Ägypten hat China erbaut ?!

Wenn ich eines in den zurückliegenden, ca. 40 Jahren über die Archäologie gelernt habe, dann ist es das Faktum, dass man vor großen und völlig unerwarteten Überraschungen nie gefeit ist. Oft genug sind Archäologen betriebsblind; ihr Hangeln von Fakten zu Daten und zurück, in ihrem Fokussieren auf Artefakte, macht sie ab und zu blind für mögliche, große Zusammenhänge.

Jetzt mal die Hand aufs Herz: wenn uns jetzt Funde mitteilen würden, dass zahllose Eigenheiten, Funde, Daten, Bauwerke aus der Antike Chinas tatsächlich von Ägyptern entworfen und gebaut worden sind – würde uns das vom Hocker hauen?

Mich schon. Und das, obwohl mich meine eigene Familie seit Jahrzehnten (!) angesichts neuentwickelter Technik mit der ironisch gemeinten Frage anfrotzelt, ob dies nun auch wieder von den „alten Ägyptern“ erfunden worden sei.

Natürlich ist ein ganzer Strauß von Gemeinsamkeiten zwischen dem antiken China und dem antiken Ägypten überaus auffällig – aber man darf, sagte ich mir bei solchen Anfällen immer wieder stereotyp selbst, nicht den Fehler eines Schnellschusses machen. Es gibt in Europa, auf Mittelmeerinseln, im Osten Europas, in China und in Nord- sowie Südamerika beispielsweise Pyramiden. Das führt noch lange keinen Beweis, dass sie alle von Ägyptern errichtet worden sind. Das buchstäbliche Streben nach „Höherem“ war hier wohl das Agens aller Architekten. Alle Kulturen haben irgendwann in ihrer Geschichte aus der Sonne einen Gott gemacht und es liegt allzu nahe, dass sie ihm architektonisch entgegenarbeiten wollten. Die babylonischen Zikurrat dienen diesem Zweck ebenso wie der „Tempel der Inschriften“ in Palenque. Die Archäologie spaltet sich hier gern in die Vertreter der Divergenz und der Konvergenz auf – und führt zum Teil erbitterte Streitereien um exakt diese Frage.

Aber jetzt platzte die Bombe ausgerechnet bei einer Vorlesung in der University of Science and Technology in Hefei, China und sie wurde gezündet vom Geochemiker Sun Weidong. Der führt nun drei machtvolle Indizien für seine Theorie ins Feld, dass das antike China tatsächlich von Ägyptern konzipiert, inspiriert oder sogar zumindest in Teilen beherrscht worden ist.

Indiz 1:

Es existiert eine Abhandlung von Sima Qian aus dem Xia-Reich, die in die Epoche 2070-1600 v.Chr. zurückreicht und eine Topographie beschreibt – über deren Einzelheiten man in der Vergangenheit großzügig hinweggesehen hatte. Darin ist die Rede von einem „großen Fluss“, der nordwärts fließe und sich in neun kleinere Flüsse aufteile. Bisher identifizierte man damit den Gelben Fluss; er schwillt einmal im Jahr aufgrund der Schmelzwasser im Himalaya an und teilt sich im Deltabereich auf. Allerdings fließt er keinesfalls nordwärts, und er teilt sich auch nicht in neun Deltaflüsse auf – das konnte in der fraglichen Zeit alles nur der Nil.

Indiz 2:

Durch China ging in seiner Geschichte ein spürbarer Ruck; ähnlich wie in Ägypten auch, entwickelte sich plötzlich eine industrielle Revolution, die diesen Namen auch verdient. Auf einmal stand das Metall Bronze zur Verfügung, es wurden Streitwagen gebaut und genutzt, Pflanzen und Tiere für die Ernährung domestiziert bzw. gezielt gezüchtet. Wenn man bisher davon ausgegangen war, dass die Impulse hierfür auf dem Landweg über die Seidenstraße importiert worden waren, liegt nun der Verdacht nahe, dass die in Ägypten besiegten und hinausgedrängten Hyksos von dort aus den Seeweg nach China für ihre Flucht genutzt haben – da sich die Entwicklungsphänomene hüben und drüben auffällig gleichen. Auch Ägypten übernahm die bis dato noch unbekannten Streitwagen von den Hyksos und perfektionierte mit ihren Kenntnissen die Nahrungsmittelproduktion.

Indiz 3:

Hier kommt das verblüffendste, absolut stärkste Indiz, welches bereits hart an einer Deutung als Beweis kratzt. Wir kommen genau jetzt zu dem Punkt, an welchem es mich allerdings vom Stuhl hob.

In der antiken, chinesischen Stadt Yin wurde Bronze gefunden. Sie stammt allerdings, wie Analysen zeigen, nicht aus China – sondern aus afrikanischen Minen und ist chemisch identisch mit Bronzen, die aus dem Alten Ägypten bekannt sind. Schlimmer noch: diese antike Yin-Bronze hat keinerlei Verwandtschaft mit sonstiger, in China gefundener.

