USA – Trump und so….

Beinah alles, was zum Wahlausgang gesagt werden musste, ist bereits gesagt. Viele Medien haben sich längst in Verbalinjurien gegen Trump ergangen – und die ZEIT ergoss sich in eine Ansammlung von bitteren und erbitterten Charakterisierungen der Person Trumps sowie der US-Wählerschaft, die in der Geschichte des Magazins wohl nur noch als beispiellos bezeichnet werden kann.
Richtig so – aber zu spät, wenn auch gerade der ZEIT diesbezüglich keine Vorwurf gemacht werden kann, da sie beständig vor der Möglichkeit eines Trump’schen Wahlsiegs gewarnt hatte.

Der Schaden ist angerichtet und der Niedergang der westlichen Welt geradezu besiegelt. Wirtschaftlich steckt im Wahlausgang eine große Menge Sprengkraft und die Detonation, die höchstens noch durch viel Geschick, Umsicht, kluge Rhetorik und aufmerksame Verhandlungstaktik abgewendet werden könnte, wird sich fraglos auch ereignen, da weder Trump selbst, noch seine Entourage über die notwendigen Fähigkeiten dazu verfügen.

Dies stellt sich nur für Neoliberale, blind Kapitalismushörige und sonstige, dumme Menschen zwingend als Katastrophe dar. Dr Rest der Menschheit kann darin auch eine Chance wittern.
Es steht zu erwarten, dass sich die USA politisch, militärisch und wirtschaftlich zunehmend isolieren, was natürlich in kurzer Zeit zu schweren Einbußen für die Wirtschaft führen muss. Nicht erst seit heute bedeutet das Zurückziehen von Dominanz in bestimmten Regionen auch gleichzeitig sofort ein Verlust von Märkten und erheblich gesteigerte Importkosten. Gerade die volkswirtschaftlich am wenigsten verzichtbaren Güter wie Energieträger beispielsweise trifft sehr schnell Unternehmen, die auch jetzt schon Probleme, eine energieintensive Produktion, eine nicht gut auskömmliche Finanzdecke haben. Die Folge daraus wird im Wegbrechen von Arbeitsplätzen liegen.

Ein Rückzug der USA aus allen ausßenpolitisch relevanten Feldern, wie es Trumps erklärte Absicht ist, führt natürlich auch zu einer Aufkündigung bisher (noch) erfüllter Verpflichtungen und Investitionen, die alle seine Vorgänger aus pragmatischen Gründen mit unglaublichen Milliardensummen aufrechterhalten hatten.
Nehmen wir allein nur die NATO; falls Trump seine Androhung, das gegenseitige Solidaritätsversprechen der Mitgliederländer einseitig zu beenden, wahr machen sollte, stürzt der Rüstungsexport sofort ins Bodenlose ab. Kein NATO-Staat kann dann noch US-Waffensysteme kaufen oder sich gar vorschreiben lassen, deren Wartung und Ersatzteilversorgung von den Launen eines offensichtlich Verrückten abhängen. Im Gegenteil: eine solche Handlung zwänge Europa zum Aufbau einer ganz eigenen, gemeinschaftlichen Verteidigung – und in seinem Innenverhältnis existieren genug Produzenten aller benötigten Komponenten, die einsatzfähige Heere benötigen.

TTIP, von Europa nicht halb so schmerzhaft zum Überleben nötig wie für die USA, wird sofort Geschichte sein. Besonders unangenehm wird für die USA sein, dass mit dem Wegfall des Freihandelsabkommens Europa auch weiterhin strategische Möglichkeiten behält, auch weitere Taue zu den USA zu kappen.
Wenn sich die USA, wie von Trump trompetet, tatsächlich politisch und militärisch aus dem Nahen Osten zurückziehen, fördern sie damit die längst schon dort bestehenden Bestrebungen der Länder zur Autonomie vom Westen und die Bildung einer bis dato noch nicht gekannten Solidarität dr ölfördernden Länder.
Dabei ist es durchaus möglich, dass die dortigen Taktgeber wie etwa Kuwait genau den Trumpf ziehen, den sie sich seit jetzt Jahrzehnten langsam, schleichend, aber mit einem Höchstmaß an Zielrichtung aufgebaut haben: den Golfstaaten gehören bedeutende (!) Teile der US-Wirtschaftsleistung. Kuwait hat sozusagen die Hand an der Trump’schen Gurgel. Zieht der kuwaitische Staatsfonds sein Kapital zurück, ereignet sich an der Wallstreet ein schweres Beben, welches auch in Europa die Scheiben in den Fassungen zum Zittern bringt. Für die USA kann dies nicht weniger als vielleicht zehn bis fünfzehn Millionen neue Arbeitslose nebst einem erfindlichen Absturz der Staatseinnahmen bedeuten. Agiert Trump in dieser Beziehung auch nur halb so dumm wie angekündigt, wird aus den USA aus einer Industrienation ein echter Arbeiter- und Bauernstaat.

