Industrielle Menschenvernichtung als „Spaß“. Aha.

Es gibt im Internet sehr viele Formate und Angebote, die zumindest indirekt ein konsequentes Fortschreiten allgemeiner Verblödung zum Ziel haben. Die Idee, dass dumme Konsumenten unkritisch und für Anbieter höchst bequem nichts als Entertainment nachfragen und damit auch bizarre politische Aussagen transportieren, ist erstens nicht neu, zweitens deshalb nicht überraschend und drittens nicht besorgniserregender als vor zwanzig Jahren etwa, als das Internet selbst kaum eine Rolle spielte.
Da versorgte längst schon die „BILD“ mit ihren halbwegs oder gern auch vollständig zusammengefälschten Nachrichten einen wesentlichen Teil der deutschen Bevölkerungen mit großformatigen Artikeln fragwürdiger Substanz.

Die Bemühungen dieser „Informations“-Anbieter, denen aus Überzeugung keine einzige deutsche Bundesregierung jemals etwas entgegengesetzt hat, tragen Früchte. Große Teile der Internetuser sind tatsächlich grundlegend verblödet. Nur so kann erklärt werden, dass dumme Jungs mit kreischendem YouTube-Angebot Furore machen, großen Erfolg haben und zum Teil viele Millionen Klicks für ihre bizarren Beiträge erhalten.
Einer dieser sehr dummen Jungs nennt sich „PewDiePie“, heißt im wirklichen Leben Felix Kjellberg und tritt ganz gern schon mal in braunen Uniformen vor die Kamera und wie ich lese, weisen zumindest neun seiner YouTube-Videos knallharte Nazi-Elemente auf.

(Zitat: DIE ZEIT)

Er habe lediglich zeigen wollen, wie „verrückt die moderne Welt“ sei. In keiner Weise unterstütze er „irgendwelche hasserfüllten Einstellungen“ und er sei davon überzeugt, dass sein Publikum von ihm keine politischen Kommentare erwartet, sondern bloß Unterhaltung. Er verstehe aber, „dass die Witze anstößig waren.“

Kjellberg ist meiner Meinung nach damit kein geringerer Idiot als Böhmermann, der ebenfalls nur unter dem Schutz weltweiter Empörungshaltung gegen Erdogan ein wenig mitverdienen wollte und deshalb davon überzeugt war, dass seine geschmack- wie stillose Schreierei ungestraft bleiben und ihm noch mehr Aufmerksamkeit und grinsendes Schulterklopfen eintragen würde. Böhmermann ging es wie Kjellberg überhaupt nicht um die Sache, sondern nur um die noch etwas schrillere Schreierei, um das Quentchen Aufmerksamkeit mehr, um ein lachend gemurmeltes: „Na, der traut sich was.“
Böhmermann hat sich verhalten wie ein kleines, dickes Kind, das im Schutz der großen Brüder auch mal was Unanständiges, was Böses tun wollte und sich nicht vorstellen konnte, dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden – Kjellberg ist ganz einfach nur ein blöder Idiot, der seine eigenen, rechtsradikalen Geschmacklosigkeiten selbst auf Nachfrage zu „bloßer Unterhaltung“ degradiert. Vor solchen Leuten pflege ich auszuspucken, ich verachte sie zutiefst.

Wobei Böhmermann wenigstens noch den Vorteil Kjellberg gegenüber hat, dass er sich an jemandem vergriffen hat, der sich wehren kann. Kjellberg weidet nur eine Symbolik für sich aus, die Aufmerksamkeit und Klicks garantiert – um den Effekt, der dieser Aufmerksamkeit folgt, der aus der Verletztheit von Nazi-Opfern und der Bestätigung sonstiger Rechtsextremen besteht, schert er sich nicht.

Diese allgemeine Verblödung und Unempfindlichkeit, die nichts anderes als ausschließlich nur das eigene Wohlbefinden im Fokus und sonst keine anderen Sorgen hat, grassiert gerade in den jüngeren Generationen. Nachhaltiger Hirnschwund, mangelhafte (Aus-) Bildung, völlig abwesendes Interesse an Staat und Politik neben dem einzigen, nachhaltig verfolgten Interesse an qualitativ wie quantitativ maximierten Konsum machen diese Generation größtenteils zu gesellschaftlich wertloser Masse und zu willfährigen Opfern aller erdenklichen Einblasungen, da ihnen mehrheitlich alle erforderlichen, intellektuellen Qualitäten fehlen, die eine gewisse Immunisierung dagegen herstellen könnten. Willfährige Idioten, Polit-Zombies wie der YouTuber „JuliansBlog“, dem als Kommentar auf die Streikaktivitäten der GdL schon mal einfällt zu publizieren, man solle „die Mistviecher vergasen“. Der wird in seiner grenzenlosen Retardierung nicht schlecht gestaunt haben, als er deshalb wegen Volksverhetzung plötzlich verurteilt wurde.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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