Deutschland, Syrien und die Lüge

Bekanntlich hält es die deutsche Spitzenpolitik leider noch immer für eine gute Idee, die krassesten Fehler der US-Außenpolitik möglichst sofort auch zu machen. Einmal ist in der deutschen Geschichte ein Unglück passiert: der deutsche Bundeskanzler Schröder verweigerte tatsächlich das Mitmarschieren deutscher Soldaten beim Überfall auf den Irak. Diese richtige Entscheidung galt damals vielen als Fehler, weil man sich nicht kritiklos dem Fehler der USA angeschlossen hatte. Für unsere heutige Bundeskanzlerin war dies damals Anlass genug, sofort nach Washington zu fliegen um sich beim damaligen US-Präsidenten G.W. Bush wort- und beinahe tränenreich für das deutsche „Nein!“ zu entschuldigen. Ob sie vor ihm auf die Knie gefallen war, ist nicht überliefert.Jedenfalls flocht sie damals noch die Lüge an ihre zerknirschten Gefolgsamsbeteuerungen, angeblich sei das deutsche Volk in überwältigender Mehrheit der Ansicht, dass der Irak bekriegt werden müsse.
Wir wissen alle, wie das ausgegangen ist.

Aber Merkel wäre nicht Merkel, wenn sie, als sie Schröder in der Wahl übertrumpft und das Kanzleramt eingenommen hatte, in den folgenden Jahren nicht den USA auch wirklich jeden Wunsch von den Lippen abgelesen hätte.

Als die USA vor etwa drei Jahren damit begonnen hatte, verrückterweise irgendwelche sehr dubiosen Banden in Syrien mit Waffen zuzuschmeißen, konnte Merkel nicht mehr an sich halten und bewaffnete ihrerseits die Kurden. Zehntausende von Waffen, Panzerfäuste, größere Mengen sonstiges, militärisches Gut wurde an die YPG geliefert, dem Kampfverband der Kurden. Diese Organisation ist der bewaffnete Arm der PKK, die in Europa als Terrororganisation bekannt ist und zehntausende von Menschenleben auf dem Gewissen hat.
Natürlich war das ein Fehler.
Da es aber ein Fehler war, den die USA zuvor ebenfalls mit dem Aushändigen von unglaublichen Mengen an großen und schweren wie kleinen Waffen an unbekannte Terrorgruppen begangen haben, musste Merkel ihn begehen.

Und völlig logisch, konsequent und folgerichtig stellte sich auch erwarteterweise der Effekt ein: deutsche Waffen wurden von den Kurden verscherbelt; einiges davon gelangte natürlich auch in die Hände von Daesh. Das fand dieser so lustig, dass er seinen Presseoffizier damals frotzeln ließ, dass Deutschland ruhig an ihre Feinde, die Kurden, weiterliefern solle. Man wisse dann, was man sehr bald in eigenen Beständen haben würde. Die Bundesregierung zeigte sich damals verstört, weil man angeblich nicht geahnt haben wollte, dass dies geschehen würde.
Angeblich.
Denn heute wissen wir mehr.

Gut unterrichtete Kreise beobachten, dass einige Einheiten der YPG mit der syrischen Regierungsarmee immer öfter und auffällig auf Tuchfühlung geht. Sie schalten sich in Schießereien gegen die Rebellen in Aleppo ein – und dies ganz offenbar koordiniert. Während die Truppen von Assad bestimmte Straßenzüge unter Feuer legt, schießt die YPG „ganz zufällig“ auf Bezirke, in die Bewohner und Rebellen davor fliehen. Es gibt Fotos von eroberten Gebäuden,  auf denen die Flagge Assads neben der der YPG angebracht ist. Aber das, so die etwas hilflosen Ausflüchte der syrischen Armee, seien angeblich alle nur Fakes. Überhaupt befinden sich etliche Einheiten der YPG allgemein immer „ganz zufällig“ dort in Syrien, wo Assads Metzgertruppen ein wenig Unterstützung brauchen könnten. Die YPG feuert mit deutschen Waffen.

