Israel – ein „failed state“ wegen seiner Anhänger

Erinnern wir uns: in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine begeisterte Fan-Gemeinde der Nazis in den USA. Sie luden zu „Informations“-Veranstaltungen, Gala-Diners, Werbeveranstaltungen ein und trugen die Idee des Nationalsozialismus mit Verve quer durch den Kontinent. Lange noch, als die ersten Filme, Berichte, Interviews und düstere Fakten längst erhoben und bekannt wurden, priesen sie den „Führer“ – und blendeten konsequent alle Fakten aus, die nicht in ihr Bild passen wollten. Auch von den ersten industriellen Menschenvernichtungen ihres geliebten „Führers“ wollten sie, zunächst, nichts wissen. Und als das gesamte Ausmaß des Schreckens, welches Deutschland verbreitete und selbst war, bekannt war, da verhielten sie sich wie die Deutschen in Deutschland nach der Kapitulation: sie wussten natürlich „von nichts“, sie fühlten sich angeblich „betrogen“ und waren unschuldig.

Wenn dies letztlich und sprichwörtlich auch nicht „kriegsentscheidend“ war, so hat es die richtige Konsequenz der Weltgemeinschaft noch lange aufgehalten. Der leider notwendige Kriegseintritt fand aufgrund der deutschen Lobby und deren stellenweise geübten Appeasement-Politik später statt und forderte weitaus mehr Opfer und Zerstörung auf allen Seiten, als bei rechtzeitigem Eingriff hätten anfallen müssen.

Wie sich die Bilder gleichen. Denn exakt genau dasselbe geschieht augenblicklich im Falle Israels. Dabei hat die israelische Regierung ihre Lektion in und von Deutschland sehr gründlich gelernt.

Außerhalb wie innerhalb Israels gibt es zahlreiche „Freundeskreise“, religiöse Verbände, und sonstige Verbindungen wie auch Einzelpersonen, die genauso agieren wie einst die Freunde der Nazis.

Ich will hier überhaupt keine Stimmung machen – und schon mal überhaupt nicht blödestem Antisemitismus das Wort reden, zumal sich das Verhalten der Betroffenen nicht im geringsten religiös, sondern ausschließlich politisch und psychologisch erklärt. Deshalb werde ich hier das blog nicht namentlich nennen, aus dem ich zitieren werde.

Ich schrieb: „Juden haben kein Gramm mehr „Recht“ auf die Region als Muslime, die jahrhundertelang dort lebten und ebenfalls massive, spirituelle Verbindungen dort haben.“

Darauf wurde von einem jüdischen Extremisten geantwortet: „„Massive, spirituelle Verbindungen“ … Ich lach mich kaputt!“

Das eigene, spirituelle Bedürfnis am konkreten Ort Israel wird als gesetzt, wertvoll, unverzichtbar und vor allem hochstehend betrachtet, obschon dieser Ort jahrhundertelang nicht schwerpunktmäßig von Juden bewohnt, geschweige denn (als definierte Nation!) regiert wurde. Darüberhinaus wird die Bedeutung der al-Aqsa-Moschee auf dem sogenannten „Tempel“-Berg als geringwertig(er) empfunden. Das ist durchaus und direkt zu vergleichen mit der Nazi-Sicht der Deutschen von damals, die allen Juden ein gleichwertiges Interesse an ihrer Heimat Deutschland absprachen bzw. vollständig negierten.

Ich schrieb: „Es hätte NIEMALS zu einem Israel heutigen Zuschnitts kommen dürfen.“

Der Extremist antwortete: „Stimmt. Hätte man den Rest der arabischen Bevölkerung vertrieben, wäre dort jetzt Frieden.“

Einerseits akzeptiert der Extremist damit all meine vorangegangenen Postings zu dem Thema, dass Israel zwar öffentlich und offiziell nur von palästinensischen „Flüchtlingen“ spricht, obschon es sich durchwegs um „Vertriebene“ handelt, die ihr eigenes Land keineswegs freiwillig verlassen hätten, wie es Flüchtende etwa angesichts eines Krieges zwischen Armeen oder bei Naturkatastrophen tun.

Andererseits akzeptiert der Extremist den Umstand der Vertreibung selbst; er bringt damit zum Ausdruck, dass für eine als geringwertiger erachtete Ethnie der Bruch von Menschenrechten, Folter und Erschießungen, Vertreibung und Inhaftierung in „Flüchtlings“-Läger nicht nur hinnehmbar sei, sondern sogar an Effizienz vermissen ließ. Ohne es so deutlich zu sagen, wäre für ihn sicherlich die Errichtung von Konzentrationslägern für Nichtjuden, die sich über den Raub ihres Landes von Juden beklagen, völlig in Ordnung.

