Der Neue in der Arche …. und die letzten Besucher zum Essen im Garten.

Durch merkwürdige Umstände gelangte vor einigen Jahren ein stocktauber Hund zu uns; er ist das Ergebnis einer fragwürdigen, übersteigerten und von Grund auf problematischen Hundezucht und bezahlt die Maximalansprüche seines Züchters mit seiner lebenslangen Behinderung.

Es war nicht immer leicht. In den ersten Monaten haben wir miteinander und aneinander gelernt und ihn, den mit mindestens drei Jahren erwachsenen Rüden, vollends an Handzeichen gewöhnt und haben ihn konsequent darin ausgebildet. Er ist heute ein glücklicher, guter Hund, versteht uns bestens und gehorcht wunderbar. Unsere ganze, nicht kleine Familie liebt ihn und spielt mit ihm – mit Ausnahme unserer Katze, die Hunden ganz generell misstraut. Anfangs stimmte er bei jeder nachhaltigen Verunsicherung ein furchtbares Heulbellen an, was typisch für taube Hunde und nicht nur unmelodiös in jeder Richtung, sondern auch tatsächlich ein überlautes, regelrecht peinigendes Geräusch ist. Das haben wir schon seit vielen Monaten nicht mehr gehört.

mr-bubu

Und so fand vor Kurzem ein weiterer Notfall seinen Weg zu uns. Ein fröhlicher, kuscheliger, durch und durch gesunder und sehr liebenswerter Französisch-Bulldog-Rüde, ebenfalls taub. Wir haben ihm den Namen „Mr. Bubu“ gegeben; meine Frau fand, dass er irgendwie so aussähe, als müsse er so heißen. Er orientiert sich sehr an unserem ersten tauben Hund und hat trotz seiner zwischenzeitlich sieben Lebensjahre innerhalb weniger Tage die wichtigsten Handzeichen gelernt und befolgt sie auch. Mittlerweile hat er den Bogen raus, kennt die besten Plätzchen, unsere Tagesabläufe und mischt uns regelmäßig ebenso auf wie seine vierbeinigen Kumpels.

Er ist vom Naturell her lebhafter als unser „Großer“, der uns selbst nicht bis zum Knie reicht und ebenfalls ein Bulldog-Mix ist. Ab und zu kann Bubu den ungefähr gleich alten Johnny (genannt „Nüsschen“) zum Spielen verführen und das hat zum Ergebnis, dass dieser etwas schlanker in der Linie geworden ist.

Mit von der Partie ist eine Migrantin. Ganz abseits der „Balkan-Route“ und parallel zur Riesendiskussion um Zuwanderung aus dem Osten schaffte es Olivia im letzten Jahr zu uns. Sie ist eine ebenfalls erwachsene Mischlingshündin, die aufgrund schwerer Misshandlung eine Niere verloren und vorübergehend eine Notunterkunft in Rumänien gefunden hatte, die sie mit dieser Behinderung aller Wahrscheinlichkeit im anstehenden Winter nicht überlebt hätte. In dem Tierasyl, in dem sie saß, frieren die Hunde bei Temperaturen von gut 20 Grad Minus ohne jede Einstreu auf nacktem Beton im Winter schon mal am Boden fest. Uns haben in Bezug darauf erschütternde Bilder, Zeugenaussagen und Videos erreicht.

Das Wochenende bescherte uns ein paar heftige Windstöße und ein wundervolles Wetter. Nur zu gern rauchte ich meine Zigarette nicht im Wintergarten, sondern fläzte mich auf einen Gartenstuhl und hörte dem geschäftigen Summen und vielstimmigem Brummen zu, welches sich in der Sonne um die letzten Blühpflanzen im Garten tummelt. Besonders der üppig blühende Efeu erfreut sich wachsender Beliebtheit und eine fühlbare Vibration begleitet das Ein- und Ausfliegen hunderter von Bienen und anderen Insekten:

efeu

Als ich da stand und meine Handycamera auf diesen Gast richtete, umschwärmte mich eine ganze Anzahl neuer Anwärter auf einen Speiseplatz auf den Blüten – es ist gut, dass ich keine Angst vor Bienen & Co. habe. Kurz zuvor sammelte ich die erste Kastanie des Jahres auf, die ich erspäht hatte und erinnerte mich an meine Kinderzeit. Wir haben damals zentnerweise Kastanien und Eicheln für einen nahegelegenen Wildpark gesammelt und uns damit das Taschengeld etwas aufgebessert. Den Herbst, vor allem den goldenen, sonnendurchstrahlten, habe ich schon immer geliebt.

Ein weiteres Jahr neigt sich gleich dem Ende zu ….. es ist viel geschehen. Sowohl privat als auch beruflich und global betrachtet hat es mich einigermaßen durchgeschüttelt; gesundheitlich stand nicht immer alles zum Besten und ich selbst begebe mich langsam in meinen eigenen Herbst. Wir haben eine weittragende Entscheidung in diesem Jahr getroffen, meine wunderbare Frau und ich und wenn alles so geht, wie wir es planen und wollen, brechen wir in etwa fünf Jahren hier unsere Zelte ab. Und gehen weg.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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