Israel – der Wahnsinn muss in einen Krieg münden!

Es wird schwierig für Israel und es wird eng. Kurzsichtige werden sich vorübergehend noch über die unerwarteten Geschenke aus den USA freuen, die Jerusalem zu einer israelischen Hauptstadt, Palästinenser entrechten und Siedlungen demnächst ausbauen könnten.

Benjamin Netanyahu weiß das und hat die für ihn höchst unangenehme Aufgabe, die Folgen seiner politischen Haltung nun selbst einzugrenzen – um nach Möglichkeit nicht tun zu müssen, was er vorgeblich seit Jahren zu erreichen versucht. Eine bizarre, groteske und vor allem für Israel ganz extrem gefährliche Situation.

Netanyahu weiß, dass er unter keinen Umständen auch nur die US-Botschaft nach Jerusalem umziehen lassen darf. Ihm ist vollkommen klar, dass dies die höchst fragile Waffenruhe zwischen ganz Arabien und Israel schwer erschüttern wird. Viele der Despoten in den Golfstaaten müssen aufgrund mehrerer Faktoren um ihre Zukunft fürchten: das Öl beginnt zu versiegen, der Spaß aus seiner Förderung wird geringer und in den Köpfen der Menschen beginnen die Eisenklammern aufzusprengen, die ein lautes Nachdenken über Israel bisher mithilfe der rohen Gewalt ihrer Regierungen verhindern konnten. Schon 2011 hat sich die Welt allgemein und die ganze Nahostregion im Speziellen schwer darüber erschrocken, welche Menschenmassen sich nach dem Fortjagen von Hosni Mubarak in Ägypten durch Kairos Straßen gewälzt, die Aufgabe des ungeliebten Friedensvertrags mit Israel und Feindschaft gegen Netanyahu gefordert hatten. Es kam auch zu feindseligen Übergriffen auf die israelische Botschaft. Unter anderem auch deswegen goutierte der Westen den Militärputsch und lebt pragmatisch gut mit dem folternden, schießenden und politisch wie wirtschaftlich total versagenden Diktator al-Sisi.
Und wieder sind es die Kurzsichtigen, die den Schwelbrand nicht registrieren, der knapp unter der Oberfläche in ganz Arabien zu immer mehr Hass und Feindseligkeit Israel gegenüber führt – und dessen offenen Ausbruch wohl keiner der Despoten am Golf überleben könnte.

Der Westen verhält sich wie ein Fensterputzer, der am fünfzehnten Stock aus seiner Gondel fällt und sich beim Erreichen der zweiten Etage auf seinem Flug mit der Erkenntnis beruhigt: „Na. Bisher ist doch alles gut gegangen.“

Der Aufschlag wird hart werden – und wenn die ganze Welt Glück hat, dann reduziert sich die Gefahr auf ein paar hunderttausend Tote, die aus dieser Ignoranz entstehen können.
Und genau das ist Netanyahus größte Not: er ist ein Dackel und hat sich vor den Kameras der Welt und den Rechtsradikalen in seiner Regierung als Deutsche Dogge verkauft. Jahrelang hat er gebellt, dass er irgendwann dem Rottweiler aus der Nachbarschaft den Knochen Palästina einfach wegnehmen wolle – und nun schubst man ihn an die Gartentüre des Rottweilers und sagt: „Jetzt geh und tu einfach, was Du schon immer wolltest: bring den Rotti um und hol dir jetzt den Knochen.“

Der Rotti ist nicht allein. Dutzende von arabischen Staaten leben in Unruhe und ihre Mühe, den Gärvorgang der Wut auf den Westen und Israel zu ersticken, zeigt immer weniger Erfolg.

Aus dieser Angst heraus, in einen ungewollten und vernichtenden Krieg hineinzuschlittern, der tatsächlich „von der Straße aus“ initiiert und von der Drohung, andernfalls die Regierenden hinwegfegen zu wollen flankiert ist, haben etliche Golfherrscher im letzten Jahr beinahe verzweifelt ein Geheimtreffen in Jordanien arrangiert. Dabei anwesend waren der US-Außenminister John Kerry, der Gastgeber Jordanien, der für einige seiner Nachbarn sprach, der ägyptische Diktator und Benjamin Netanyahu. Arabien machte Netanyahu hierbei sehr weitreichende Zugeständnisse; so wollte man zum Preis des Siedlungsstops bzw. der Aufgabe von Siedlungen Israel zähneknirschend als „jüdischen Staat“ anerkennen. Mit im Angebot war die Anerkennung Jerusalems als „gemeinsame Hauptstadt von Israel und Palästina“, was der UN-Gründungscharta zu Israel klar widerspricht, denn dort ist explizit geregelt, dass niemand Jerusalem als Hauptstadt in Anspruch nehmen darf. Dieser ursprünglich arabische Vorstoß, den Kerry seinerseits nicht ersonnen, sondern nur übernommen hatte, wurde von Netanyahu ebenso brüsk zurückgewiesen wie jedes andere Angebot auch. All die Angebote aus Arabien hatten eine endgültige Friedenssituation zum Ziel und zum Preis des Friedens wären die Menschen Arabiens vermutlich willens, wenn auch mit einer Faust in der Tasche, hinter die UN-Charta zurückzufallen.

Faszinierenderweise hatte sich Netanyahu bei diesem Geheimtreffen am 20. Februar 2016 verplappert: er gab zu, persönlich nicht in der Lage zu sein, seiner eigenen, radikalen Regierung diese Vorschläge zu unterbreiten – und da sah man ihn wieder, den zur Dogge getarnten Dackel.
Netanyahu mauerte bei diesem Treffen und gestand gar nichts, überhaupt nichts zu, was den Kurs Israels irgendwie zugunsten eines Friedens relativieren, weicher machen könnte. Insider und Begleiter dieser Unterredung stellten ernüchtert fest, dass Netanyahu gar nichts bedachte oder erwog, sondern ausschließlich nur Bereitschaft zu einem weiteren der völlig unnützen und sinnlosen Treffen mit Mahmoud Abbas zeigte. Wohl fast weinerlich zeigte er damit den vermutlich recht erschütterten Unterhändlern, wie machtlos er im Grunde ist und das ihm gar nichts gelingen kann, was den Fantasien der Extremisten in seiner Regierung nicht schmeckt.

Netanyahu bewies damit, dass er tatsächlich vollkommen unfähig ist, eine große, vielleicht sogar sehr große und breit vernichtende Auseinandersetzung selbst dann zu vermeiden, wenn er selbst ganz gegenteiliger Meinung und Absicht ist. Er KANN nicht. Er MUSS diesen allumfassenden Krieg und die vollendete Destabilisierung der gesamten Region nebst Israel selbst hinnehmen und führen. Er wird als „Held“ wider Willen auf seinem Weg von seinen Anhängern nach vorn gestoßen. Fast muss man das als tragisch betrachten; wenn erst der letzte Schuss im bevorstehenden Krieg gefallen und die letzte Rakete eingeschlagen sein wird, wird man diese Tragik über den offenen Gräbern erkennen und beweinen.

Advertisements

Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
Dieser Beitrag wurde unter Aegypten, Angst, Ägypten, Öl, Diktator, Diktatur, Extremismus, Faschismus, Frieden, Gaza, Geschichte, Gesellschaft, Intifada, Israel, Kairo, Krieg, Kultur, Leben, Militär, Militärputsch, Naher Osten, Netanyahu, Politik, Rassismus, Rüstung, Rüstungsexporte, Rechtsradikalismus, Terror, Waffen, Waffenexporte, Westbank, Westjordanland abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.