Terror in Nizza – die Geißel, die nie wieder verschwindet

Über den Anschlag selbst bleibt nichts mehr übrig zu sagen. Es kann nichts gesagt werden, was nicht schon tausendmal gesagt wurde und trotzdem kein Menschenleben retten konnte.

Die Welt wird den Terror niemals wieder los. Er ist die einzige Waffe, die dem Verzweifelten, dem Verirrten und Verblendeten, dem Dummen und dem Hasserfüllten bleibt – und diese Waffe ist sehr machtvoll. Sie löscht nicht nur viele Menschen aus, sie verursacht namenlosen Schrecken und erreicht uns in unserer Bequemlichkeit, unserer Sattheit.

Nein – auch dieser Attentäter handelte nicht im Namen des Glaubens. Selbst wenn er dies gedacht haben sollte. So wie niemand „göttlichen“ Befehl oder Beistand für sich reklamieren kann, der andere auslöscht. Dieser Mann wird als furchtbarer Massenmörder vor Allah treten und seinen wohlverdienten Richtspruch in Empfang nehmen; allerdings fährt er an einen anderen als den von ihm erwarteten Ort.

Unsere Gesellschaft produziert sich ihre Verrückten und Massenmörder selbst; nach dem Stand der Information war auch dieser feige Mörder Teil der französischen Gesellschaft. Solange wir uns dagegen wehren, die Gründe für den Terror zu hinterfragen, die Ursachen dafür beim Namen zu nennen, solange werden wir Angst haben müssen vor allerlei Lastkraftwagen, irgendwie merkwürdigen Passanten, Volksfesten, Versammlungen bis hinein in den Kaffee, zu dem wir uns spontan nach Feierabend entschlossen haben und dazu in die Innenstadt wollen.

Das ist keine graue, feindliche Masse, die irgendwo auf der Welt abgefeimte Terroristen zur Welt bringt und zu uns herüberschleust. Da gibt es keinen Topf, auf den man (möglichst mit noch mehr Waffengewalt) einen Deckel würde werfen können. Es gibt kein spezielles Gesicht, das man auslöschen könnte und alles wäre gut und vorbei. Wir werden auch in ein oder zwei Jahren, falls Daesh dann zerstört werden konnte, erschrocken feststellen, dass an seine Stelle ein neuer Gegner getreten sein wird – denn Terror ist eine hochwirksame Vernichtungswaffe, wie wir sehen, und damit attraktiv.

Bisher haben wir weder Kosten noch Mühen gescheut, den Terror mit immer mehr Waffen und Kriegen zu füttern. Und die Toten dieser Marktstrategie setzen immer wieder aufs Neue Signale, wenn sie zuhaus unter Trümmern liegen oder auf ihrer Flucht auf den Boden des Mittelmeers sinken. Wäre die Region, die zu ihrem Fluch und Schaden über viel zu viel Öl verfügt, erzkatholisch, so hätten wir katholischen Terror und wären es Buddhisten, so würden extremistische Buddhisten ihre Laster in unsere Mengen lenken.

Aber das wird Europa nicht hören wollen, während es zu recht über die Toten von Nizza trauert. Ich wüsste nicht, wie, womit ich Angehörige, Hinterbliebene trösten sollte; angesichts dieses unermesslichen, unnötigen Leids versagen die Worte. Wie man auch kaum noch welche der Wut, der Verzweiflung, des Hasses über den Attentäter findet. Wir werden uns an den Terror gewöhnen, weil uns das Geld aus den Waffenlieferungen, die uns aus den Kriegen erwachsene Macht lieber ist als offenes und kritisches Nachdenken. Nach meiner Einschätzung werden solche und ähnliche Anschläge Europa noch jahrzehntelang erschüttern und Wunden in unsere Seelen und Familien reißen.

Unsere jetzt noch kleinen Kinder werden mit Verhaltensmaßregeln und Vorsichtsmaßnahmen leben und sie als selbstverständlich erachten, vor denen wir uns erschrecken. Dennoch werden wir immer mehr, immer mehr und noch mehr Waffen in die Welt pumpen und uns von jeder Schuld freisprechen, wenn unsere Kanonen Dörfer zerreißen – weil wir dem Kanonier Macht, Geltung und Zukunft versprechen.

