Benjamin Netanyahu – ein besonders unappetitlicher Besuch und eine Presseschau dazu

Es müssen wohl blogger (wie ich) sein, die Nachrichten bringen, die von unserer Presse erst gar nicht gebracht werden. Man wird das, was ich gleich in diesem Beitrag mitteile, vermutlich völlig ergebnislos als Meldung in europäischen Presseorganen suchen. Der Irrsinn hat bekanntlich Methode: alles, was ein wenig unappetitlich ist und aus israelischer Richtung allgemein und aus Netanyahus Ecke speziell kommt, wird ganz gern „vergessen“.

Also habe ich mich mal auf die Suche gemacht nach dieser Meldung, die so völlig uninteressant nicht ist und sehr wohl in das Spektrum diversester Medien und Magazine gepasst hätte.

 

Der SPIEGEL

Unter dem Stichwort „Netanyahu“ fällt ihm nur ein, dass die Bundesregierung angeblich „besorgt“ sei wegen des innerisraelischen Klimas. Ansonsten wird man darüber informiert, dass die Knesset das umstrittene „NGO-Gesetz“ verabschiedet habe.

 

ZEIT

Dem Magazin fällt zum Namen Netanyahu noch weitaus weniger ein. Selbst, wenn man dem Namen in seiner eingedeutschten Form statt des „y“ ein „j“ gönnt, bleibt die Suche weitestgehendst erfolglos.

 

FOCUS

Hier ist zumindest die Suchmaschine intelligenter, da sie automatisch beide Namensschreibweisen berücksichtigt. Zwar liefert mir Amazon nach dessen Anzeigetext in den Suchergebnissen Netanyahu frei Haus und ich könne dort Preise vergleichen, ansonsten aber nur einen Artikel, der seine Gattin als „Israels First Zicke“ betitelt und auch sonst über den Premier nicht viel zu berichten weiß.

Gut – nachdem wir die Notwendigkeit, News, die in Europa als unappetitlich gelten, die eigene Politik in Frage stellen und Fragen provozieren, woanders als bei uns zu suchen, erkannt haben, kommt jetzt ein Link zum Vorfall. Zu dem Vorfall, wie wir jetzt wissen, über den wir besser nicht informiert werden sollen:

Nicht nur, dass dem israelischen Premier der Handschlag bei seinem Besuch in den Niederlanden verweigert worden ist, sondern auch der Umstand, dass es bei diesem Besuch gleich mehrere Demonstrationen gegeben hat. Er wurde öffentlich als „Kriegsverbrecher“ betitelt und die Forderung wurde laut, ihn direkt dem Internationalen Gerichtshof zu überstellen. So völlig uninteressant ist der Vorfall nicht; als der ägyptische Diktator al-Sisi in allen Ehren von der Bundeskanzlerin empfangen worden war und sich durchaus vergleichbare Zwischenfälle ereignet hatten, wurde sehr wohl auch breitflächig darüber berichtet.

Das sei doch eine Petitesse, höre ich. Allerdings stürzen sich die von mir durchgefilzten Magazine sonst regelmäßig auf derartige Kleinigkeiten. In bester „BILD“-Manier zerriss sich gerade FOCUS den Mund über noch kleinere Petitessen, deren Bedeutung vor dem politischen Werk des Premiers verschwindet.

http://www.focus.de/kultur/vermischtes/sara-netanyahu-israels-first-zicke_id_4453660.html

Wir kennen in Europa keine Zensur. Auch wenn immer wieder Spitzenpolitiker auf die Presse einwirken wollen um unangenehme Veröffentlichungen umschreiben oder ganz unterdrücken zu lassen, gelingt dies nur höchst selten. Ausgerechnet Benjamin Netanyahu aber hat es (wie zu beweisen ist!) durchaus regelmäßig bewerkstelligt, dass komplexe, israelische Vorfälle ganz in seinem Sinne ausfallen. Nach seinem Verlangen werden ganze Artikel selbst nach ihrer Veröffentlichung umgeschrieben.

Dennoch: generell haben wir keine „Lügenpresse“; die massive Manipulation geschieht nur durch gezieltes Weglassen von Berichterstattungen. Wir erfahren eben vieles einfach gar nicht. Durch den Filter gelangen nur gewünschte Berichte. Und hier ist es wichtig, von wem oder was die Rede ist. Die Strategie des Weglassens greift je nach Bedeutsamkeit, je nach erwünschtem Image des Betreffenden. Da das politische und Einkaufsvolumen Israels das Ägyptens weit übertrifft, erhalten wir eben zumeist positive Informationen aus und über Israel – und vom Rest erfahren wir ganz einfach nur das, was sich keineswegs ohne Gesichtsverlust gar nicht mehr weglassen ließe.

So erfuhren wir nur durch schamhafte Randnotizen, dass Israel bei seinem letzten Massaker im Gaza-Streifen durch Raketenbeschuss eines reinen Wohnviertels eine ganze, deutsche Familie restlos ausgelöscht hatte. Das Bundeskanzler- und Außenamt Deutschlands nahm die Vernichtung seiner Staatsangehörigen kommentarlos hin.

In Bezug auf Israel bedeutet dies konkret, dass die europäische Haltung zu dessen permanenten Menschenrechtsbrüchen, zum Rassismus und zu den Kriegsverbrechen tatsächlich ganz wesentlich kritischer und ablehnender ist, als unsere Presse uns durch ihre Strategie des Weglassens vorgaukeln will. Auch das ist eine Form von massiver Manipulation, ja sogar Suggestion, die mit ganz anderen Mitteln arbeitet als mit trivialen wie primitiven Fälschungen oder Lügen.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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