Europa und die Todesstrafe

Für mich persönlich ist die Todesstrafe, wie sie ja übrigens bis heute noch Teil der hessischen Landesgesetzgebung ist, ein taugliches und angebrachtes Strafmaß für eine Reihe von Straftaten. Ein gewalttätiger Umsturzversuch gehört für mich selbstverständlich dazu.

Die Türkei hat den Preis für die Aussetzung der Todesstrafe bereits bitter bezahlt: der Massenmörder Özcalan, ursprünglich zum Tode verurteilt, wurde nicht hingerichtet. Das hat die Türkei bereits hunderte von Menschenleben und einen Bürgerkrieg mit großen Zerstörungen gekostet. Heute wütet die PKK kaum weniger als damals – und wieder führt sie das Gesicht Özcalans auf ihren Fahnen.

Ich halte das europäische Nein zur Todesstrafe erstens für einen Witz und zweitens für unglaublich verlogen.

Vor vielen Jahren habe ich mal ein Experiment gemacht: im Iran wurde ein Mörder und Vergewaltiger verhaftet, auf dessen Konto dazu noch etliche, bestialische Morde gingen. Ihm fielen vorwiegend sehr junge Frauen und Mädchen zum Opfer. Das iranische Urteil, den Täter am Hals langsam zur Strangulation an einem Baukran hochzuziehen, was eine besonders belastende Hinrichtungsmethode darstellt, wurde international und gerade in Europa mit einem allgemeinen Aufschrei begleitet.

In einer Pause stand ich wie üblich mit Kollegen zusammen. Die meisten von ihnen brave Familienväter. Da zufällig gerade von einem anderen Vergewaltiger in Deutschland die Rede war, fasste ich vorsichtig nach, was wohl die Versammelten für angemessen hielten, wenn sie den Mörder ihrer Tochter zu fassen kriegten. Ich habe mich über die Phantasien der Väter tief erschrocken – das iranische Urteil kam mir plötzlich dagegen überaus milde vor.

Die Menschheit hat ein Recht auf Todesurteile. Das Phänomen, dass Angehörige verurteilten Mördern dabei zusehen müssen, wie sie dreckig grinsend nach wenigen Jahren ein Gefängnis verlassen, trug zur Demontage der Wertekulisse Europas entscheidend bei. Das eben darf nicht sein; Zurückgebliebene von Opfern haben das Recht darauf, dass der Mörder hingerichtet wird. Und noch viel, um so vieles besser ist das islamische Recht: hier haben die Angehörigen der Opfer die Entscheidungsgewalt, ob der Mörder hingerichtet werden soll oder nicht. Islam empfiehlt den Angehörigen in diesem Fall, von der Zustimmung zur Hinrichtung abzusehen, denn darin liegt größere Belohnung durch Allah. Es trifft sie jedoch keine Schuld, kein Vorwurf eines Verbrechens, wenn sie zustimmen und bei der Exekution anwesend sind. Das ist gut und richtig so. Und meine feste Überzeugung. Putschisten muss das Todesurteil ebenfalls treffen.

Heute sind immer weiter anwachsende Teile unserer rasend schnell verblödenden Bevölkerung bereit dazu, jedem Andersdenkenden den Schädel einzuschlagen. Man stiehlt sich klammheimlich nachts zu Unterkünften und versucht, Menschen nebst der Häuser zu verbrennen, in denen sie arglos schlafen. Die Leute prügeln aufeinander ein, dass vielfach nur noch von Tötungsabsicht gesprochen werden kann – und das tun sie sogar, wenn es nur um Fußball geht.

Rechte – die gelten in Europa immer nur für das jeweilige Individuum, welches sie gerade braucht, um eigene Missetaten, eigenes Versagen, eigene Blödheit zu kaschieren. Da führen heute Leute Reden im Maule, die nicht die geringste Ahnung haben; wenn man sie argumentativ mit Argumenten in die Ecke stellt, dann reagieren sie beleidigt und reklamieren für sich, dass das halt „ihre Meinung“ sei. Obschon sie besser ihr Gesicht schützen würden wenn sie eingestünden, dass sie halt keine Ahnung haben. Jedes Individuum hat ein Recht auf eine Meinung – das Gegenüber allerdings nicht. Egal was, alles, was ein Europäer auch tut, kann begründet oder entschuldigt werden, jedes Versagen wird kaschiert. Andere dürfen das nicht. Ihnen steht dies Recht nicht zu.

Die Flut von Hassmails, Drohungen, Übergriffen wächst rasant an – als wären Dämme gebrochen und der doofe Unrat kriecht erneut aus seinen Gullys. Hier und da melden sich welche hier bei mir auf dem blog und mäkeln beleidigt an meiner Einschätzung herum, dass sich Europa kulturell mit Lichtgeschwindigkeit demontiert und eben verblödet. Ich erlebe hier auch Drohungen und Beleidigungen und bin immer wieder sehr amüsiert wenn ich die Verblüffung dieser Trolls darüber bemerke, dass ich nicht wie erwünscht ängstlich, defensiv, zurückhaltend oder gar mit Entschuldigungen reagiere. Das mag auch damit zusammenhängen, dass man Muslime zwischenzeitlich glaubt als Wehrlose in der Defensive wahrnehmen und behandeln zu können. Macht man einmal „Buh!“ – verschwinden diese Idioten und suchen sich ein anderes Opfer. Denn sie können nicht mit Gegnern, sie brauchen Opfer.

