Israel – Vergewaltigung en vogue?

Würde man es hässlich und zynisch ausdrücken wollen müsste man erstaunt fragen, ob Vergewaltigung in Israel den gleichen Stellenwert wie Fußball hier hat. Da macht man mit, da geht man hin, da hat man Spaß.

Die Streitkräfte haben einen frischgebackenen Chefrabbiner in ihren Reihen: Eyal Krim. Er ist (vermutlich, ich bin da vorsichtig) zwar selbst kein Vergewaltiger, hält jedoch sexuelle Übergriffe und erzwungenen Geschlechtsverkehr zwischen israelischen Soldaten und ihren Opfern für durchaus akzeptabel. Er schrieb einmal für eine prominente und populäre Seite und beantwortete dort vornehmlich Fragen von Soldaten. Als er gefragt worden war, ob die Vergewaltigung von Opfern durch Soldaten in Ordnung sei, bejahte er dies. Soldaten im Einsatz, befand er damals, müssten schließlich ihren "bösen Drang" befriedigen und nichtjüdische (Angriffs-) Opfer scheinen ihm gerade gut genug dazu.

Man widmet sich seit dem Beginn der öffentlichen Diskussion um das Gesamtthema Vergewaltigung, weil sich Israels Linke gegen die Nominierung von Krim stemmte. Das Recht auf Vergewaltigung wurde allerdings von Justizministerin Ayelet Shaked ebenso verteidigt wie auch vom Religionsminister David Azoulay. Das lasse man sich auf der Zunge zergehen: die JustizministerIN (in dem Wort steckt doch eine Frau?) verteidigt das Recht auf Vergewaltigung Wehrloser. Aha.

Vergewaltigung ist in Israel überhaupt kein Problem. Die Zahl der Vorfälle hat sich deshalb zwischen 2010 und 2015 verdoppelt und spricht dafür, dass es sich hier um einen populären Volkssport handelt. Der Offizier Ofek Buchris hat 16 angezeigte Vorfälle zu verantworten. Das war wohl anstrengend. Jedenfalls wurde er (zur Erholung davon?) suspendiert und wird seine gesamte Pension beziehen, ohne eine Haftstrafe befürchten zu müssen. Jedes Foul im Fußball wird wesentlich strenger geahndet.

Ein 24-jähriger Mann wurde kürzlich der Vergewaltigung überführt; schon 2012 stand er deshalb vor Gericht und bezahlte ohne weitere Probleme etwa 1.300 €. Unnötig zu erwähnen, dass er nicht in Haft kam.

Allerdings ist Vergewaltigung eher etwas für Prominente in Israel. Der Präsident des Nazarener Gerichtsbezirks, Yitzhak Cohen, wurde wegen sexueller Übergriffe zu einer milden Strafe von etwa 650 € verurteilt und muss ein wenig Sozialdienst ableisten – man fragt sich, ob das für israelische Verhältnisse nicht eine viel zu harte Bestrafung war.

Der Stellvertretende Polizeichef Israels, Nissam Mor, hat sexuelle Straftaten vor Gericht zugegeben; es wird eine Verurteilung zu Sozialdienst erwartet (von Haft oder einer Geldstrafe ist keine Rede).

Überhaupt scheint es für Frauen gar keine gute Idee zu sein, sich wegen Vergewaltigung für eine Anzeige an die Polizei zu wenden. Die israelische Seite Walla berichtet, dass einige der Frauen, die dies versuchten, von Polizisten sexuell belästigt worden sind.

Auch der aktuelle Polizeichef Israels, Roni Alsheikh, verspürt keine große Lust, sich dem Problem Vergewaltigung zu widmen. Wie ein Bericht meldet, verbleiben etwa 87 Prozent aller erstellten Anzeigen in Israel ohne Ermittlungen, ohne Verurteilungen, ohne Strafe. Damit künftig weniger Anzeigen auftauchen, kündigte Alsheikh bereits an, überhaupt keine anonymen Anzeigen mehr aufzunehmen.

Es scheint den oberen Entscheidern in Israel langsam zu dämmern, dass Vergewaltigung aus (für sie völlig unerfindlichen Gründen) im Rest der Welt als …. unfein ….. betrachtet werden und die überwältigende Vielzahl höchst prominenter Fälle ein …… unschönes …. Bild abgeben könnte. Deshalb wies der Minister für Innere Sicherheit, Gilad Edan, die Polizei an, bloß nicht mehr so oft und laut über Vergewaltigung und andere, sexuelle Übergriffe in Israel zu reden.

Alsheikh sieht dies ganz ähnlich und findet Verurteilungen zu Geldstrafen oder Sozialdienst als ganz wesentlich zu hart für die so Geschmähten. Deshalb wird die Errichtung eines Fonds erwogen, der das Leid der Verurteilten mildern soll.
Denn diese Folgen können in Form eines Unfalls schon mal im Einzelfall hart ausfallen: der Vorstandsvorsitzende der Hapoalim-Bank wurde unlängst immerhin zu 1,6 Millionen Dollar Strafe wegen sexueller Angriffe gegen eine Angestellte verurteilt.

Allgemein aber geschieht Vergewaltigern in Israel nicht wirklich viel Böses. Ein Dekan der Ben-Gurion-Universität, David Newman, muss für seinen sexuellen Übergriff gegen eine seiner Studentinnen gar nichts befürchten. Noch nicht einmal eine Suspendierung. Falschparken in Israel, scheint mir, ist ganz wesentlich schlimmer und im Vergleich unentschuldbar.

Es geht aber weiter:

David Yosef, Bürgermeister des Tel-Aviver Vororts Or Yehuda, wurde von einem Gericht der Vergewaltigung und sexueller Übergriffe in insgesamt elf Fällen überführt. Der Bürgermeister hatte darüberhinaus im Jahr 2014 ein Banner öffentlich anbringen lassen, dass "harte Schläge" gegen Palästina einforderte und die Soldaten in hebräischer Sprache zur Vergewaltigung palästinensischer Mütter aufrief.

Rabbi Eliezer Berland wurde wegen Vergewaltigung von Frauen und Minderjährigen tatsächlich doch zu einer Strafe von etwa 6.500 € und sogar auch noch zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Während der Gerichtsverhandlung skandierten seine Anhänger draußen: "Das Volk ist mit dem Heiligen!"

Der Sprecher Netanyahus, David Keyes, wurde der Vergewaltigung beschuldigt. Der Netanyahu-Freund Gil Sheffer wurde wegen sexueller Übergriffe zu Hausarrest verurteilt.
Natan Eshel, Stabschef unter Netanyahu, musste seinen Posten wegen der Beschuldigung sexueller Verbrechen räumen.
Ilan Shmuel, ehemals Chauffeur Netanyahus, wurde der Vergewaltigung von sechs Mädchen zwischen 9 und 16 Jahren während eines Zeitlaufs von 10 Jahren überführt.

Jeder mag sich seinen eigenen Teil dazu denken.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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