McPomm – es hat keine Wahl gegeben.

Wie Presse und Politik auf die Idee gekommen sind, es hätte angeblich in Mecklenburg-Vorpommern eine „Wahl“ gegeben, kann ich nicht ansatzweise verstehen.

Ich erzähle mal eine Geschichte – und irgendeiner sollte mir verraten, wo der Fehler darin steckt….. :

Vor langer Zeit stürzte im Pazifik eine Passagiermaschine an der Küste einer kleinen Insel ab. Ziemlich genau 100 Überlebende retten sich aus dem Wrack an Land. Nachdem sie kleinere und mittlere Blessuren behandelt und ihren Verstand nach dem Schock wiedererlangt hatten, versammelten sie sich im Kreis. Es galt, eine Strategie fürs Überleben zu entwickeln, da die Insel fernab von allen üblichen Schiffs- und Flugzeugrouten lag und keinesfalls kurzfristig mit Rettung gerechnet werden konnte.

Von den hundert Passagieren stahlen sich vierzig fort. Sie enterten das Wrack erneut und retteten sämtlichen Alkoholvorrat, die letzten Häppchen, Sonnencreme und bastelten sich aus der Inneneinrichtung und der Notfallrutschen Sonnenliegen.

Während die verbleibenden sechzig Aufgaben verteilten und darüber diskutierten, ob man zuerst Wasserquellen erschließen oder Hütten bauen sollte, ließen sich die vierzig am Strand grölend vollaufen und reckten lachend ihren Mittelfinger in die Richtung der sechzig hoch.

Die verbleibenden sechzig schufteten bis tief in die Nacht. Einige errichteten Gatter für gefangenes Wild, einige schwärmten aus und suchten Früchte, ein Dutzend fällte Palmen, sammelte Lianen und baute Hütten. Immer, wenn einige wenige von den vierzig ein bisschen nüchterner als gewünscht wurden, bedrohten sie die die sechzig und forderten lautstark ihre Mahlzeiten und ein angenehmes Unterkommen ein. Sie suchten und fanden auch die wirklich abstrusesten Gründe, um einige der sechzig davon abzuhalten, von den Vorräten zu essen. Der eine war ihnen zu haarig, der nächste zu blass, der dritte sprach Akzent und der vierte hatte zu große Füße. Sie hätten diese Leute gerne davongejagt, damit mehr von den Vorräten für sie blieb.

Die sechzig lehnten sich nicht gegen sie auf. Sie zogen nun Kerzen aus dem Talg erlegter Wildrinder und wickelten Fetzen ihrer letzten Lumpen um Stöcke als Fackeln, damit sie auch nachts noch basteln, bauen, kochen, nähen und damit den Bedarf der insgesamt hundert decken konnten.

Um sich besser koordinieren zu können, wollten sie Sprecher wählen und die sechzig machten nun zwanzig aus ihren Reihen zu Vertretern der gesamten hundert. Sie hätten die Mehrheit, prahlten sie und liefen mit stolzgeschwellter Brust durch das Lager. Den vierzig war das egal; sie wälzten sich weiter in ihren Sonnenliegen, tranken und wussten, dass sie darauf vertrauen konnten, aufs Beste bedient und mit Aufmerksamkeit bedacht zu werden – damit sie bloß nicht böse werden.

Was ist nun falsch an der Geschichte – und zu welcher Fraktion würde man selber gerne zählen? Zu den sechzig, die in vollendeter Selbstverachtung für die vierzig mitarbeiten und ihnen ein schönes Leben ermöglichen? Oder zu den vierzig, die ihrerseits in vollendeter Zynik die Mehrheit von allen zu ihrem Wohlleben arbeiten lassen und bei Unfreundlichkeiten sofort mit Gewalt, Aufstand, Zerstörung und Niedergang drohen?

Die hundert auf der Insel haben keineswegs „gewählt“ – sie haben nur nach stillschweigend vereinbartem Ritus Verteter bestimmt, die sie bei Bedarf feuern und bestrafen können.

