USA – Trump und sein vergiftetes Jerusalemgeschenk an Israel

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus und mit dem Zählen der Trump’schen Kardinalfehler nicht mehr nach.

Was jetzt schon gesagt werden kann ist, dass seine Irrationalität sicherlich System und einen starken Ausdruck hat. Sein Wüten, Beleidigen, Anrempeln, Beschimpfen beginnt ein Muster zu zeigen.
Trump ist kein Politiker, er ist noch nicht einmal ein Geschäftsmann. Er ist nichts als ein Großmaul, das sich seine Kopfnüsse bald abholen wird – denn soviel ist sicher: nichts wird auch nur annähernd so funktionieren, wie er es sich in seinem Kopf ausdenkt.

Und jetzt Jerusalem.
Netanyahu muss der ultimative Schreck in die Glieder gefahren sein, als er von der jetzt definitiv erklärten Absicht Trumps hörte, die US-Botschaft nach Jerusalem umziehen zu lassen. Denn das hatte der Israeli immer verstanden und bisher auch fein beachtet: dem rhetorisch immer wieder und wieder geäußerten Plan, Jerusalem zur einigen Hauptstadt Israels zu erklären, bloß nicht umzusetzen. Dieser Plan existierte lediglich, um die Rechtsradikalen seiner Regierung zusammenzuhalten und auch in der Bevölkerung dem blöd-extremistischen Rand eine Heimat zu geben.
Im Leben hätte Netanyahu niemals Jerusalem genommen – weil ihm völlig klar ist, was das bedeutet.

Für ihn selbst bedeutet das einen radikalen Rückgang in seinen Schmiergeldern. Für Israel bedeutet das größerformatige und langanhaltende Kriege, Zerstörung, Tod und Angst.

Beinahe ist es völlig unnötig zu erwähnen, dass sämtliche Palästinenser in Harnisch geraten und demzufolge ein höchst bedenklicher Schritt viel tiefer hinein in den Radikalismus bereits jetzt vollzogen wird. Man wird momentan in vielen kleinen Werkstätten die Produktion von Raketen intensivieren. Aber die Palästinenser sind nicht das Problem.

Muqtada al-Sadr, Chef der bedeutenden Shia-Bewegung im Irak und mit viel Macht ausgestattet, spricht bereits wortwörtlich von einer "Kriegserklärung" und es muss mit größter Sicherheit davon ausgegangen werden, dass sich weit über das Westjordanland und den Gaza-Streifen tausende von (radikalisierten und "normalen") Muslimen gegen Israel stellen – mit einer jeweils mehr oder weniger gewalttätigen Agenda.

Al-Sadr repräsentiert Millionen von Muslimen und zusammen mit dem Iran betrachtet er die Absicht Trumps selbstverständlich als hochwillkommene Steilvorlage. Denn soviel sagt Trump nämlich auch in die Welt: macht euren Quatsch allein.
Inwieweit sich die USA militärisch großformatig vor Israel stellt und noch viel chaotischeren als die syrischen Schlachtfeldern eigene Soldaten opfern würde, ist höchst zweifelhaft. Unter keinen Umständen wird es in diesen erschöpfenden und auszehrenden Kriegen gegen Israel um weniger als sein nacktes Überleben gehen.

Was nutzt Israel da schon sein Atomwaffenarsenal? Nichts.
Denn all diese Angriffe, in Form von Nadelstichen, Kommandounternehmungen und offenen Schlachtfeldern werden sich zwingend in Israel selbst und seiner unmittelbaren Nachbarschaft ereignen. Da eine Atomwaffe zu zünden hieße, mit eigenen Händen hunderttausenden von Israelis den Tod zu bringen.

In jedem Fall wird Israel, wenn es seinen jetzigen Kurs weiterfahren will, noch sehr viel größere Teile seines Bruttosozialprodukts in die Rüstung und Armee stecken müssen. Das Thema Grenzsicherung etwa kann nicht mehr in beispielsweise ägyptische Hände gelegt werden, schon weil der dortige Diktator selbst um sein eigenes, politisches Überleben kämpft und der Welle der heißen Wut, die sich unter den ägyptischen Muslimen beim israelischen Griff nach Jerusalem bilden wird, nicht standhalten können. In diesem Augenblick erwägt Saudi-Arabien bereits, den Diktator zu entmachten; ein neuer Name steht schon auf dem saudischen Zettel.

Netanyahu weiß, dass seine Zeit vermutlich jetzt gekommen sein wird. Auch wenn er sein Image in Israel durch die vielfältigen Gerichtsverfahren und Ermittlungen wegen Bestechlichkeit etwa (noch) nicht gefährdet sieht, kann er das US-amerikanische "Geschenk Jerusalem" nicht ausschlagen und er weiß, dass er damit einen vergifteten Happen schluckt.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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