Der Extremist setzte sogar noch nach: „Die Israelis hingegen bauten für die Palis Straßen, Schulen und Krankenhäuser, senkten deren Kindersterblichkeit und erhöhten ihre Lebenserwartung, ließen sich auf das irre Abenteuer von Oslo und Camp David II ein – wofür? Für Selbstmordattentäter und Qassam-Raketen.“

Wir kennen alle die Bilder, die das Dritte Reich seinerzeit von den Ghettos machte, die Filme, die angefertigt wurden und absichtsvoll zusammen mit einem Text, der die deutsche Wohltat der Ghetto-Einrichtungen pries, um die Welt sandte. Geschönte, gestellte Bilder, auf welchen Juden das Lächeln unter Androhung sofortiger Erschießung befohlen wurde, wenn es ausbleiben sollte. Sie übten angesichts der Gewehrläufe der SS in den Filmen fröhlichen Müßiggang, leckerten an angeblich überreichlichen Lebensmitteln herum, flanierten lachend über die Straßen. Dieses Kopfkino, welches der Extremist in Bezug auf die „Straßen“ initiieren möchte, die für „Palis“ gebaut worden sein sollen, erfüllt letztlich den gleichen Zweck wie die Nazi-Filmchen. Er schreibt von „gebauten“ Krankenhäusern und verschweigt natürlich, wieviele Krankenhäuser die israelische Armee durch Artilleriebeschuss ebenso vernichtet hat wie dahinjagende Krankenwagen, die Verletzte transportierten. Zu allem Überfluss spricht er von einer „Senkung der Kindersterblichkeit“, obschon in den zurückliegenden Jahren viele hundert palästinensische Kinder von Israelis erschossen worden sind. Einige Kinder kamen durch den Einsatz von fürchterlichen Brandbomben qualvoll zu Tode – ihr Sterben dauerte mitunter Stunden. Dutzende von Kindern erreichten ihr erstes Lebensjahr nicht, weil Israel unter anderem auch Gaza-Stadt überreichlich mit Raketen und schweren Artilleriegeschossen eingedeckt hat, deren toxische Rückstände bereits zu pränatalen Herzkrankheiten, -Missbildungen und frühem Tode führen.

Das betreffende blog wird von einigen Usern aufmerksam beobachtet und mit Kommentaren versehen; man erkennt sehr leicht, sehr schnell, sehr einfach eine scharfe Grenze zwischen Uninformierten, denen jede Bösartigkeit fremd ist und nur über rudimentäre, platte wie wenige Kenntnisse verfügen, einigen, die aus unerfindlichen Gründen zu israelischen Extremisten halten und sich aggressiv gebärden und einer kleinen Schar jüdischer Extremisten, die sehr klar zum Ausdruck bringen, dass sie sich selbst für bevorrechtigt, höherwertiger und wichtiger halten als andere.

Letztere bringen kaum andere Auswürfe (die sie für „Informationen“ halten), verraten sich jedoch dadurch, dass sie

a) zu Gegenbeweisen gegen ihre Thesen einfach schweigen

b) hier und da zugeben, dass sie ein (Nazi-) Rassendenken verfolgen

Das vollständige Ausmaß ihrer Einflussmöglichkeiten weltweit ist mir nicht klar – ich werde mich an kruden wie nicht weniger verurteilenswerten und blöden Verschwörungstheorien nicht beteiligen. Richtig aber ist, dass sie von der israelischen Regierung zielgerichtet wie absichtsvoll befüttert, unterstützt und ermuntert werden. Bekannt ist, dass Israel ganze Büros betreibt und beauftragt, die viele Trolls über die Tastaturen in die Welt der blogs schickt und eine Politik der konkreten Desinformation betreibt. Hierzu werden schon mal Redaktionen von Zeitungen außerhalb Israels über den diplomatischen Weg dazu gezwungen, ganze Artikel so lange umzuschreiben, bis der letzte Rest an möglicher Kritik an Israel daraus verschwunden ist.

Israel braucht dafür natürlich ausreichend viele Dumme, die es manipulieren und per Regie so positionieren kann, dass ein politischer Vorteil dabei herausspringt – so wie es der „Führer“ damals mit seinen Fan-Kreisen außerhalb Deutschlands getan hatte.

Deshalb wird der Krieg zwischen Palästina und Israel auch noch ein, zwei oder gar drei Generationen andauern und weitere zehn- oder hunderttausende Tote kosten. Und wie damals auch, so begreifen auch die Extremisten von heute nicht, dass sie jetzt bereits längst weit über jedes Ziel hinausgeschossen sind, was noch hinnehmbar oder diskutierbar hätte sein können. Durch ihre Negierung der israelischen Verbrechen halten sie den Konflikt ganz im Sinne der höchst trivialen Machtspielchen am Leben und wie damals auch werden sie alle nach dem nächsten, großen „Knall“ alle abtauchen. Sie werden nichts gewusst haben wollen, sie werden sich für unschuldig, ja sogar für „Opfer“ halten und den Richterspruch der Geschichte nicht hinnehmen.

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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