Israel – und sein täglicher Terror

Es sind bloß zwei Nachrichten, wie sie üblich sind und kaum bis gar keine Aufregung verursachen. Zwei Randnotizen, die regional nur geringe und überregional im Grunde überhaupt keine Aufmerksamkeit erfahren. Weil sie eben tagtägliche Routine sind, nichts besonderes.

Die israelische Marine eröffnet das Feuer auf ein Fischerboot vor Gaza. Vor etwa einer Woche feuerte die Marine auf ein Fischerboot und pumpte Abwasser in das Schiff. Das wird von Israel ganz gern so gemacht, Ziel der Aktion ist es, die Fischerboote durch das Hineinpumpen von Abwasser zum Sinken zu bringen – und das wiederum soll dazu führen, die humanitäre Lage im Gaza-Streifen noch weiter zu verschlimmern. Diese Bedrängung, Bedrohung und Zerstörung von palästinensischen Fischerbooten ist nichts besonderes.

Israelis zerstören Olivenernten von Palästinensern. Israel beabsichtigt, durch die schleichende Zerstörung möglichst vieler Einkommens- und Nahrungsquellen das Leben der Palästinenser im Westjordanland bis hin zur völligen Vernichtung nachhaltig zu stören. Für gewöhnlich greifen israelische Siedler unter dem Schutz ihres Militärs Palästinenser an, die ihre Olivenernte einholen wollen. Dabei werden die Haine von Israelis auch häufiger durch Verbrennen und Abholzen zerstört. Bei Nablus ist es wieder zu einer solchen Aktion gekommen; trotz der Einholung einer entsprechenden Genehmigung vor dem Beginn der Ernte griffen Israelis aus der illegalen Siedlung Havat Gilad im Westjordanland Sahir Mousa, den Eigentümer des Olivenhains, bei Qaryut an. Sie führten Äxte und scharfe Werkzeuge mit und zerstörten das Auto von Mousa vollständig.

Ich wiederhole mich: solche und ähnliche Angriffe auf Palästinenser passieren im Grunde täglich; sie reduzieren sich keinesfalls auf die gezielte Vernichtung ihrer Einkommens- und Nahrungsquellen, sondern bestehen aus Willkür, Brutalität, die überall gegen Araber allgemein und Palästinenser speziell geübt werden. Da diese Vorfälle keine internationale Presse haben und buchstäblich Alltagsgeschäft sind, vollzieht auch gerade in Europa niemand die steigende Verzweiflung und Wut nach, die in Palästina zunehmend zur Radikalisierung führen.

Nach außen hat Israel große, unschuldige Kinderaugen und stellt sich als armes Opfer arabischen Hasses und daraus resultierender Gewalt dar. Es gibt ein sehr extremes Ungleichgewicht in der internationalen Wahrnehmung, da Israel unter stiller Duldung der meisten, westlichen Regierung u.a. auch auf inoffiziellen Wegen über Diplomaten aggressiv Einfluss auf die konkrete Pressearbeit nimmt und mit großem Druck nicht nur für eine gefällige, sondern auch für eine einseitige Berichterstattung sorgt.

Die gewalttätigen Übergriffe sind z.T. direkt auf Befehle aus der israelischen Regierung und zum Teil auch auf Aktionen aufgehetzter, jüdischer Extremisten zurückzuführen, die ihrerseits massiv von der Regierung dazu aufgerufen werden. Gewalttätigen Siedlern in den illegalen Siedlungen wird israelisches Militär beigestellt, das im Falle von Gegenwehr bei Angriffen auf Palästinensern dazu gehalten ist, die Siedler unter allen Umständen zu schützen und nicht gegen Verbrechen von Israelis vorzugehen. Das führt sehr regelmäßig dazu, dass Siedler auf palästinensische Bauern, spielende Kinder und ihres Weges ziehende Frauen schießen – und wenn sich Gegenwehr bildet, dann feuert das begleitende Militär. Die Presse meldet dann wieder einmal, dass angeblich „gewaltbereite Palästinenser israelische Siedler angegriffen“ hätten. So funktioniert das.

Ich nenne das „Terror“. Den alltäglichen, nagenden, vernichtenden Terror des „kleinen Mannes“, der das Feld für eine große Annexion vorbereiten soll. Es ist aber eben auch zielgerichteter Staatsterror; er soll frustrieren, zerstören – und auch töten, damit die Gegenwehr eines Tages, wenn ähnlich wie damals ein „Großdeutschland ohne Juden“ später einmal ein „Großisrael ohne Araber“ geschaffen werden soll, nur noch gering ausfällt. Israel möchte keine Schlagzeilen mit industriellem Töten schaffen, sondern über einen langen Zeitraum den gleichen Effekt durch Nadelstiche erreichen, der hier ein paar Leute, dort ein paar Dutzend tötet, hier ein Dorf einebnet, dort einer Moschee den Gebetsruf verbietet und woanders uralte, islamische Friedhöfe aushebt. Deutschland, hat Israel gelernt, hat sich allzuviel schlechte Presse und internationalen Unwillen mit seinen Konzentrations- und Vernichtungslägern eingefangen. Es hat zwar Konzentrationsläger eingerichtet, setzt aber, was das Eliminieren von Arabern im Westjordanland, im Gaza-Streifen und Israel selbst angeht, auf kleine, alltägliche Aktionen, deren Wirkung man in der Presse über die Diplomatie und „Anrufen in Redaktionen“ mildern kann.

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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2 Antworten zu Israel – und sein täglicher Terror

  1. mkalbion schreibt:

    Ein sehr guter Artikel. Ich teile diese Meinung…

    Gefällt mir

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