Islam – der „politische Islam“

Wie so oft würde ich mich über den Unsinn, den die bayerische „C“SU da vom Rednerpult schallen lässt, unheimlich gern amüsieren. Ich würde das auch ganz bestimmt tun – wenn das Thema weniger ernst wäre.

Es juckt mich in den Fingern, einige Statements einiger Forscher, die sich als außenstehende Nichtmuslime ernsthaft, aufrichtig und vollumfänglich mit der Frage nach einem „politischen Islam“ beschäftigen, zu zitieren, um meiner eigenen Meinung hier im blog ein solides Fundament zu verschaffen – aber damit würde ich die Position der „C“SU nur aufwerten.

Schon vom Beginn an beweist sich, wie dämlich der Vorwurf ist, dass Muslime ihren Glauben in die Politik tragen – man muss nämlich nur hinschauen, wer diesen Vorwurf eigentlich erhebt.

Es sind nach eigenem Bekunden (!) Christen.

Nunja. Sie wollen welche sein … daher setze ich ihr „C“ gewohnheitsmäßig seit vielen Jahren so wie bei ihrer Schwesterpartei grundsätzlich immer zwischen Anführungsstrichen. Das macht ihr „C“ für „Christlich“ zu einer Behauptung, genauer ausgeführt, zu einer Anmaßung, um nicht Missbrauch zu sagen. Denn die „C“SU mag vieles sein, aber ein Vorwurf trifft sie keineswegs: christlich zu sein.

Eine christliche Partei würde in Deutschland akzeptiert – und warum auch nicht. Auf Basis des Grundgesetzes würde sie selbstverständlich versuchen, ihre religiöse Überzeugung in der Politik umzusetzen. Mithin verträten sie dann ja ein „politisches Christentum“. Dies wiederum würde eine echte CSU postwendend dazu zwingen, sich sofort nach der Gründung wieder auflösen zu müssen.

Absichtsvoll unterschlägt die „C“SU jede Definition, was ihrer Ansicht nach überhaupt ein „politischer Islam“ sein soll. Aber darum geht es der Partei ja auch gar nicht. Sie knüpft einfach nur an das Erfolgsmodell des Dritten Reiches an; da wurde mit halbgaren Sätzen Hass geschürt, haltlose Behauptungen durch beständiges Wiederholen und Nachschärfen in den Rang von Wahrheiten gehoben. Es dreht sich hier um Massensuggestion; der Bürger soll durch das intensive Eingehen auf das „Problem“ eines „politischen Islam“ so ganz nebenbei schlucken, dass es einen solchen überhaupt gibt. Die Nazis haben das mit ihren Darlegungen, wie und wo Juden am liebsten deutsche Mädels schänden, zielsicher und höchst elegant geregelt: niemand bezweifelte noch ernsthaft, dass Juden gewohnheitsmäßig deutsche Mädels schänden. Das ist der ganze Trick. Erschreckend trivial und robust in der Anwendung. Es funktioniert.

Dabei ist sowohl Seehofer, als auch Herrmann und auch Scheuer aufrichtig abzunehmen, dass sie persönlich überhaupt nichts gegen den Islam und/oder Muslime haben! Sie müssen sie nur auf diese Weise behandeln, um extremeren Rechtsradikalen den Schneid und damit Stimmen abzukaufen. Denn am rechten Rand versammelt sich nur das intellektuell Minderbemittelte der Gesellschaft, und dem muss nichts erklärt, sondern nur mit Verve vor die Füße gehauen werden. Der Mob versteht nicht und verlangt auch gar nicht nach Informationen. Diesem Mob erkläre ich sehr einfach, wie verwerflich der Islam und wie geil der Jude auf deutsche Mädels ist. Mehr ist nicht dahinter.

Die „C“SU kann nicht fordern, dass Muslime ihren Glauben im öffentlichen Raum dieses Landes verstecken, kaschieren, verleugnen, denn das verstieße grundsätzlich gegen die Verfassung, die Religionsfreiheit garantiert. Würde sie das dennoch wollen, so müsste sie sich aufgrund ihres „C“ gleich selbst auflösen, da religiöser Ausdruck im öffentlichen Leben, mithin in der Politik, fürderhin verboten wäre. Wenn aber Muslime auch in besagtem, öffentlichen Raum Muslime sein und als solche leben dürfen, dann haben sie selbstverständlich in der Politik die gleichen Rechte wie Christen. Wenn ein Christ seine religiöse Überzeugung zur Grundlage seiner Politik machen kann und darf, dann kann und darf ein Muslim das ebenso – also muss man, wenn man so bescheuert sein wollte, neben einem „politischen Islam“ natürlich auch das „politische Christentum“ verbieten.

Aber nochmal:

Das Eingehen der „C“SU auf den „politischen Islam“ darf auf keinen Fall ernst genommen werden!

Selbst die seit Jahren aufrechterhaltene Forderung, für Deutschland und Europa eine „Leitkultur“ zum Ziel erklären zu wollen, ist aus ganz ähnlichen Gründen bisher krachend gescheitert. Die Gründe dafür müssen ebenfalls nicht diskutiert werden, weil sie ausschließlich nur in der beabsichtigten Massensuggestion begründet liegen. Die Menschen sollen sich fürchten, so wie sich damals deutsche Mädels vor geilen Juden fürchten sollten, die man später, als sich das Bild des bösartigen, niederträchtigen Juden in den Köpfen der Menschen endlich manifestiert hatte, umso leichter vernichten konnte. Dagegen gab es keine Aufstände oder Demonstrationen – sondern nur frenetisch geschüttelte Hakenkreuzfähnchen, Liebesbriefe an Hitler und pflichtbewusstes Mitmetzgern von Privatleuten gegen Juden.

Es gibt gar keinen „politischen Islam“, und das wissen die Hetzer und Manipulatoren von der „C“SU genau. Sie werden dennoch genug Claqueure für ihre abstrusen und blöden „Ideen“ finden – Hitler hat ihnen vorgemacht, wie das geht.

Warten wir ab, was noch so alles passieren und wohin die Hysterie noch gesteigert wird. Vielleicht sind demnächst Muslime genetisch notgeil und müssen immer nur deutsche Mädels missbrauchen …. das Publikum wird auch das glauben, da bin ich mir sicher. Sage nochmal jemand, die Geschichte wiederhole sich nicht…..

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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