für den Mann werden können. Wie in der „Affäre Lohfink“ erkennbar, finden sich selbstverständlich sofort ausreichend viele Feministinnen, die den Vergewaltigungsvorwurf unter allen Umständen aufrechterhalten und medial laut bekreischen – ganz unabhängig davon, ob der Vorwurf auch nur im Ansatz korrekt ist. Im Gegenteil: es wurden schon Stimmen unter ihnen laut, den Vorwurf selbst bei massiven Skrupeln gegen die Behauptungen des „Opfers“ aufrechtzuerhalten. Weil es ja nicht so schlimm sei, wenn man unter zehn öffentlich hingerichteten Männern auch mal einen oder zwei Unschuldige mit gekreuzigt haben sollte.

Dieser gesellschaftlich-politischen Falle entkommen wir nicht mehr. Unser Wertesystem ist soweit zusammengebrochen, dass die bewusste Erhebung eines erlogenen Vergewaltigungsvorwurf mit ausreichend großer Wahrscheinlichkeit befürchtet werden muss, wenn man sich als Mann unvorsichtigerweise mit irgendeiner Frau einlässt. Erlaubt scheint generell, was Vorteile oder Konsequenzlosigkeit verspricht – Hauptsache, man wird nicht erwischt. Aber welcher Mann installiert schon vor dem Sex mehrere Kameras und lässt die Frau die Formel hineinsprechen: „Jawohl, der nun folgende Geschlechtsverkehr findet mit meiner vollständigen Zustimmung statt!“ ?

Es gab da mal die „unterste Ebene“ gesellschaftlichen Zusammenlebens: die zehn Gebote. Heute taugen sie nur noch als Lachnummer und die meisten Menschen verlangen die Einhaltung solcher Spielregeln von allen anderen und sind für sich der Meinung, dass man sie nicht beachten muss, wenn sie irgendeinem Genuss oder Vorteil im Wege stehen.

Somit steht nun unsere demontierte Gesellschaft dadurch vor der Notwendigkeit, etwas gesetzlich regeln zu müssen, was definitiv nicht regelbar ist. Vertrauen in die Redlichkeit einer Frau ist maximal gefährlich (nebenbei bemerkt: Vertrauen in die Redlichkeit von Männern selbstverständlich auch!). Dieser Konflikt findet niemals eine tragbare und umsetzbare, gesetzliche Lösung. Der einzige Ausweg scheint tatsächlich eine totale Videoüberwachung beim Sex zu sein und wie wir sehen, reicht da offenbar eine Kamera nicht aus und man schneidet besser sehr großzügig mit.

Das macht sich ganz toll in der ebenfalls parallel betriebenen Diskussion, wieviel Überwachung durch den Staat, Ausschnüffeleien zugelassen werden müsse und wo der Bereich beginnt, der für Staat und Polizei tabu sein muss. Wir fragen nach Gesetzen für eine der intimsten Situationen im Leben von Menschen. Situationen, die, wenn die Gesellschaft über stabile Werte verfügen würde, natürlich auf gar keinen Fall vom Staat geregelt werden müssten.

Was diskutieren wir da? Einen ähnlichen Anachronismus hatten wir in der „Affäre Edathy“ – plötzlich versammelten sich Hysteriker, die irgendwelche Leute anzeigten, weil die Fotos am Strand machten, auf denen sich nackte Kinder wiederfanden. Es ist gefährlich, heute am Strand Fotos zu machen. Wir sind soweit gekommen, dass man sich besser sehr sorgsam nach allen Seiten umsieht, ob da auch wirklich keine (nackten?) Kinder spielen, bevor man abdrückt. Was kommt als nächstes?

Darf ich einer alten Dame über die Straße helfen? Oder muss ich mich bald vor dem Vorwurf fürchten, dass ich sie ganz bestimmt nur ausrauben oder vergewaltigen wollte?

Dass wir nun dazu aufgerufen sind, Angelegenheiten intimster Art zwischen Menschen gesetzlich zu regeln, zum Gegenstand von Gerichtsverfahren und medialer Hinrichtung zu machen, markiert eine Landmarke auf dem Weg des Niedergangs. Eine wahrhaft stabile und wertesichere Gesellschaft wird immer auf solche Regelungen verzichten; dort werden Vergewaltigungen und kinderpornographisches Fotografieren immer und zuverlässig nur Einzel-(Aus)-Fälle bleiben.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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