Kein Zweifel: die europäischen Gesellschaften sind längst kilometerweit an der Akzeptanz von Todesstrafen vorbeigerauscht und beschäftigt sich bereits mit der Notwendigkeit von Folter. Es braucht nur noch einen kleinen Zündfunken, und die gröhlenden Horden marschieren wieder mit Fackeln, Stricken und Äxten.

Da wirkt es beinahe amüsant, was europäischen Politikern zum Thema Todesstrafe so alles einfällt und es ist durchaus beunruhigend, wenn sie eine unglaublich große Distanz zu denen damit aufzeigen, die sie eigentlich vertreten wollen. Ich behaupte, dass die Todesstrafe bei breitflächigen Referenden in Europa quasi über Nacht wieder eingeführt würde – ein solches Referendum allerdings traut sich niemand durchzuführen weil er weiß, wie es ausginge. Es gäbe eine riesige Akzeptanz für die Wiedereinführung; machen wir uns doch alle nichts vor, wir wissen alle, dass dem so wäre.

Da wäre es angesichts der Verblödung Europas viel zu viel verlangt den Bürgern zuzutrauen, dass sie die zweite Ebene des Begriffs „Todesstrafe“ verstünden: Europa hat längst Hunderttausende zum Tode verurteilt; es spricht das Urteil, überlässt allerdings anderen das Verhaften und Hinrichten. Jahrelang hat die Bundesregierung tatenlos dabei zugesehen, wie in Deutschland Menschen von den USA entführt und in geheime Foltergefängnisse überstellt worden sind. Wie moralisch sauber man dabei doch geblieben ist, nicht wahr? Deutsche, die Opfer wurden und nur zu gern von Deutschen selbst gefangen, gefoltert und hingerichtet worden wären – aber da das leider aufgrund des eigenen Moratoriums nicht so einfach möglich ist, lässt man halt andere die Drecksarbeit machen. Und woanders. Das erspart hässliche Titelseiten.

Hosni Mubarak ließ etliche Demonstranten von deutschen Radpanzern zu Tode quetschen, der Dikatator al-Sisi setzt ebenfalls auf deutsche Waffen, kauft U-Boote und lässt sich als Staatsmann von Merkel empfangen. Das ergibt letztlich eine große Mitschuld an mehreren Tausend Todesurteilen, die mit Maschinengewehren (auch deutscher Herstellung?) bei vollem Tageslicht auf offener Straße durchgeführt wurden. Saudi-Arabien richtet mit deutschen Waffen und deutscher Billigung wahllos Zivilisten hin. Aber man ist ja „Freund“ und als „Freund“ der Deutschen darf man öffentlich Verstümmelungen durchführen. Das bedeutet eine massive Mittäterschaft, Mitverantwortung an willkürlichen Hinrichtungen.

Und China ist unser „Freund“ – was bedeutet da schon Todesstrafe? Da ziehen, es wirkt fast wie ein zynischer Witz, mobile Hinrichtungskommandos von Ort zu Ort. Ein Schreckensrichter eröffnet in igendeiner Kneipe ein „Gericht“, lässt sich Verurteilte vorführen und überstellt sie dem mobilen Galgen oder dem eilig zusammengestellten Erschießungskommando. Noch bevor das letzte Grab geschlossen ist, zieht der Exekutionszirkus ins nächste Dorf. Aber China ist ja unser „Freund“.

Wir streben auch gerade ein extrem weitreichendes Wirtschaftsabkommen mit den USA an. Das erhebt die USA in einen Rang, der dem eines EU-Mitglieds schon sehr nahe kommt und ihnen weitreichende Zugriffe auf europäische Institutionen gewährt. Dessen hätte es aber überhaupt nicht bedurft: wir werfen den USA mit SWIFT und allen offen gewährten Zugängen zu unserem Privatleben sowieso alle Daten und persönlichen Informationen über uns einfach so vor die Füße. Bereit- wie freiwillig. Und da konstatieren Menschenrechtsorganisationen schon lange, dass die USA mit ihren pausenlos missglückenden Injektionshinrichtungen eine besonders grausame Art der Exekution betreiben. Da dauert das Sterben Verurteilter schon mal zwei Stunden und bedeutet eine ungeheure Qual voller Schmerzen und Ängste.

Das Lamentieren über die Wiedereinführung der Todesstrafe ist ein Lehrstück über europäische Verlogenheit und Heuchelei. Die Tötung anderer wird hier seit Jahrzehnten nicht nur akzeptiert, sondern sogar in seiner Kriegsform aktiv unterstützt. Da sich die Bundesregierung damals, nach dem Bombenangriff auf Zivilisten in Kunduz, niemand finden wollte, der das Unglück offen und öffentlich bedauerte und da man Jahre brauchte, um würde- und ehrlos um jeden einzelnen Cent Wiedergutmachungszahlungen zu feilschen, hat man im Grunde deutlich gemacht, dass einfache Afghanen halt verzichtbar sind und dass es wirklich nicht schlimm ist, wenn einige von ihnen durch verirrte Bomben umkommen. Schade wohl um die Bombe. Die Dinger sind teuer.

Hört einfach auf zu lügen. Stellt Euch einfach hin und sagt: „Die Todesstrafe ist in vielen Fällen angebracht.“ – dann würdet Ihr vielleicht ein Stückchen Ehre und Euer Gesicht zurückerlangen. Denn es ist genau dieser Umstand, weshalb Euch alle Menschen davonlaufen: Ihr bemüht immer dann, wenns politisch grad passt und Gewinne verspricht, eine Anzahl von „Werten“, hinter denen sich kaum noch jemand versammelt.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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