Israel – will es wirklich ein „jüdischer“ Staat sein?

Israel gerät trotz aller Bemühungen, trotz aller massiver Einwirkung über diplomatische Kanäle, trotz allem Antechambrieren immer weiter in Bedrängnis. Die Fronten verhärten sich und provozieren die Regierung zu immer fragwürdigeren Aktionen. Darunter fallen Entscheidungen, die natürlich niemals und unter tatsächlich keinen Umständen jemals hätten getroffen werden dürfen. Die Regierung Israels rutscht ab in trivialste, lauteste und aggressivste Schreierei – und reißt damit nicht nur das ganze Land mit sich, sondern beschädigt das Ansehen der jüdischen Religion beträchtlich. Bevor es dem schönen Glauben der Juden noch mehr Schaden anrichtet, sollte es vom Anspruch zurückweichen, ein „jüdischer Staat“ zu sein. Ein solcher „jüdischer Staat“ stünde für seine Religion ähnlich da wie ein „Islamischer Staat“, also Daesh, für den Islam.

Was ist passiert?

Es gibt einen Chef-Rabbiner, der neben dieser Aufgabe regulären Dienst in der israelischen Armee (IDF) ableistet. Der aktuelle heißt Brigadegeneral Rafi Peretz. Sein Amt hat bereits recht merkwürdige Ereignisse in der Vergangenheit zu verantworten. So wurden ganze Einheiten beispielsweise kurz vor dem letzten Gaza-Massaker auf Plätze abkommandiert, auf welchen extremistische Rabbiner suggestiv und manipulativ auf sie einwirkten. Einigen Soldaten fiel das nicht nur bewusst auf, sie erschraken sogar davor. Inhalt dieser psychologischen Konditionierung waren aufhetzende Reden, Gesänge, Gebete, Tänze. Nicht der Umstand, dass spirituell geprägte Versammlungen abgehalten worden sind, sondern die Inhalte der Reden und Vorträge gaben Anlass zu Kritik.

Das Amt des Chef-Rabbiners ist somit ein einerseits heikles, welches wohl einer z.T. sehr schwierigen Gratwanderung nie entkommt und andererseits ein besonders verantwortungsvolles, da es tatsächlich über die Art und Weise, wie israelische Soldaten Kampfhandlungen führen, entscheiden kann. Man sollte also davon ausgehen, dass die Person für dies Amt sehr sorgfältig und eingedenk aller Aspekte und Verantwortung ausgewählt wird.

Rafi Peretz scheidet aus der Armee aus und legt das Amt des Chef-Rabbiners nieder. Ich war durchaus entsetzt davon zu hören, dass die Wahl auf Rabbi Colonel Eyal Karim als sein Nachfolger fiel.

Obschon er ganze zehn Jahre (!) später bestreitet, diese Aussage in der gleich zitierten Form jemals getätigt zu haben, hängt sie ihm nach. Das Dementi ist ohnehin aufgrund seiner vollständigen Nutzlosigkeit und Wahrheitsleere beängstigend inhaltslos; Karim hat sie schriftlich auf der religiösen website Kippa getätigt – ich zitiere erst eine englische, und danach eine daraus resultierende, deutsche Übersetzung seiner damaligen Veröffentlichung (Quelle: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4827240,00.html ) :

(Anlass für seine Aussage war die Anfrage eines israelischen Soldaten auf der website Kippa, ob etwa Vergewaltigung im Kriegsfall nach der Thora erlaubt sei)

Karim replied that, as part of maintaining fitness for the army and the soldiers‘ morale during fighting, it is permitted to „breach“ the walls of modesty and „satisfy the evil inclination by lying with attractive Gentile women against their will, out of consideration for the difficulties faced by the soldiers and for overall success.“

Übersetzung:

