Israel – einer von vielen Henkern ist verurteilt

Wenn man sich Fotos von Elor Azaria anschaut, blickt man einem Jungen in die Augen, dem bisher noch der erste Bartwuchs erspart bleibt. Die Ärmel seiner Jacke sind zu lang, er ist ein zierliches Kerlchen. Sowas gehört nicht in die Armee. Sowas ist kein Soldat. Sowas ist ein Junge, der an den Tisch seiner Mutter, in die Schule oder vielleicht in eine Ausbildung gehört. Einem solchen Jungen drückt man ein Käsebrot in die Hand, aber doch keine Waffe.

Menschlich mit der Situation offenbar vollkommen überfordert, wurde dieser Junge im Handumdrehen zu einem Henker. Objektiv beobachtet, hat er ganz exttrem kaltblütig einen Menschen hingerichtet. Beinahe im Vorbeigehen. Mal eben so. Als seine Kugel in den Kopf seines wehrlosen Opfers fuhr, wird es ihn, den Jungen, furchtbr erschrocken und er wird sich gedacht haben, dass er für einen Moment wie diesen nicht vorbereitet, nicht abgehärtet genug war.

Israel hat diesen Jungen mit seiner hysterisch überkippenden Schreierei zu einem Henker gemacht. Dies Israel will ihn nun zu einem „Mann“ und zu einem „Helden“ erklären, auch wenn sich dieser nachts in den Schlaf weint weil er überhaupt nicht mehr versteht, was er Falsches getan haben soll und weil er seine Mama furchtbar vermisst.

So stammelt und stottert sich der Junge auch hilflos ausgedachte Geschichtchen vor dem Gericht zusammen, das ihn fälschlicherweise genauso anklagt wie einen alten, abgezockten und abgebrühten Soldaten, der Spaß am Schießen und dem Töten Wehrloser hat. Dieser Junge kann nicht hingehen, seine tausend Kameraden vor der Tür fühlen, die Richterin fixieren und sagen: „Na klar habe ich das Schwein abeknallt.“.

Insofern verurteilt sich Israel in Form dieses Jungen selbst; ein ganzes Land steht vor Gericht und vor der ganzen Welt, weil es sich nicht nur wegen Totschlags, sondern auch wegen seelischer Vergewaltigung seiner eigenen Kinder angeklagt sieht.

Man muss ja vorsichtig sein: bisher wurde an der Täterschaft des Opfers kein Zweifel laut. Das Israel seiner Armee und seiner Extremisten neigt dazu, seine Erschießungen mithilfe von an den Tatort praktizierter Gegenstände als „Notwehr“ oder „Terrorabwehr“ zu verbrämen, aber in diesem Fall war das Opfer ein bereits hilflos geschossener Terrorist. Und hätte dem Henkerjungen nicht seine unglaubiich breite Anhängerschaft einen Bärendienst mit der Behauptung, solche Hinrichtungen gingen doch sonst für gwöhnlich auch klar, bewiesen, so würde man dem Jungen womöglich sogar noch Affekt zugutehalten. Die öffentlich über die Festnahme ausgebrochene Diskussion um die Täterschaft erst brachte weltweit die Erkenntnis, dass solche Tötungen Wehrloser ganz offensichtlich normal in Israel sind.

Nun erfolgte also die offizielle Verurteilung dieses Jungen vor einem ordentlichen Gericht; die Zumessung des Strafmaßes, das bis zu 20 Jahren Haft bedeuten kann, erfolgt in den nächsten vier Wochen.

Schon jetzt, und das muss Israel peinlich und für die Welt eine wichtige Erkenntnis sein, randalieren tausende von Extremisten gegen das Urteil, fordern für die Hinrichtung Wehrloser die Freilassung und wollen damit die rassische Überlegenheit der Juden über andere klarstellen. Es wird schwierig, sehr schwierig für Israel werden, diesen richtigen Eindruck über seine inneren Verhältnisse zu relativieren.

Orden wurden für den überforderten Jungen schon gefordert und öffentliche Belobigungen, von einigen Beobachtern wird die unmittelbar jetzt ablaufende Zeit den Grad der bisher schon vorliegenden Spaltung in der israelischen Gesellschaft darstellen. Bricht sich die rassistische Raserei jetzt endgültig Bahn oder obsiegt der nüchterne, erchrockene und friedensliebende Rest der Gesellschaft und wie laut oder leise, wie aktiv und engagiert ist dieser (noch)?

Für mich jedenfalls ist klar: dieser „Soldat“ ist ein unreifer, hilf- und ratloser Junge, den sein Umfeld dazu getrieben und missbraucht hat zu tun, was er als normaler Junge niemals tun würde: einen Wehrlosen töten. Und er muss zum Segen Israels hart dafür bestraft werden, damit andere, israelische Mütter ihren Jungs Käsebrote auf dem Weg zur Schule mitgeben und sie von jeder, gerade aber von der israelischen Armee fernzuhalten.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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Eine Antwort zu Israel – einer von vielen Henkern ist verurteilt

  1. tiara013 schreibt:

    Nicht nur, dass er ein Held ist (das wurde auch Baruch Goldstein), Zeugen und Richter werden bedroht. Und da sich von Netanyahu abwärts viele Spitzenpolitiker für eine Begnadigung des Mörders aussprachen bzw intervenierten, wird diese am Ende auch kommen. Der andere „linke“ Chauvinismus lebt ebenfalls auf: Die Botschaft des Urteils sei, „dass wir uns nicht auf das unmoralische Niveau derer herunterziehen lassen dürfen, die uns auslöschen wollen“. Selbstbeweihräucherung und Opferkult. Was nicht diskutiert wird, ist die Rolle der Soldaten und Siedler in Hebron, die Ursachen des „Terrors“ bzw Widerstands, die Besatzungs- und Verdrängungspolitik

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