Diese Inselgeschichte hat natürlich nichts mit „Demokratie“, sondern ausschließlich nur mit vollkommener Blödheit zu tun. In der Realität würden die sechzig die vierzig selbstverständlich (vermutlich mit Stöcken und Flüchen) davonjagen – und niemand käme auf die völlig verquere Idee, dass man jene ja „verstehen müsse“. Geschweige denn, dass ihre „Sorgen berechtigt“ wären. Man würde sie freche und dämliche Schnorrer nennen und keineswegs an den Früchten der gemeinsamen Arbeit partizipieren lassen! In der Geschichte trägt überhaupt keine „Politik“ die Schuld am Desaster; Abstimmungen, Aufteilungen von Frucht, Verantwortung, Arbeit würden nach der Fähigkeit, der Neigung und dem Interesse des Einzelnen besprochen und geplant – und wenn die übriggebliebenen sechzig in Form von Wahlen, Diskussionen und Argumentation eine Übereinkunft miteinander treffen und finden, ist das Ergebnis tragfähig. Das schlösse jedoch eine Beteiligung der vierzig vollständig aus; ein solches System erträgt keine frechen Schnorrer. Man müsste also entweder einen Weg finden, sich ihrer zu entledigen oder sie zu entmündigen. Sie würden essen dürfen, wenn sie auf Befehl arbeiteten und da sie sich zur Mitarbeit im Mitbestimmungsverfahren unfähig zeigen, würden sie davon selbstverständlich einerseits ausgeschlossen und andererseits, völlig konsequent und logisch, auch keinerlei Einsprache- oder Verweigerungsrecht besitzen.

Das wäre Demokratie.

Die Politik trägt keine Schuld am Desaster von McPomm. Im Gegenteil: sie hat generell in unserer Gesellschaft die Forderung an die Bürger zu stellen, sich zu beteiligen. Im Grunde müsste, und solche Modelle existieren ja durchaus!, Nichtbeteiligung an Wahlen als Ordnungswidrigkeit empfindlich bestraft werden. Es muss aversiv sein, sehr aversiv gemacht werden, einen Frühschoppen dem Gang zur Wahlurne vorzuziehen oder sich mit allzu dämlichen und grotesken „Entschuldigungen“ davonzustehlen. Ich würde die verschuldete Nichtteilnahme an einer Wahl (egal, welche in Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik!) einkommensabhängig mit mindestens 1.000 € beginnend bestrafen. Jemand mit hohem oder gar sehr hohem Einkommen würde sich den Spaß dann schon mal zehn- oder zwanzigtausend Euro und mehr kosten lassen müssen, „was Besseres“ am Wahlsonntag vorzuhaben. Im wiederholten Fall allerdings käme zur Geld- sicherlich noch eine Haftstrafe dazu. Da es das Modell Briefwahl gibt, gälte als Entschuldigung letztlich nur ein Attest, welches eine unmittelbar vor der Wahl notwendig gewordene Notfalleinweisung infolge eines Unfalls, eines durch unabhängige und objektive Zeugen bestätigten, familiären Notfall oder akuter Krankheit aufwiese. Niemand sollte ohne sich zu schämen einer Wahl fernbleiben können. Es muss eine gesellschaftliche Ächtung und Verachtung für Nichtwähler geben. Die Wahrnehmung, Nichtwähler seien doof, muss öffentlich installiert werden – denn dem ist nunmal so und alles andere ist hanebüchener Quatsch.

Denn das ist nur allzu deutsch: diese Nichtwähleridioten wollen letztlich nur erreichen, nicht verantwortlich gemacht zu werden und sich über „die da oben“ ungestraft mokieren zu können. Nichtwähleridioten haben den Sinn unserer Gesellschaft, die sie mit Bomben und Raketen überall hin exportieren, selber nicht verstanden. Sie kommen mir vor wie jemand, der ein gewisses Kneifen im Bauch hat und zum Arzt sagt:

„Machen Sie mich heile. Es ist vollkommen egal, was immer sie tun und was auch dabei herauskommt. Ich will nur, dass Sie operieren. Ob Sie mir ein Bein wegen der Bauchschmerzen amputieren oder ein drittes Ohr an den Hinterkopf nähen. Sie müssen bloß operieren. Das ist alles, was ich will. Und wenn Sie keine Lust mehr haben, werfen Sie einfach das Skalpell hin und lassen mich auf dem OP-Tisch langsam ausbluten. Alles kein Problem. Sie sollen nur operieren – was, wo und wie, ist mir vollkommen gleichgültig. Es interessiert mich auch nicht, ob ich noch einmal wach werde oder ob irgendjemand später einmal bei meiner Beerdigung sagt: hmmm … wäre ein kurzer Eingriff gewesen, er ist unnötig gestorben.“

