Israel dreht am Rad – gut so!

Entwertet wurde die jüngste Verurteilung Israels durch die UN aufgrund der ungebrochenen, verbrecherischen Land- und Lebensraumraubaktionen leider durch den recht offensichtlichen, politischen Rachedurst Obamas.

Der hatte sich als tatsächlich erster US-Präsident über die Frechheit Israels, seine Interessen durch linke Winkelzüge an der US-Regierung vorbei durchzusetzen, offiziell wie auch öffentlich geärgert.

Und jetzt dreht das offizielle Israel völlig am Rad; es reagiert auf eine Weise vollkommen hysterisch, die aufhorchen lässt. Bisher konnte Netanyahu auf eine nachhaltig kompromittierte US-Regierung und ihre daraus resultierte Untätigkeit bauen; jeder noch so brutale und offen verbrecherische Haltung wurde entweder goutiert oder totgeschwiegen. Selbst die Folterung und Tötung eigener Staatsbürger durch israelische Polizisten und Soldaten konnte keine diplomatische Verstörung erzeugen. So wie Deutschland auch diente die USA dem Folterstaat Israel mit seinem Schweigen dazu.

Und plötzlich wird der Landraub als dominierendes Friedenshindernis durch die Stimmenthaltung vor der UN nicht nur publik, sondern auch geradezu explosionsartig zu einem Diskussionsgegenstand. Als hätte sich die Qualität israelischer Expnsions- und Annektionspolitik auf einmal geändert. Und weil die gerade das in den letzten Monaten nicht getan hatte, ist die Obama’sche Stimmenthaltung vor der UN entwertet und verkommt zu einem „Ätschibätsch! Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“ des scheidenden Präsidenten.

Dennoch: das Wesen von Extremismus, der aus einem so harten Faschismus entspringt, wie wir ihn in Israel finden, reagiert in solchen Situationen grundsätzlich immer dumm. Und deshalb stellt das israelische Außenministerium den Diplomaten der Befürworterstaaten der Resolution den Stuhl vor die Tür – und schlägt diese, von harten Beleidigungen, begleitet zu. Netanyahu persönlich kann diesen Konflikt im Moment sehr gut brauchen, da er selbst momentan wegen eines offenbar mehr als zweifelhaften U-Boot-Deals mit Deutschland eine staatsanwaltliche Ermittlung zu fürchten hat. Da kommt mit der Resolution eine hervorragende Gelegenheit zur medialen „Empörung!“ aus seinem Büro zur rechten Zeit, mit der er diese Unannehmlichkeit lautstark übertünchen kann. Die israelische Opposition wäre gut beraten, sich davon nicht einfangen zu lassen und der Staatsanwaltschaft in dieser Sache gut zuzuhören.

Politisch ist die Resolution für Israel eine mximale Katastrophe; überall auf der Welt tauchen plötzlich in allen Medien z.T. sogar sauber und ehrlich produzierte Dokumentationen über den Landraub auf und der Israel-„Freunde“-Fraktion fällt es erheblich schwerer, ihre üblichen Lügen- und Märchengebäude darüber zu errichten. Auf einmal ist Landraub „Landraub“. Israel hat in den zurückliegenden, drei Jahrzehnten voll auf die Kumpanei des Westens bauen können. Die letzten Massaker im Gaza-Streifen, die sich höchstens in den effektiven Opferzahlen, aber keinesfalls in ihren Scheußlichkeiten von den Vorgängen in Aleppo unterschieden haben, erfuhren niemals ähnliche Anklagen wie Bashar al-Assad von Syrien.

In den letzten ein oder zwei Jahren hatte die israelische Regierung erkannt, dass die Aktion „BDS“ („Boykott, Divestment, Sanktionen“) zunehmend Erfolge zu verzeichnen hatte und erhebliche Nieder- und Rückschläge für die schleichende Annektionspolitik Israels zu verzeichnen waren. Deshalb bemühte man sich zul.etzt darum, Aktionen der Gruppe „BDS“ von Gerichten überall auf der Welt unterdrücken und verbieten zu lassen. Das dürfte in Zukunft zumindest ganz erheblich schwerer werden und Israel wird weiteren Unternehmungen mit dem Taschentuch hinterherwinken, die ihre Produktion im Westjordanland und damit ihre Steuerzahlungen an Israel einstellen werden, weil der Charakter des Landraubs jetzt immer offensichtlicher wird und nicht mehr versteckt werden kann.

Das wiederum, und das macht die angstvolle Hysterie in der Regierung menschlich verständlich, bedeutet in jedem Fall ein Riesenproblem für das Land: es kann auf keinen einzigen Steuergroschen verzichten, wenn es seine durch und durch aggressive Politik aufrechterhalten will. Zur permanenten Bedrohung nach innen und nach außen bedarf es eines beständig einsatzbereiten Heeres – und das verschlingt Unsummen an Steuermitteln. Im Einsatz beteiligen sich die Soldaten nicht an der Produktion und benötigen Ausrüstung, was durch die Steuereinnahmenminderung im Krieg fatale Auswirkungen auf das Sozialsystem Israels hat. Schon unter den heutigen Bedingungen, in denen die „Freunde“ Israels nicht mit millionenschweren Spenden, Zuwendungen, Krediten und Waffenlieferungen geizen, gestaltet sich die israelische Haushaltsfindung kritisch. Wiederholt kam es bereits zu großen Demonstrationen Bedürftiger auf Israels Straßen.

Es dürften meiner persönlichen Einschätzungen nach nicht die großen, (global-) politischen Räder sein, die die derzeitige, faschistoide Landraubpolitik Israels bremsen könnte, sondern eher die zahllosen kleinen Vorstöße von kleinen bis hin zu kleinsten Gruppierungen, die nachhaltig, wenn auch langsam, eine Kehrtwendung hin zu einem praktikablen Frieden bringen können. Denn eine Umkehr resultiert letztlich nur aus der Unmöglichkeit, das alte Lügengebäude aufrechtzuerhalten, sobald die Öffentlichkeit wahre statt geschönter und gefälschter Informationen verfügt. Westliche Regierungen befinden sich breitflächig einem wachsenden Unglau ben ausgesetzt – und sie werden nicht riskieren, eines Tages auch noch als schweigende Unterstützer eines brutalen wie rassistischen Regimes geoutet zu werden. Deshalb wird Israel jetzt Unmengen dieser Unterstützung verlieren.

Jede öffentliche Raserei und Beleidigung, die Israels Regierung jetzt verlautbaren lässt, hilft diesem Trend und damit dem Frieden. Je mehr alte Unterstützer Israel jetzt vor den Kopf schlägt und dadurch verliert, desto näher rückt das Ende dieser Politik.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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Eine Antwort zu Israel dreht am Rad – gut so!

  1. deutschemuslima71 schreibt:

    Insha Allah

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