USA – Die Trumpete beginnt zu blasen …..

Meine Frau wurde mir im Verlauf des zurückliegenden Jahres zunehmend ärgerlicher. Die Möglichkeit, dass Donald Trump die Wahl zum Präsidenten würde gewinnen können, erschien ihr geradezu grotesk. Nicht allein nur unwahrscheinlich, sondern allein die Vorstellung fand sie lächerlich.Ich hatte mich davon zugegebenermaßen etwas anstecken lassen, zumal meine Frau persönliche US-Erfahrung hat und wir US-Bürger zu unserem engsten Bekanntenkreis zählen. Und die fanden die Idee, einen Trump einmal als „Mr. President“ anreden zu sollen, völlig daneben.

Ab und zu fragte ich meine Frau:
„Und was wäre, wenn Trump doch ….. “ aber weiter kam ich selten, weil meine Frau da schon den Finger seitlich an der Stirn drehte, während sie diese runzelte und mich anschaute, als sei ich nicht ganz bei Verstand.

Nun ist es aber tatsächlich doch so gekommen.

Ich halte mich auch privat mit Einschätzungen für die Zukunft der USA sehr zurück. Im Wesentlichen folge ich da auch unserer großen Tochter, die sich augenblicklich für etwa ein Jahr in Boston aufhält und uns als Auge und Ohr in Bezug auf die Reaktionen in den USA selbst dient. Sie selbst ist maximal unsicher; obschon sie perfekt US-Amerikanisch spricht, einige Kontakte dort hat, die Neuigkeiten aufmerksam mitverfolgt, sieht sie sich ebenfalls außerstande, auch nur die nächsten Monate abschätzen zu können.

Es gibt gewisse „Wenn … dann …. “ – Spiele.
In Bezug auf Araber gelingt mir das im Großen und Ganzen recht gut. Ich kann ihre Mentalität nachvollziehen und kenne ihre Gefühle ganz gut. So wundert mich an Reaktionen von Arabern auf regionale oder globale Politik weniger als andere.
Ich finde es deshalb durchaus bezeichnend, dass sich selbst USA-Kenner momentan kaum bis gar nicht dazu hinreißen lassen, die Reaktionen der US-Bürger auf etwaige Ereignisse der näherliegenden Zukunft auch nur im Ansatz vorherzusagen. So wenig Berechenbarkeit war selten!

Da Trump heute den „football“ und den „biscuit“, also den Atomkoffer und die Codekarte dazu, erhalten wird, kann eigentlich alles passieren. Künftig haben wir jeden Tag, an dem der Spinner keine Atomraketen starten lässt, als besonders glücklich zu feiern – denn wer würde heute mit angemessener Kompetenz behaupten wollen, dass Trump das natürlich keinesfalls täte?

Alle Szenarien sind denkbar – und werden auch von ihren Anhängern mit großer Begeisterung medial behauptet. Von A bis Z ist wahrlich alles vertreten, man könnte über die Anzahl der Möglichkeiten, wie sich die Welt in den nächsten Jahren gestaltet, schwindelig werden.
Ich neige nur sehr wenigen und sehr vorsichtigen Kennern zu.
So halte ich die Vorstellung für sehr wohl nachvollziehbar, dass Trump über seine offen geübte Abscheu gegen seine eigenen Geheimdienste straucheln könnte. Seitdem bekannt geworden ist, dass seit Wochen bereits ein Team in seinem Auftrag am Zusammenstreichen von Geldern, Berechtigungen und der Machtfülle der Dienste arbeitet. Man kann diesen Fehler als US-Präsident zwar begehen, aber meist nur einmal. Wer Näheres dazu wissen möchte, der frage Richard Nixon.
Seine generelle Abneigung gegen ärgerlichen Bürokratismus wie etwa „verhandelte Verträge“ zugunsten frei verhandelter „Deals“ aufgrund tagesaktueller Ereignisse in Verbindung mit seiner katastrophalen Unkenntnis in Bezug auf grundlegende Fragen von Außenpolitik wird zwingend zu schweren Irritationen, zu Verärgerung und zu falschen Wunschvorstellungen führen – was grundsätzlich immer eine latente Kriegsgefahr mit sich bringt.

Uns allen, Bürgern wie Regierungen, sind weltweit die Hände gebunden und wir können alle nur gespannt abwarten, wer als erster die Faust gegen Washington schüttelt und damit auch uns droht. Jetzt könnte uns der Kadavergehorsam, den uns Merkel oktroyiert, mit hinab in den Niedergang, in bewaffnete Auseinandersetzungen und Wirtschaftskriege reißen. Unsere Hörigkeit ist nicht „mal eben“ zu beenden, da muss es schon als unverschämtes Glück angesehen werden, wenn das Feihandelsabkommen TTIP ohnehin eine wirtschaftspolitische Leiche ist. Dennoch ist der Grad der Verflechtung dank unserer blinden Regierung ein ungeheurer und es ist vollkommen ausgeschlossen, dass ein Militär- oder Wirtschaftskonflikt von außen auf die USA für uns folgenlos bleiben könnte. Da wird man schon von einem „blauen Auge“ reden müssen, wenn uns solches in Europa „nur“ ein paar lächerliche hunderttausend Arbeitsplätze kostet, weil etwa Konzerne in die Knie gehen.

Was ich menschlich von Donald Trump halte, schreibe ich hier nicht hin.
Aber das stünde mir ohnehin nicht zu; er ist, und da haben viele Kommentatoren aus dem ruhigen, sachlich nüchternen Lager einfach Recht, nunmal demokratisch gewählt und damit von der Mehrheit gewollt. Sie müssen ihn anders sehen und bewerten, sonst wäre er nicht gewählt worden. Meine „Helden“ wird und muss auch nicht jeder mögen.

Beginnen wir ab heute damit, jeden Tag zu feiern, an welchem Trump keine Einzelpersonen, Ethnien, ganze Landstriche oder gar Nationen tötet, verletzt oder zumindest beleidigt.
Solche Tage werden gute Tage sein.
Wir müssen unsere Zufriedenheit in immer kleineren Dingen finden.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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