Wir werden den Opfern des Terrors eines Tages sagen müssen, dass wir selbst die Schuld daran tragen. Die Geschichte wird uns für das, was wir uns heute selbst nicht eingestehen wollen, eines Tages verurteilen.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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4 Antworten zu Terror in Nizza – die Geißel, die nie wieder verschwindet

  1. qwertz schreibt:

    Der Vizepräsident der Imame Frankreichs ist wenige Stunden nach dem blutigen Attentat von Nizza zurückgetreten. „Inzwischen ist es schwer, den Islam vom Islamismus zu unterscheiden.“ Mit dieser Begründung gab Hocine Drouiche, der Imam von Nimes, seinen Rücktritt bekannt. „Ich hoffe, daß in den Moscheen über das Attentat gesprochen wird und nicht über Dinge, die nichts damit zu tun haben.“

    „Ich gebe meinen Rücktritt und meine Ablehnung dieser inkompetenten Institutionen bekannt, die nichts für den sozialen Frieden tun und ständig wiederholen, daß es keinen Extremismus gibt.“ Mit diesen Worten teilte Hocine Drouiche, Imam von Nimes und Kandidat für den Posten des Imams an der Großen Moschee von Paris, der Öffentlichkeit mit, daß er alle Ämter in der Conférence des imams de France und im Conseil français du culte musulman mit sofortiger Wirkung niederlegt.

    Bereits nach dem Attentat auf die Konzerthalle Bataclan in Paris im November 2015 sagte Drouiche, die islamische Gemeinschaft in Europa müsse sich bewußt werden, daß der islamische Extremismus in seine Reihen eingedrungen ist.

    „Wir müssen die Wahrheit sagen“, so der Imam damals gegenüber der Tageszeitung Il Foglio. „Von den Muslimen ist kein wirklicher Einsatz gekommen, eine Lösung für das große Problem der Radikalisierung und des Hasses zu finden. Ich hoffe, daß die Ereignisse von Paris die Muslime in Frankreich und in ganz Europa aufwecken, um unser Zusammenleben und die Zukunft unserer Gesellschaften zu retten.“

    Das war vor acht Monaten. Seither befindet sich Frankreich im Ausnahmezustand samt Einschränkung der Bürgerrechte. “Die Muslime in Frankreich und in ganz Europa“ sind offensichtlich nicht aufgewacht, wie das Attentat von Nizza und die Reaktion von Imam Drouiche zeigen.

    Bereits im Vorjahr legte er den „Kern des Problems“ aus seiner Sicht dar:

    „Der Haß ist zum Wesensmerkmal des innerislamischen Diskurses geworden, besonders in Europa, um auf diese Weise die junge Muslime gegen den Westen mobilisieren zu können.“

    http://www.katholisches.info/2016/07/15/frankreichs-vizepraesident-der-imame-tritt-zurueck-wir-muessen-die-wahrheit-sagen-islam-und-islamismus-nicht-mehr-zu-unterscheiden/

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    • echsenwut schreibt:

