USA – verzweifelte Erklärungsversuche

Ohne jeden Zweifel kann schon jetzt festgestellt werden, dass alle erdenklichen Freiheiten des Individuums mit geradezu bergmänischem Eifer gerade in den wenigen, zurückliegenden Monaten abgebaut und niedergerissen werden. Schien der Intellektualität noch vor Kurzem noch völlig unstrittig gewesen zu sein, dass das Glück der Menschen in der Akzeptanz einer hohen, ja uneingeschränkten Diversität liege, realisiert sie nun das genaue Gegenteil. In Wirklichkeit ist genau dies tatsächlich nicht das, was die Mehrheit will.

Denn diese Mehrheit hat sich zwar der Segnungen dieser ultimativen Freiheit bedient, aber die damit verbundene Aufgabe abgelehnt: Freiheit gilt nur für den Einzelnen und auch nur dann, wenn er sich in allem der Mehrheit beugt – was natürlich ein Widerspruch in sich selbst ist. Dass dies möglich sein könnte, hatte niemand zuvor in Betracht gezogen oder sehen wollen, obschon es umsichtige Demoskopen schon lange geahnt hatten. Die Suche nach einer tauglichen Erklärung für Trumps Sieg klingt deshalb seltsam. Niemand wollte je dabei erwischt werden zu denken, dass es sich bei all diesen "besorgten Bürgern" nur um bescheuerte, geistig regelrecht zurückgebliebene Dummköpfe handelt. Letztens entfuhr einem Journalisten ein ärgerlicher und sehr verräterischer Ausbruch des Inhalts, dass nunmehr "der Mob in seine Grenzen gewiesen werden" müsse.

Der "Mob".

Jahrzehntelang hat es den angeblich nie gegeben; aggressiv-dumme Meuten wurden solange liebevoll als "besorgte Bürger" bezeichnet, bis diese "besorgten Bürger" mit ihrem dummen Gegröle die bis zur Bizarrtheit ritualisierten Einheitsfeiern in Dresden zu stören begannen – und nur wenig zuvor wiesen Spitzenpolitikern diesen "besorgten Bürgern" den Stinkefinger.

Ich habe eine Entschuldigung. Ich wusste schon vor gut zwanzig Jahren mindestens von der Existenz des blöden Mobs und habe mich nie der höchst naiven Vorstellung hingegeben, dass es sich dabei nicht um unbrauchbare Bürger eines demokratischen Staats, sondern nur um "besorgte Bürger" gehandelt habe, die, man fasst es nicht, behandel- und in ihrer Dummheit heilbar wäre oder ernst genommen werden müsse oder könne.
Mich reizt tatsächlich zum Lachen, was dieser Mob von den Menschen so alles unter Androhung maximaler Gewalt abfordert, was man alles sein, tun oder denken solle, um von ihm akzeptiert zu werden – und gleichzeitig meinen Glauben und mich als "unfrei" zu bezeichnen. So und so darf ich nicht aussehen, dies und das nicht sagen und noch nicht einmal denken. Jenes und solches müsse ich essen, um akzeptiert zu werden und hier und dort dürfe ich nicht herkommen. Zusätzlich müsse ich Frauen verachten und darf in ihnen auch nichts anderes als wandelnde Geschlechtsmerkmale sehen, die zu meiner freien Verfügung stehen. Das ist übrigens für viele Frauen durchaus sehr erstrebenswert, immerhin gibt es einige von ihnen in den USA, die T-Shirts mit einem Pfeil in Richtung ihres Schritts neben der Aufschrift tragen: "Donald, grab me here!".