Fazit:

Ich persönlich will hier nicht überschnappen und behaupte keineswegs, dass alle chinesische Kultur vom Nil stamme. Allerdings passen diese Fakten-Mosaiksteine in das gesamte, große Bild und dies zeigt uns eine agile Explorations- und Handelsarbeit des Alten Ägypten. Große und hochaufwendige Expeditionen von Pharaonen sind uns bestens durch Papyri, Inskriptionen und Malereien bekannt, auch wenn uns die alten Meister in diesen Hinterlassenschaften aus guten Gründen nur selten das konkrete Ziel ihrer Expeditionen genannt haben. Sie fürchteten Spionage und, sich damit selbst Konkurrenz zu schaffen. Hochseetüchtige Schiffe mit großer Besatzung und großen Laderäumen in größerer Zahl machten von Ägypten aus bekanntlich mit Richtung „Punt“ die Leinen los und kehrten Jahre später über und über mit Kostbarkeiten beladen zurück. Dies „Punt“ wird heute an der afrikanischen Ostküste vermutet – Beweise wurden nie gefunden. „Punt“ ist ein legendäres Goldland, ein antikes, afrikanisches (?) El Dorado und wurde in den Aufzeichnungen vielfach erwähnt.

Ich halte es für äußerst wahrscheinlich, dass die Pharaonen im antiken China eine Dependance unterhalten hatten; einen Handelsstützpunkt etwa. Die von ihnen genutzten und gehandelten Gegenstände müssen zwangsläufig aufgrund ihrer Fortschrittlichkeit Begehrlichkeiten geweckt und Handel entzündet haben. Möglicherweise hat Ägypten dem antiken China einen entscheidenden Impuls zur eigenen, unabhängigen und raschen Entwicklung verschafft. Selbst so lustige Parallelen wie die zwischen Schankwirtschaften bzw. Restaurants gibt es; beide Arten von Etablissements gab es in beiden Reichen, sie wurden gern frequentiert, hatten sehr früh ihren festen Platz in den Kulturen und wurden professionell bewirtschaftet. Man mag sich auch sehr gern frühe Kunstgegenstände mit diesem neuen Blick anschauen, und wird aufgrund all der neu zu entdeckenden Parallelen die Kinnlade herunterklappen lassen. Es gibt am Nil und am Yangtse einen offenbar durchdeklinierten und -formulierten Darstellungskanon, der aufgrund genormter, einzelner Details die Stellung und die Eigenheiten des Dargestellten exakt definieren. Als Wirtschaftler fasznierte mich schon immer die Durchdachtheit und Rationalität, mit welcher im antiken Ägypten Produktionen geplant und durchgeführt wurden – mit Fug und Recht darf davon gesprochen werden, dass es Jahrtausende vor der Zeitenwende bereits vergleichsweise technisierte Fabriken am Nil gab, die z.T. mit echtem Fließbandcharakter gearbeitet haben. Erst in den letzten Jahren rekonstruieren Sinologen und Archäologen eine sehr ähnliche (!) Arbeits- bzw. Fabrikationsweise von Waffen und den legendären Terrakottakriegern des Ersten Kaisers. Es gab in China und Ägypten in dieser Epoche tatsächlich ein durchorganisiertes Qualitätssicherungsmanagement, Massen- und Fließbandfertigung. Meiner Meinung nach ist dies kein Zufall.

Ähnliches vermute ich tatsächlich auch von Südamerika – und hier ist es die bis heute sehr fragwürdige und mysteriöse Erzählung vom Gott Quetzalcoatl, der von Osten her über das Meer kam, von großen, weißen Schwingen getragen. Sein Bild sei das einer gefiederten, roten Schlange gewesen. Quetzalcoatl herrschte nach der Legende, gründete das Volk der Olmeken, brachte die Schrift, Weisheit und ließ ein paar leckere Kochrezepte zurück, bevor er mit dem Versprechen, zurückkehren zu wollen, wieder in Richtung Osten über das Meer verschwand. Die „rote Schlange“ könnte der südägyptische Schutzgott Wadjet gewesen sein, der oft mit Schwingen dargestellt wurde und vielleicht auf die „große, weiße Schwinge“, das Segel also, gemalt gewesen sein könnte. Die Schrift ist erstaunlicherweise in Maya wie auch in Hieroglyphen eine syllabische Symbolschrift und sie lässt hüben wie drüben die gleiche Freiheit: man konnte und durfte Worte aus ein oder mehr Silben bilden, oder man wählte einzelne Buchstaben, die es zudem auch noch gab oder eine Kombination daraus. Die mysteriösen Olmeken verschwanden spurlos von der Bildfläche; Statuetten zeigen sie als bärtige Männer – das erstaunt ganz besonders wenn man weiß, dass im Gegensatz zu Ägyptern südamerikanische Männer keinerlei Bartwuchs aufwiesen.

Für mich jedenfalls hat der Geochemiker Sun Weidong den Tag bunter gemacht – er selbst wird momentan ein peinliches Spießrutenlaufen erleben, weil China schon immer sehr aufmerksam auf diese Dinge achtet und kulturevolutionäre Sonderstellung für sich beansprucht hatte. Bis hin zur Entstehung des Menschen selbst; China pocht bis heute ärgerlich auf seine Darstellung, dass sich der chinesische Mensch parallel zu allen anderen entwickelt und im Grunde keine gemeinsamen Vorfahren hatte.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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