F.W. Steinmeier? „#NotMyPresident“

Warum sollte jemand, der seine Unterhose nach der vierten Woche nicht gewechselt hat, dies am Beginn der fünften tun? Im schlimmsten aller (Durch-) Fälle lässt man sie halt über Nacht trocknen und dreht sie von rechts auf links – schon sind die nächsten Wochen buchstäblich abgedeckt.

Solange weder ein Trump, noch eine Le Pen, ein Orban, ein Farage ein Exzem auf der bemüht mit Make-Up traktierten Orangenhaut der „abendländischen“ Demokratien verursachen und der daraus ausbrechende Mob noch mit Polizeigewalt unter Kontrolle gebracht werden kann, dreht man die politische Unterhose einfach noch einmal um. Heraus kommt maximaler Tragekomfort – und wen stört da schon die Borke mit Namen „Murat Kurnaz“ etwa, die sich unser künftiger BuPrä einfangen hatte?

Eben. Nichts.

Wie sich derartige Rückstände nach vierwöchigem Tragen auch für die Umwelt unangenehm bemerkbar zu machen beginnen, so schlägt sich auch die Borke eines F.W. Steinmeier in Wikipedia nieder. Ach, was soll das auch. Es gibt das milde Parfum des Vergessens – immerhin liegt der Fall ja schon 14 Jahre zurück und endete mit dem ebenso salbungsvollen „Untersuchungs“-Ergebnis eines BND, der, wie überraschend!, Steinmeier nicht in der Schuld sah. Da ist es heute noch wesentlich unerheblicher, dass der „Fall Kurnaz“ noch erheblich unappetitlicher war, als heute breitflächig erinnert wird: Steinmeier war es angeblich auch, der seinerzeit als Chef des Bundeskanzleramts in geheimen Runden vehement die Frage diskutieren wollte, ob man Kurnaz nicht klammheimlich einfach die deutsche Staatsbürgerschaft entziehen könne. Und … schwupps! … hätte das CIA damals einen Häftling ohne Staatsbürgerschaft gehabt und ihn jemandem anderes aufnötigen oder unterjubeln müssen.

Eine gute und mit Umsicht käuflich erworbene Unterhose hat jedoch noch ganz andere Qualitäten: sie ist ultra-reißfest. Deshalb wiederholt die Bundesregierung das gleiche Muster wie seit Jahrzehnten; sie beauftragt ganz außerhalb jedes Votums von der Straße jemanden, der nichts kaputt macht, möglichst keine Meinung und dazu auch keine Ahnung hat. Das kann ins Auge gehen, macht aber nix. Den guten, alten Köhler hat man in den Rücktritt gedrängt, weil er mit großen Kinderaugen eine allseits, allgemein bekannte Wahrheit öffentlich auszudrücken gewagt hatte: die Bundeswehr schützt numal mit ihrem Kampfauftrag die wirtschaftlichen Interessen deutscher Konzerne. Punkt. Und Aus.

Und seine selbstvermutet hochwohlgeborene Hoheit, der stets lächelnde Christian Wulff, machte zwar immer tolle Fotos, aber leider auch Unsinn: er hat sich dabei erwischen lassen, wie er Medienvertreter offen bedrohte und bedrängte. So intensiv, dass selbst ich gewillt gewesen wäre, eine BILD-Redaktion mit dem Knüppel in der Hand gegen die Politik zu verteidigen. Allerhand.

FWS tritt in die gleichen Fußstapfen. Er ist ein Apparatschik ohne jede Ausstrahlung, ohne jede politische Aussage und Profil. Man muss sich bewusst bemühen zu realisieren, welcher Partei er überhaupt angehört. Erkenntlich macht er selbst nur deutlich, dass er keinesfalls zu irgendeiner progressiven, modernen, liberalen Organisation zählt – solche Vermutungen würde er brüsk und empört von sich weisen. Er kriecht im Auftrag seiner Brötchengeber und ganz in ihrem Interesse unter jeder Öffentlichkeit durch, er ist ein Profi der Tarnung, des optischen Mittelmaßes, ein Könner der Nichtaufregung, ein Meister des sauertöpfischen Gesichts. Er verteufelt, kritisiert und verdammt alle Auffälligkeiten anderer Länder und „vergisst“ alle schweren Verbrechen der eigenen Verbündeten so geschickt, dass alle Demagogen der Welt ergriffen in Tränen ausbrechen müssten.

Mit einem wie FWS gelingt grundsätzlich immer alles. Er ist der abdeckende Mehltau, das Furnier, die Lackschicht … mit ihm sind blindwütige Angriffskriege ebenso zu machen wie weinerliche Verteidigung. Er liefert immer alles wie es gewünscht wird und ist buchstäblich unfassbar. Er signalisiert und symbolisiert keine Werte, sondern ausschließlich nur Pragmatismus und Opportunismus. Er vertritt, was politisch und/oder monetär Cash macht.

Er fällt in den Beginn der fünften Woche, in der die politische Unterhose mutig von rechts nach links gedreht wird. Ganz fraglos passt er hervorragend in diese Rolle. Er muss nur noch ein bisschen lächeln lernen, allgemein sein saures, mitunter tragisch und traurig eingestelltes Außenamtsgesicht fotogener gestalten und damit ein toller Grüßaugust werden, der auch auf diesem Posten der Regierung und den Konzernen liefert, was diese verlangen.

Mit Ausnahme von Johannes Rau, der zu allem Erschrecken tatsächlich ein Bundespräsident der Bürger war und von ihnen geschätzt, respektiert, geachtet und gewollt war, ist der Regierung noch keine Ernennung in ihrem Sinne missglückt.

Also: das Land muss sich erst nackig machen, bevor es die Unterhose herunterstreifen und umgedreht wieder anziehen kann. Da schaue besser niemand hin. Das bringt keine tollen Fotos.

 

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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