Dafür aber hat Trump nach eigenen Angaben insbesondere Israel und auch den ägyptischen Diktator ins Herz geschlossen und zumindest im zweiten Fall zielsicher auf eine Niete gesetzt. Der Ägypter al-Sisi durchlebt derzeit eine sehr schwere Krise, die er durch eigenes Unvermögen und seine Brutalität selbst herbeigeführt hat und womöglich zumindest politisch nicht überleben wird. Trump möchte schlechtem Geld noch sehr viel mehr gutes hinterherwerfen und stellt dem Diktator Milliardensummen in Aussicht. Das mag den Golfstaaten egal oder sogar recht sein – die Menschen auf den Straßen dort aber werden die USA und ihre eigenen Despoten vermutlich recht bald schmerzhaft an dieses Verbrechen erinnern.

Unsere eigene, innereuropäische Politik und Medienlandschaft hat die neue Realität noch lange nicht durchblickt – und so kommen geradezu irrwitzige, in sich unstimmige und geradezu blödsinnige Meldungen und Meinungen zustande. Da zitiert ein Radiomoderator die Politik, die (derzeit) noch keine Katastrophe wittert und erwähnt im gleichen Satz, wieviele Deutsche allein in der Heimat für US-Firmen arbeiten, geben nennenswerte Zahlen an und begreifen selbst den Widerspruch dazwischen nicht.

Ein Artikel der ZEIT gibt die Meinung eines meiner Meinung nach klugen Journalisten mit dem Inhalt wieder, dass mit einem erstarkten, reformierten und zu neuer Einheit gelangten Europa ein neuer Stabilitätsgarant in das Vakuum vorstoßen müsse, das die USA nun fraglos geschaffen haben. Aber dies Europa existiert nun mal leider nicht. Es hat lange Jahre darin versagt, sich seinen Bürgern zu nähern, zu erklären und zieht momentan daraus selbst die Konsequenz, dass ihm die Zustimmung massenhaft entzogen wird. Europa ist augenblicklich selbst dabei, sich zu trumpisieren.
Europas Sache ist die der Mannigfaltigkeit, der Buntheit und so bleibt es dort nicht bei einer Person wie einem Trump. Hier hält man sich gleich ein ganzes Rudel davon, hier heißt Trump Farage, Le Pen, Orban und Strache, wobei ich die kleinen, aber kaum weniger lauten Hetzer wie Wilders, Bachmann, Gauland und Co. noch außen vor lasse.

Schon vor Jahren war zu erkennen, dass die USA den Peak als dominierende Weltmacht definitiv überschritten hatten und einen daraus resultierenden Niedergang des gesamten Westens hatten viele bereits vorhergesehen. Trump ist nicht nur kein Mittel dagegen, er hat den Turbo in diese Entwicklung gehauen.
Andere werden diese Stelle einnehmen.
Afrika wird dies nicht können, weil es sich nach der Ausbeutung durch die USA und Europa direkt in die Abhängigkeit von China begeben hat und nun in diese Richtung seine Rohstoffe und seine Zukunft ausblutet. Auch der gesamte, sowohl nord- als aucch südamerikanische Kontinent wird es nicht sein, da die USA die weitaus meisten Länder dort seit langer Zeit sabotiert, in Kriege verwickelt und dort durch seine Attentate und vielfältige Anschläge im Elend gefesselt hält.
Wir werden mit großer Sicherheit dabei zusehen, wie sich der Nahe und der Ferne Osten um das größte Stück vom Kuchen streiten werden und wenn die ganze Welt Glkück hat, gelingt es den Genannten, diesen Streit wenigstens friedlich und halbwegs kultiviert zu führen. Der Nahe Osten liefert das knapper werdende Öl und wird, allen entgegengerichteten Versuchen der ganzen Welt zum Trotz, dadurch viel mehr Macht als in der Vergangenheit über uns entwickeln. China und Co. besitzen mit ihrer Gesamtwirtschaftsleistung und Entwicklung eine ungeheure und beständig weiter anwachsende Schwungmasse, schon jetzt ist Asien für Europa als Absatzmarkt unverzichtbar, was den Westen zumindest stellenweise zur Geisel macht.

Von rein menschlichen Auswirkungen des Machtwechsels in den USA will ich gar nicht schwadronieren – wer diese Zukunft abschätzen will, mag sie an allem ablesen, was in den dreißiger Jahren in Deutschland abgelaufen ist, denn dort steht längst alles beschrieben. Die Kreischerei gegen Trump wird demzufolge sehr bald bis zur Lautloisigkeit leiser, die Schreihälse, die gestern noch getrötet hatten, sie würden im Falle eines Sieges von Trump auswandern, werden dies natürlich nicht tun und alle, die einen Niedergang der USA vorhersahen, werden sich leise arrangieren – und einfach weitermachen. Wenn Schwarze oder Muslime auf offener Straße abgeführt oder sogar erschossen werden, dann ducken sich alle anderen weg und sind heilfroh, dass es nicht sie selbst getroffen hat. Und falls Trumps Irrsinn zu einer militärischen Auseinandersetzung führen sollte, setzen sich natürlich alle ihren Helm auf, rufen Hurrah und marschieren und schießen.
Und sterben natürlich.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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