Natürlich ist das nichts als ein widerlicher, dumm-aggressiver Mob und nichts anderes. Die Szenen, die sich jetzt bereits, kaum, dass die Wahlergebnisse amtlich sind, in den USA abspielen, sind nur aufgrund der Geschwindigkeit in ihr Entwicklung frappierend. Schon jetzt wurden muslimische Frauen auf offener Straße gewürgt, Autos von Schwarzen beschmiert, Moscheen besudelt – alles mit deutlicher und bemüht offen dargelegtem Bezug zu Trump. Da steht der Welt noch einiges an möglichen Eskalationen bevor; beileibe nicht grundlos freute sich gerade der Ku-Klux-Clan und die ganze Riege rechtsradikaler Organisationen und Parteien weltweit über Trumps Sieg.
Hier hat allerdings keinesfalls Trump gesiegt, sondern nur die Trivialität der Schreierei. Trump hat die Wähler nicht dumm gemacht, er hat ihnen nur suggeriert, dass ihre Dummheit, ihre Zerstörungswut und Verfolgungssucht salonfähig sei, als "Meinung" geadelt werden und damit auch tatkräftig umgesetzt werden dürfe. Er hat ihnen die Demut, den Respekt vor Klugheit, Bildung und echter Arbeit genommen.

Man weiß ja, wie es weitergeht. Europa gilt bis heute dem ahnungslosen Taumtänzer als Bastion der Aufgeklärtheit, die solche Entgleisungen aufgrund eigener Immunität gegen diese Raserei aus sich selbst heraus schon verhindern wird. Das ist natürlich keineswegs der Fall, denn das, was wir hier schon an Infrastruktur und geöffneten Wegen für diese Umtriebe zugelassen und sogar selbst initiiert haben, kann als umsichtige und gut erledigte Vorbereitungsarbeit dafür gelten, dass hier sozusagen im Handumdrehen ganz ähnliche Wahlergebnisse erzielt werden. Die Schienen sind längst gelegt – es fehlt nur noch der Zug (in ein neues Auschwitz).

Der blöde Mob in den USA hat mir die Richtigkeit meiner Befürchtung, dass die Demokratie gerade wegen ihrer Forderung nach ultimativer Freiheit durch sich selbst aufgefressen und daher sinnlos wird, bis beinahe zur absoluten Sicherheit nähergebracht. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Beschneidung einiger, weniger und sogar nachrangiger Freiheiten zum Erfolg von Gesellschaften führt.
Es könnte ganz einfach sein: wer die Zurkenntnisnahme strategisch wichtiger Fakten verweigert und trotz Vorlage eindeutiger Gegenbeweise an Lügen glauben will, darf für die Konstituierung von Regierungen keinesfalls Stimmrecht haben. Infolgedessen müssten alle Bürger, die wählen wollen, ihre Befähigung dazu nachweisen. Wir sehen ja was dabei herauskommt, wenn man nur genug Idioten an die Urne lässt.

Nun haben die USA mit den unwürdigen Kreischern aus meinen eigenen Reihen (für die ich mich schon immer ein wenig geschämt habe!) gleichgezogen; die Bilder von grölenden Idioten sind nun die selben, im Nahen Osten wie in Washington.
Mit größter Lust würden sie nun bewaffnet aufeinander losgehen – und sie werden es sicherlich auch tun.
Es wird zwingend ein neues, gigantisches Massaker geben müssen, womöglich gewürzt von einem Trump’schen Atombombenwurf. Wenn die Freiheit des Einzelnen nicht schleunigst eingedampft und der Mob unter Kontrolle, zum Schweigen gebracht wird, wird es keine andere Zukunft geben können. Wir kennen das ja: nachdem die letzte Bombe detoniert ist, bricht wie 1945 weltweit ein großer Katzenjammer aus. Die darauf folgenden Jahre werden dem Wiederaufbau und dem gegenseitigen Versichern gewidmet, dass es "nie wieder" solche Vernichtungen geben soll. Die Überlebenden werden haufenweise Denkmäler für die Toten errichten, sie werden sich neue Verfassungen und Glaubensinhalte geben – und mit der Aufrüstung von Waffen und bald darauf mit der Abrüstung von der Intelligenz beginnen, die sie in den wenigen Jahren aufbauen konnten. Man könnte geradezu Wetten darauf abschließen, ob es etwas weniger, gleich viel oder mehr Tote als im letzten Weltkrieg geben wird.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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