Karim antwortete, das es als Teil der Aufrechterhaltung der Fitness und der Moral der Soldaten in der Armee erlaubt sei, die Wälle der Sittsamkeit zu „brechen“ und „die üble Neigung durch Schlafen mit attraktiven Heidinnen entgegen ihres Willens ohne Berücksichtigung von Schwierigkeiten für die Soldaten für den ganzen Erfolg zu befriedigen.“

Karim hatte sich zuvor auf den jüdischen Grundsatz pikuach nefesh bezogen; dieser Grundsatz befreit Juden von der Notwendigkeit zur Beachtung von Sittengesetzen der Thora, sobald sie bzw. ihre (religöse) Gemeinschaft von einer existenziellen Bedrohung heimgesucht werden. Man könnte dies als „Kriegsrecht“, als „Notwehr“ bezeichnen. Eine ähnliche Gesetzgebung kennt im Grunde jede Kultur – die islamische selbstverständlich ebenso wie jede säkulare oder gar laizistische in Form eben des bereits erwähnten „Notwehr“-Gesichtspunkts. Er befreit letztlich jemanden von Schuld, der entgegen jedes Gesetzes einen Menschen tötet, weil er außer dieser Tat keine Möglichkeit der Verteidigung oder des Selbstschutzes (mehr) hatte.

Es dürfte jedoch vollkommen außer Frage stehen, dass nirgendwo auf der Welt selbst Vergewaltigung Teil einer solchen Bestimmung und somit allgemein akzeptiert sein könnte. Wenn Karim wörtlich auf „Heidinnen“ zu sprechen kommt, verrät er einen höchst tiefsitzenden, völlig irrationalen Hass für alles Nichtjüdische und erklärt sie zu verfügbarem Vieh. Das steht in direkter Tradition zur nicht wenig verbreiteten Sichtweise extremistischer Juden Israels, das im Kriegsfall eben auch Babies und jeder Wehrlose getötet werden dürfen – oder sogar sollen.

Was soll die Welt damit anfangen?

Getreu extremistisch-israelischer und allgemein islamophober Sicht- und „Argumentations“-Weise sind arabische, palästinensische Attentäter, die wahllos auf alles schießen, was sich bewegt, Mörder, die angeblich „nur ihrem Glauben“ folgen. Das ist natürlich scharf zurückzuweisen. Aber wenn man nun mit rhetorischer Münze heimzahlen wollte müsste man nun konstatieren, dass die Juden in der Armee immer alle nur vergewaltigen und Babies töten wollen, um ihre „schlechten Neigungen“ zu befriedigen und ihren bestialischen Glauben zu beschützen. Das ist natürlich auch Unsinn; das Judentum hat eine solche Diffamierung ebensowenig verdient wie seine Anhänger, weil die Wahrheit Lichtjahre davon entfernt liegt.

Nicht wenige der Betonköpfe unter den (beinah zwanghaften!) „Freunden“ Israels stellen, ganz ohne es selbst zu merken, die furchtbarsten Antisemiten und richten sowohl für das Land, als auch für die überwältigende Mehrheit aller Juden entsetzlichen Schaden an, in dem sie reflex- wie allerdings tatsächlich zwanghaft verhindern wollen, dass solche Personalien und sonstige Entscheidungen kritisiert werden.

Ich habe noch nie unter Anwürfen von Dummköpfen gelitten, meine kleinen Trolls wissen das (und das macht sie rasend!) – und so kann ich ganz wunderbar damit leben, wenn diese Antisemiten mich auch jetzt wieder des „Antisemitismus!“ beschuldigen. Sie bekreischen ihr eigenes Spiegelbild und realisieren, ohne es je zugeben zu können natürlich, dass die Ernennung eines Karim zum Chef-Rabbiner der israelischen Armee ein ganz furchtbarer Fehler ist.

Juden, die wie ich als Muslim nur Frieden, Ausgleich, Verständigung und ein spirituell ungestörtes Leben suchen, die werden mich ganz genau verstehen.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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