Israel – der aussichtslose Kampf gegen Boykotts und hilflose Helfer Israels

Die extremistische Regierung Israels hat Angst.
Man merkt, dass sie Angst hat, weil sie auf eine dafür charakteristische Weise reagiert und mit zunehmender Härte und Verzweiflung versucht, gegen sie gerichtete Stimmen mit der Hilfe anderer Regierungen und deren Gerichte zum Verstummen zu bringen.
So ist zu beobachten, dass Israel mit anwachsender Härte versucht, die Aktion "BDS" ("Boycott, Divestment, Sanctions") verbieten und ihre Akteure verhaften zu lassen. Das gelingt jedoch nicht – noch nicht einmal ansatzweise. Verschiedenste, von Israel bereits "bearbeitete" Länder wie Schweden, Spanien und Irland etwa haben sich kategorisch dagegen gestellt und stellen entweder insgesamt, oder zumindest große Regionen in diesen Ländern die Zusammenarbeit mit Israel vollständig ein. Ganze Landkreise und Gemeinden in diesen Ländern vermelden zwischenzeitlich, den Ankauf von Produkten aus illegalen Produktionsstätten im Westjordanland vollständig abgewürgt zu haben. Das ist natürlich nach meiner Meinung gut so, auch wenn ich persönlich aufgrund § 7 AWV ausdrücklich keine Beteiligung an einem solchen Boykott ausübe und auch nicht dazu aufrufe. Dass sich meine persönlichen Kaufentscheidungen jedoch trotzdem danach richten, wo der Hersteller des infrage kommenden Produkts produziert, ist natürlich nirgendwo verboten und im Rahmen der freien Meinungsäußerung kann ich darüber sehr wohl auch berichten.

Israel hat Angst. Und es pfeift im dunklen Wald, um sich selbst Mut zu machen. Und es schickt seine Emissäre aus, um Öl auf die Wogen zu gießen und zu verhindern, dass irgendeine Regierung, irgendein Konzern Lunte davon bekommt, dass Investitionen im Westjordanland nicht nur unappetitlich sind, sondern geradezu von moralischer Verkommenheit sprechen. Vor allem gilt es unter allen Umständen für Israel zu vermeiden, dass das angelockte Kapital eine sehr unsichere Zukunft haben und die Kapitalgeber internationaler und peinlicher Kritik ausgesetzt sein könnte.

Im Kapitalmarkt ist diese Erkenntnis langsam durchgesickert. Einzelanleger haben längst damit begonnen, ihre Engagements in Papieren von Konzernen, die tatsächlich im Westjordanland produzieren, zurückzufahren. Die Lektüre einzelner Foren von Anlegern zeigt dies sehr deutlich. Die potenzielle Rendite wird zwar gelobt, die Zukunft jedoch gefürchtet. Das zieht Kreise und berührt zwischenzeitlich auch die Engagements größerer, potenter Anleger. In einem solchen Forum las ich bereits wortwörtlich, dass es "langfristig nicht sinnvoll" sei, in ein Engagement in einer solch kritischen Region einzusteigen. Das ist ein Trompetenstoß für die Geldwirtschaft – ein Kapitalanleger wünscht Dividende in Ruhe und Frieden zu verdienen und seinen Namen nicht als gewissenloser Gewinnler auf den Titelseiten wiederzufinden, während Unruhen sein investiertes Geld vor Ort auffressen.

Grisha Alroi-Arloser, Israelisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (AHK Israel) und ihrem deutschen Pendant, der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung e.V. (DIW), folgte der Direktrive seiner Regierung brav, als er der website des "DIW" ein Interview gab. Wie natürlich nicht anders zu erwarten, schützte er Nichtwissen vor, als die Frage nach dem Umsatzvolumen der Firmen gestellt wurde, die illegal im Westjordanland produzieren:

Heuer: Worüber genau sprechen wir? Wie viel Geld verdient Israel im Handel mit Deutschland und wie viel davon mit Produkten aus den Siedlungsgebieten?
Alroi-Arloser: Die Angabe über den Anteil der Produkte aus Siedlungsgebieten kann, glaube ich, niemand machen. Mir liegt diese Zahl nicht vor.

