Deutschland, Deine „C“DU

Bisher hatte ich nur wenig Gelegenheit, mich als Deutscher im Ausland wirklich wohl fühlen zu können. Als ich mich im Oktober 2003 zu einem Chai an einen Marktplatz in Assuan setzte, war das eine der überaus seltenen Gelegenheiten dafür.

Wo ich als Deutscher auch auftauchte und von Freunden eingeführt wurde, schüttelte man mir mitunter sehr, sehr lange die Hand und bedankte sich sehr wortreich für die (damalige) Haltung Deutschlands, die ausnahmsweise durch Nichthandeln bestrickt hatte. Denn zu diesem Zeitpunkt war die gesamte Region wegen des Irak-Kriegs in Aufruhr und es war der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, der ein klares „Nein!“ zur Frage deutscher Teilnahme an diesem Völkerrechtsbruch ausgesandt hatte.

Die meisten Leute hier halten Araber für zurückgeblieben und uninformiert. Sie denken, wenn man in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft herumschießt, dann kriegen die das gar nicht mit und deshalb hätten sie auch keine Meinung dazu. Ich habe die völlig gegenteilige Erfahrung allein schon dadurch gemacht, dass sogar vornehmlich einfache, kleine Leute mit mir über durchaus politische Themen sprechen wollten – ja sogar ein dringendes Bedürfnis danach hatten. Manche von ihnen kamen mir vor, als hätten sie länger beinah sehnlichst darauf gewartet, sich endlich einmal mit einem Westler, einem „Franken“, auseinandersetzen zu können.

Leider sind auch weite Teile unserer Politik und der größte Teil der Bevölkerung tragischerweise der Ansicht, Araber im allgemeinen und Muslime speziell seien blöd. Man könne sehr wohl in Afghanistan mehr als ein Jahrzehnt vollmachen mit zum Beispiel „fehlgegangenen Luftangriffen“ und zahlreichen Beschießungen und Bombardierungen von Zivilisten – und fest darauf vertrauen, dass sich niemand dort wenige Monate später daran erinnert. Weil dies ganze Volk so unglaublich blöd ist, kann man Afghanistan sehr wohl zu einem „sicheren Herkunftsstaat“ erklären, so erläutert uns unser Innenminister und erst als tatsächlich sogar eigene, deutsche Bürger diesen Schwachsinn nicht mehr kaufen wollten, zog er diese Idee zurück.

Aber dafür baut die „C“DU nun auf eine vermutete, genetische Retardierung von Arabern (muss ja wohl so sein, sind ja Muslime!) und will „Auffangläger“ zum Beispiel in Ägypten einrichten. Schließlich merkt das ja keiner.
Im Hinblick auf Deutsche hat die „C“DU recht – denn die merken bekanntlich schon länger nichts mehr, aber bezogen auf die Ägypter kann ich die Regierung darüber informieren, dass ein solches Vorgehen schwere Verstörung, Wut, Hoffnungslosigkeit und Ressentiments für die nächsten Jahrzehnte nach sich ziehen und eine Atmosphäre von Ablehnung und Hass auf Ägyptens Straßen gegen Deutschland schaffen wird. Die Strahlkraft solcher Konzentrations …… Entschuldigung …. „Auffang“-Läger geht selbstverständlich sehr weit über Ägypten hinaus und wird innerhalb recht kurzer Zeit weite Teile der gesamten, afrikanischen Bevölkerung nachhaltig gegen Deutschland einnehmen.
Aber was solls, liebe „C“DU, was schert Euch schon das Leid von Nichtschweinehaxefressern. Was bis gestern gutging, das wird auch weiter funktionieren, immerhin haben die lieben, krausköpfigen, schwarzen Kinder aus dem Kral noch lange nicht tablets, Smartphones, Laptops, sondern nur Speere für die Löwenjagd, rhythmische Tänze vor ihren Lehmhütten und bunte Federn auf dem Kopf, nicht wahr? Schickt einfach ein paar Container Glasperlen und ein paar Fässer Feuerwasser, dann geht das schon.

Eure geplanten Konzentrations- …… Entschuldigung …. „Auffang“-Läger, die sich wie ein schwarzes Tau von Gefangennahme über ganz Nordafrika spannen sollen, erhalten Euch Eure Weihnachtsmärkte und Glühweine, eure michelhaftige, absichtsvoll installierte Blindheit und es geht schließlich, wenn der Preis dafür zu zahlen sein wird, nicht an Eure Konten. Ihr seid dann schon lange tot und habt Eure Gewinne daraus längst in die Scheuer eingefahren und aus dem Profit prächtige Familienvermögen für Eure Lieben geschaffen. Die Zeche zahlen jetzt zunächst einmal die Afrikaner …. und später einmal, wenn sich Afrika auch daraus befreit haben wird, die kleinen Leute Deutschlands, die Ihr heute verarscht habt.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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