Das Beispiel der vierzig macht Schule, weil gerade in Deutschland freche Faulheit eher belohnt wird – und wird eines Tages das „Beispiel der fünfzig, der sechzig, der siebzig“ genannt werden müssen. Solange die Demokratie nicht wehrhaft wird und Blöden wie den Nichtwählern nicht fundamentale Rechte entzieht, um sie buchstäblich als unberechenbar im (Zu-) Griff zu haben um sie wenigstens für gefährliche und ungeliebte Tätigkeiten als Manövriermasse zur Verfügung zu haben, wird sie untergehen – ja, untergehen müssen.

Solchen Leuten gehört zur Rettung unserer Zukunft ein Teil von Rechten beschnitten – mir käme da das „Briefgeheimnis“, die „Versammlungsfreiheit“, „Meinungsfreiheit“ und das „Recht auf Selbstbestimmung des Aufenthaltsorts“ in den Sinn. Nicht ohne den Weg zurück in die Gesellschaft beständig anzubieten: nachgewiesenes Interesse an gesellschaftlichen und politischen Fragen und Bescheinigungen über freiwillige, soziale Arbeit ohne Lohn würde sie dem produktiven und vollberechtigten Teil der Gesellschaft wieder zuführen (können).

Advertisements

Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
Dieser Beitrag wurde unter AfD, Antisemitismus, Demokratie, Deutschland, Extremismus, Faschismus, Geschichte, Gesellschaft, Mecklenburg-Vorpommern, Politik, Polizei, Wahl abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu McPomm – es hat keine Wahl gegeben.

  1. deutschemuslima71 schreibt:

    Schon mal den Spruch gehört: „Wenn Wahlen etwas ändern könnten, wären sie längst verboten?“
    oder: „Politik ist die Kunst, von den Reichen das Geld und von den Armen die Stimmen zu erhalten, beides unter dem Vorwand, die einen vor den anderen schützen zu wollen.“
    Kurz gesagt: Man wählt zwischen Pest und Cholera.

    Gefällt 1 Person

    • echsenwut schreibt:

      Selam!
      Natürlich IST das so! Mir geht es auch überhaupt gar nicht darum, unsere „Demokratie“ bekritteln zu wollen oder Verbesserungen zu verlangen – sondern letztlich nur (noch) darum, die ganzen Selbstbeweihräucherungen, wie toll doch unsere „demokratische“ Gesellschaft wäre und wie genial freie Wahlen wir hätten, als genau den einschläfernden Schmus zu kennzeichnen, der er auch ist.
      Das beinahe Lustige daran ist, dass die europäische Gesellschaft den nahöstlichen und vornehmlich den islamischen vorwirft, einen verrenkten, unzulässig brutalisierten und vor allem rückständigen Islam zu haben, dessen praktische Umsetzung weit hinter dem eigentlichen Anspruch hinterherhinkt – und gleichzeitig (!) ganz exakt (!!) das gleiche selber mit dem eigenen „Glaubensbekenntnis“ zu tun. Um allem die Krone aufzusetzen, wirft diese Gesellschaft dem Islam vor, angeblich die „Weltherrschaft“ anzustreben, obschon unter den 1,5 Milliarden Muslimen vielleicht eine ganze handvoll tatsächlich daran denkt. Aber gleichzeitig STREBT die „Demokratie“ westlichen Anspruchs tatsächlich die Weltherrschaft an und hat überhaupt kein Problem damit, exklusiv für die eigenen Werte andere Gesellschaften und Länder zu zerstören!

      Gefällt 1 Person

      • deutschemuslima71 schreibt:

        Salam, ja, dem kann ich nur absolut zustimmen. Leider sind die Denkmuster tief verwurzelt und es ist schwer das auf zu brechen. Sehe ich auch an den (fehlenden) Kommentaren zu bestimmten Themen auf meinem Blog. Die Fakten stellen Welten auf den Kopf und da ducken sich viele schnell weg

        Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.