Das ist natürlich himmelschreiender Blödsinn. Ein Spitzen-Wirtschaftler, der wegen speziell dieser Frage ein Interview gibt und über solche Zahlen nicht verfügt, ist ein Totalversager um nicht "Idiot" zu sagen, was mir die Höflichkeit verbietet. Weil Alroi-Arloser ein gewiefter Manager, aber beileibe kein Idiot ist, macht er Idioten aus den Lesern des Interviews weil er wohl tatsächlich annimmt, dass ihm diesen Unsinn irgendjemand glaubt – oder glauben könnte.
Da er sich jedoch auf diese Weise äußert ist völlig klar, dass das Gegenteil zutreffen muss: ganz offensichtlich ist der Anteil des Steueraufkommens der illegalen Produktionsstätten aus dem Westjordanland, welches für die israelische Haushhaltsfassung wichtig ist, ganz enorm hoch und unverzichtbar.

"BDS" ist also auf dem richtigen Weg.

Der Rest des Interviews lässt ein paar Fakten erahnen, auch wenn man sie hinter den Nebelkerzen, Relativierungen und gezielten Auslassungen Alroi-Arlosers hervorzerren muss:

Alroi-Arloser: Es gibt landwirtschaftliche Produkte, wobei die landwirtschaftlichen Produkte insgesamt am israelischen Export nach Deutschland knapp drei Prozent ausmachen, und wie viel davon nun aus Anbaugebieten jenseits der grünen Linie kommen, kann ich momentan so nicht sagen.
Es gibt einige Technologieprodukte. Ein sehr bekanntes Produkt, Sodastream, ist immer wieder in den Nachrichten genannt worden. Das wird teilweise in einem Stadtteil Jerusalems, der jenseits der grünen Linie liegt, zusammengebaut. Es ist im Grunde nicht viel.

Ach soooo ….. hier und da das eine oder andere Produktchen ….. meine Güte …. nichts existenzgefährdendes für Israel. Da erhebt sich die Frage, weshalb Israel denn dann nicht vollständig auf diese Standorte und Produktionen verzichtet, da ihr illegaler Charakter doch unbestritten und erst kürzlich erneut hochoffiziell von der UN dargelegt worden ist. Auch hier erklärt Alroi-Arloser die Leser zu Dummköpfen, denn er löst diesen Widerspruch nicht auf und belässt es bei der Marginalisierung dieser Standorte.

Dafür aber baut er einen neuen Pappkameraden auf und er kann sich felsenfest darauf verlassen, dass ihn die zunehmend verblödende Öffentlichkeit gar nicht, die fachliche Insiderschaft jedoch ziemlich genau versteht und auch begreift, dass man besser nicht öffentlich an diesen Punkt rührt:

Wichtig ist, glaube ich, zu betonen, dass in den Unternehmen jenseits der grünen Linie vor allen Dingen Palästinenser beschäftigt sind und es auch palästinensische Unternehmen sind, die als Zulieferer gelten, und die Palästinenser werden auf jeden Fall durch diese Maßnahmen durchaus in Mitleidenschaft gezogen.

sagt Alroi-Arloser. "Aha!", denkt der durchschnittliche und unbedarfte Deutsche, "Dann schaden sich die Palästinenser ja dummerweise selbst, wenn sie diese Unternehmen angreifen!"

Frau Heuer als Interviewerin tat dann etwas, was sicherlich nicht im Sinne ihres Arbeitgebers war. Sie stellt hierzu eine kritische Gegenfrage:

Aber sie haben dadurch auch wenig Chancen, eine eigene Wirtschaft autark aufzubauen?

Tja, Frau Heuer, das wird wohl anschließend Haue gegeben haben. Zumal Alroi-Arloser hierzu nur (noch) knapp antworten konnte:

Das mag sein. Aber ich möchte wirklich als Israelisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer in die politische Diskussion so nicht eingreifen.

Man hieß ihn zwar, genau dies zu tun, weil er mit seiner Behauptung, es seien durch die Boykotts auch Palästinenser "in Mitleidenschaft gezogen" worden, durchaus "so" in die "politische Diskussion" eingriffen hat – aber das merkt hier ja eh niemand. Und die, die das verstehen und breit dabei grinsen sind exakt die, die ihr Geld damit machen. Heuer war (bewußt?) ohnehin schon sehr ungenau und hat darauf verzichtet zu präzisieren, woraus dieser Mangel an Chancen wohl resultieren mag. So hat sie nicht danach gefragt, weshalb radikale Israelis immer wieder Olivenbäume zerstören, die die palästinensischen Eigentümer des Landes zur Ernährung brauchen. Sie hat nicht danach gefragt, weshalb israelische Siedler absichtsvoll Swimming-Pools so bauen, dass sie von ihren palästinensischen Nachbarn, Bauern, genau gesehen werden können, die ihre Ernten am Halm vertrocknen sehen, während Israelis auf fremdem Land im Wasser planschen. Diese Umstände sind von Heuer sehr brav, sehr wohlmeinend, höchst entgegenkommend mit "wenig Chancen" umschrieben worden.