Nun – was normale Bürger und Zeitgenossen wie ich mit dem kleinen Finger innerhalb von wenigen Minuten (!) im Internet mit zuverlässigen Quellen recherchieren können, sollte unserer Bundesregierung ebenfalls und natürlich viel detaillierter und klarer vorliegen.
Es ist absolut davon auszugehen, dass es Merkel vollkommen klar war, was mit den Lieferungen geschehen würde, als der erste Waffencontainer an die YPG ausgeliefert wurde.
Die Kalkulation sah ja ganz gut aus:
Man hatte mit den Kurden einen erbitterten Feind der türkischen Regierung international aufgewertet und mit vielen wie hochmodernen Waffen handlungsfähig gemacht. Das musste zwangsläufig in Attentatswellen in der Türkei münden und es trat ein, was geplant war: die Türkei erlitt auf ihrem zügigen Marsch auf der Karriereleiter einen nachhaltigen Knick.
Merkel bezahlte mit der Bewaffnung der Assad-freundlichen YPG auch das Wohlwollen Russlands; mit diesem öffentlich nicht kommunizierten Kniff blieb Merkel einer der wenigen Intimfreunde Putins.
Und schlussendlich dient sich Deutschland damit für die Nachkriegszeit als Lieferant und „Freund“ genau dem Kriegsgewinner an, den man in diese Position lanciert hatte: Bashar al-Assad.

Als Merkel einmal wegen der Waffenlieferungen an Saudi-Arabien kritisiert wurde, gab sie etwas patzig zu Protokoll, dass man „Freunde ertüchtigen“ wolle – auch wenn sie öffentlich Menschen verstümmeln, Frauen zusammentreten, hinrichten und durch und durch korrupte Despotenregimes bezahlen.

Mit der Bewaffnung der YPG hat sie eben auch nur „Freunde ertüchtigt“ denn Merkel ist jeder ein Freund, der Deutschlands Profitsucht unterstützt. Das hatte sie damals gründlich von Helmut Kohl gelernt. Der verhandelte während des Iran-Irak-Kriegs mit Baghdad und, heimlich, mit Teheran. Beide wurden mit deutschen Waffen beliefert. Für Lieferungen an den Iran, die damals streng verboten waren, gab es einen Trick: Kohl lieferte harmlose Hubschrauber, die zur Insektenvernichtung in der Landwirtschaft dienen sollten. Alles gut. Alles toll. Kein Problem. Waren ja keine Waffen. Parallel fertigte man Raketenlafetten mit Ziel Osteuropa ab; die Raketensysteme passten „rein zufällig“ an die landwirtschaftlichen Helikopter und wurden „irrtümlich“ vom osteuropäischen Kunden an Teheran geliefert. Was konnte dann Kohl schon dafür, dass der Iran plötzlich topmoderne Kampfhubschrauber mit Lenkraketen hatte?

Deutschland hatte damals die Umsätze aus den Waffenlieferungen an den Irak, die Umsätze aus der Bewaffnung seiner Gegner eingeheimst und zum Dank dafür auch noch höchst lukrative Verträge für den Wiederaufbau im Iran abschließen können.

Merkel versucht so etwas auch.
Da empfindet man es, wenn dies außenpolitische, potemkinsche Dorf schon neu angepinselt werden soll, als etwas dick aufgetragen, wenn der künftige Bundespräsident und aktuelle Außenminister Steinmeier allen Ernstes nun von den Russen Zurückhaltung und eine Waffenruhe für Aleppo verlangt – denn tatsächlich möchte man das exakte Gegenteil. Möge Assad doch endlich ein Ende mit dem unseligen Bürgerkrieg machen; man kalkuliert vermutlich in Berlin jetzt bereits eine Reihe Angebotsschreiben an ihn für den Wiederaufbau. Soll Russland doch die letzten Steine, die in Syrien derzeit noch aufeinanderstehen, auseinanderjagen.

Es geht hier schließlich nicht um etwas dümmliche Märchen wie Frieden, Gerechtigkeit, Beseitigung einer grausamen Despotie oder, schlimmer noch, um Menschenrechte.
Hier entscheiden Erwachsene und Realisten in Berlin – für den Krieg gegen Wehrlose, denn das erst schafft friedlich ablaufende Verkaufsaufträge.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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2 Antworten zu Deutschland, Syrien und die Lüge

  1. effieweka schreibt:

    Hat dies auf effifanblog rebloggt und kommentierte:
    Die deutsche Regierung ist beteiligt an den Waffenlieferungen und hat mit der Politik von Kohl und Merkel die ganzen Auswüchse bis hin zu diesem furchtbaren Krieg in Syrien erst möglich gemacht!!

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  2. Pingback: Deutschland, Syrien und die Lüge | DeutscheMuslima-dotcom

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