      Die Darstellung des Imams, der das Phänomen des grassierenden und sich ausweitenden Hasses innerhalb islamischer Gemeinden beklagt, ist leider alles andere als substanzlos. Nicht nur unter Islamophoben, auch in den Reihen der Muslime multipliziert sich derzeit das intensive Bedürfnis nach „einfachen Lösungen“ – und die heißt immer öfter: Gewalt.
      Ich habe auch Verständnis dafür, dass zwischenzeitlich sogar Muslime selbst nach Kontrolle, Überwachung, Einflussnahme und Korrektur Einzelner durch die Gemeinden fordern – der Glaube selbst allerdings gibt hierfür keine Möglichkeiten her. Kontrollinstanzen oder solche, die Beurteilen, Verurteilen dürfen, haben im Islam nie existiert und diejenigen unter den Muslimen, die sich eine solche Funktion anmaßen sind genau auch diejenigen, die sich dadurch außerhalb des Islams stellen. Sie werden nun selbst für sich beurteilen müssen, inwiefern sie (noch) Muslime sind.
      Es ist ein Trugschluss von Nichtmuslimen anzunehmen, die Muslime seien angeblich nicht „aufgewacht“. Sie haben keine Handhabe – und sind somit nie „eingeschlafen“. Sowenig wie Demokraten eine Gerichtsbarkeit für irgendwelche Demokraten irgendwo auf der Welt innehaben, sowenig gibt es eine solche innerhalb des Islam. Bisher hat dieser Umstand eine ganze Anzahl unterschiedlicher Sekten, Rechtsschulen, Gemeinden entstehen lassen, die frei von (vernichtender?) Kritik anderer eine etwas andere Sichtweise auf den Qur’an, den Glauben und die Anforderungen an ein friedliches und prosperierendes Miteinander entwickeln und ausprobieren konnten.
      Die Signale, die ich über Medien aus diversesten Weltgegenden aus muslimischen Gemeinden erhalte, sind durchaus andere als die des Imams. ich registriere sehr wohl breitflächig Veränderungen; auch wenn sich diese noch lange nicht vollends durchgesetzt haben, existiert dennoch eine breite Front von Muslimen, die sich dem archaischen Gottes- und Glaubensbild entgegenstellen. Es wird noch geraume Zeit dauern, bis sich Reformen bis ins letzte Dorf durchgesetzt haben und es wird immer Erzkonservative geben, die viel lieber an überkommenen Glaubens- und Brauchtumsmustern festhalten – aber solche gibts überall.
      Ich finde es seltsam, dass der Imam von „inkompetenten Institutionen“ spricht und offenbar diesen einen, allerdings entscheidenden Unterschied zu allen anderen Religionen damit unterdrückt: der Mangel an Befehlsgewalt einer Elite, die ins individuelle Leben vordringt und allgemeingültige Schranken setzt, führt gerade im Fall von Religionen grundsätzlich immer mehr oder weniger schnell tief hinein in den Missbrauch. Der Islam verzichtet aus exakt diesem Grund genau darauf; es ist so ungeheuerlich verführerisch, große Menschenmassen mit solcherlei Befehlen zu steuern, dass es immer nur eine Frage der Zeit ist, wann dies Instrument missbraucht wird, zu Kriegen und Folter, Vernichtungen und Tränen führt.
      Es wäre einmal interessant zu hinterfragen, inwiefern sich dieser Imam mit aller Kraft in das hineingeworfen hatte, was Islam als taugliches Gegenmittel parat hält: die persönliche Ansprache, die persönliche Bemühung um jeden Einzelnen, der ganz eigene Einsatz. Falls er sich in dieser Aufgabe nicht aufgerieben haben sollte bliebe letztlich nur noch festzustellen, dass er kaum anders spricht und handelt als ein leicht angesoffener Stammtischbruder, der nach dem fünften Bier plötzlich alle Lösungen für alle Fragen der Welt kennt und kurz vor und kurz nach dem Trinken nichts mehr davon weiß.

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  2. echsenwut schreibt:

    …. Ach ja …. wieder sowas Verblendetes.
    Leute wie Sie halten das Schießen und Töten konsequent, zuverlässig und dumm genug aufrecht; Sie machen aus dem Wahnsinn Methode. Das liegt wohl daran, dass Sie in Ihrer Sattheit, Bequemlichkeit und Dummheit wesentliche Teile der Realität ausblenden. Das werden Sie genau solange tun, bis es Sie eines Tages mittelbar oder unmittelbar selbst erwischt.
    Und dann verfallen Sie in das übliche Geplärre Ihrer bildungsfernen Szene: „Oooh, das habe ich nicht gewusst, oooh, das hat mir keiner gesagt, ooooh, daran bin ich nicht (mit-) schuldig.“
    Sie dürfen das so sehen und sagen. Ehrlich.
    Sie dürfen dann aber auch Ihre eigene Verantwortung und Schuld tragen.

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  3. sfdf schreibt:

    Der Mörder war vor allem Teil einer Religion und konnte sich auf sie berufen.
    Grosse Teile dieser Religion sehen Anders-und Ungläubige nicht als Moslems ebenbürtig und gleichwertig an.
    Grosse Teile dieser Religion legitimieren Gewalt bis hin zum heiligen Krieg.
    Keine andere Religion ist in dieser Art und Weise auffällig.

    Schnallst du es endlich, Echsenhirn?

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