Dies Interview ist ein sehr wichtiges, weil es trotz aller Bemühungen, das wirkliche Ausmaß des Entsetzens in der israelischen Regierung über die Effektivität von "BDS" zu verschleiern und zu vernebeln, dies Ziel nicht nur nicht erreicht. Die bemühten Relativierungen von Alroi-Arloser lassen erkennen, dass Israel sich empfindlich getroffen und daran gehindert sieht, seinen Kurs der ethnischen Säuberung durch Zerstörung, Prekarisierung der palästinensischen Lebensumstände, durch Tötung von (Land-) Eigentümern, deren Enteignungen und durch Wasserentzug im Westjordanland vorzubereiten.
Die phsychologische Kriegsführung bedient Israel an zwei Fronten: nach außen schickt es hilflose Helfer wie Alroi-Arloser, versucht jenseits der Öffentlichkeit über (diplomatische) Kontakte zu anderen Regierungen "BDS" erfolglos totzutreten und an der zweiten, inneren Front, die palästinensische Bevölkerung durch ständiges Beschießen, durch die Zerstörungen von Olivenhainen etwa, mit dem Mittel der anwachsenden Frustration, Hoffnungslosigkeit und menschliches Leid so sturmreif zu schießen, das sie eines Tages ohne viel Federlesens freiwillig gehen würden.
Es ist schon sehr erstaunlich, dass die extremistische Regierung Israels um den Radikalen Netanyahu bis heute nicht begriffen hat, dass sie heute womöglich noch viel weiter vom Erreichen dieses Zieles entfernt sind als je zuvor.

Wie ich sehe, hat die Betonkopf-Front der unbelehrbaren Israel-"Freunde" die Trendwende noch nicht verstanden. Obschon völlig hoffnungslos, bemüht sie sich noch immer darum, um Verständnis für den faschistischen Kurs Israels zu werben. Dabei ist die Katze der Wahrheit längst aus dem Sack und es gibt überall gedruckte und gefilmte Berichte von Israels tatsächlichem Vorgehen im Westjordanland etwa zu sehen und zu lesen.
Der harte Kern dieser Truppen wirft noch immer, zwischenzeitlich geradezu kreischend, mit der ehemals brutalen wie wirksamen, heute jedoch höchst stumpfen Waffe des "Antisemitismus"-Vorwurfs nur so um sich; alles, was Israel das Recht darauf bestreitet, nach Gutdünken zu schießen, zu zerstören und zu foltern, ist nach ihrer Auffassung auf jeden Fall ein "Antisemit".
Ein Blick in die Geschichtsbücher sollte sie leeren: es hatten sich im Dritten Reich zahlreiche, echte Freunde Deutschlands mit Vorwürfen gegen Berlin zu Wort gemeldet und hätte man ihnen rechtzeitig zugehört, wären Millionen von Menschen noch am Leben.
Die, die das damalige Deutschland am energischsten "verteidigt" hatten, haben es in Wirklichkeit dadurch immer tiefer in den Wahn und in die Schuld getrieben.

Die Erfolgsgeschichte von "BDS" wird weiter geschrieben; sie wird sich unaufhaltsam quer durch die Medien erst in die Köpfe der Menschen, und dann als Warnung in die Einkaufslisten von Konsumenten fressen. Jeder Sieg von "BDS" gegen die israelischen, listen- und trickreichen Erstickungsversuche verdoppelt sich allein dadurch, dass er einer ist. Die Kumpanei westlicher Regierungen bröckelt und es liegt allein an der israelischen Regierung und ihren Wählern, wie tief der wirtschaftliche Niedergang gehen muss, bevor ein Umdenken und Einlenken möglich wird.
Wie lange muss das noch gehen?
Muss erst Hunger in Israel ausbrechen? Wieviel Elend braucht Israel? Muss es gar erst zu Zerstörungen kommen? Zu Kriegen?

Ich wünsche Israel und all seinen Menschen genausogut wie jedem Palästinenser, dass die israelische Regierung schneller zu Verstand kommt!

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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