Israel – eine Reise nach Palästina ist eine Reise nach Israel?

(Eingangs muss ich noch einmal explizit darauf aufmerksam machen: Gemäß § 7 AWV ist ein Aufruf zu einem Boykott in Deutschland verboten; das Folgende stellt keinen Aufruf zu einem Boykott dar. Ich veröffentliche lediglich meine persönliche Meinung und die Begründung für den Verzicht, beim nachfolgend genannten Anbieter eine Reise zu buchen)

Es dreht sich um den Reise- und Hotelanbieter booking.com..

Dieser Anbieter dient über seine Website das Hotel „Kalia Kibbutz Hotel“ zur Buchung an, das in Kalia liegt. Kalia ist ein Ort ganz in der Nähe des Toten Meeres:

Man sieht auf dem Kartenausschnitt sehr schön, dass sich Kalia weit außerhalb der gestrichelten Linie am linken Bildausschnitt befindet, der Israel einschließt. Somit haben Kalia und das angepriesene Hotel nichts mit Israel zu tun.

Dennoch bietet booking.com das Hotel mit folgenden Angaben zur Buchung an:

Das ist meiner persönlichen Meinung nach arglistige Täuschung. Der Text setzt beim Buchenden ein detailliertes und tieferes Wissen um die Wendung „israelische Siedlung“ voraus; der Text suggeriert dem Nichtinsider, dass er ein israelisches Hotel in Israel buchen würde.
Wenn ich einem Chinesen sage, ich lebte etwa in „einer französischen Siedlung“, dann würde er sich tatsächlich arglistig getäuscht sehen, wenn ich in Französisch Guyana wohnen würde – wo sich bekanntermaßen tatsächlich französische Ansiedlungen befinden. Dabei wäre der Rechtsstatus von Französisch Guyana noch unstrittig und ich wäre faktisch im Recht. Wenn auch ein Idiot – denn soetwas gehört sich natürlich nicht.

booking.com hält jedoch die Vision aufrecht und setzt auf die Täuschung seiner Kunden.

Booking.com klärt den Besucher seiner Website und potenziellen Kunden keineswegs über den problematischen Charakter der Lage des angebotenen Hotels auf. Das Unternehmen erwähnt noch weitere zwei Mal (!), dass sich das Hotel in einer „Israeli settlement“ befände – ohne den international schwer kritisierten Status dieser illegalen Siedlungen darzulegen. Zwischenzeitlich nennt die EU die Siedlungen im Westjordanland gar ganz offen „illegal“. Somit setzt das Unternehmen seine Kunden letztlich sogar der Gefahr aus, an Ort und Stelle möglicherweise von den latenten Unruhen und beinahe kriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen den rechtmäßigen Eigentümern und den israelischen Okkupatoren hineingezogen zu werden.

Das sieht im Übrigen auch die EU so:

Als niederländisches Unternehmen ist booking.com an die Regeln der EU gebunden, das Unternehmen bricht sie jedoch.
Im November 2015 formulierte die EU unzweifelhaft, dass sie keine israelische Herrschaft über das Westjordanland akzeptiert oder zur Kenntnis nimmt und somit die illegalen Siedlungen auch nicht als Teil Israels anerkennt. Europäische Unternehmen sind gehalten, ihre Kunden genau über den Ursprung der angebotenen Waren und Dienstleistungen zu informieren und unter allen Umständen zu vermeiden, dass der Kunde über den wahren Ursprung der Güter und Dienstleistungen getäuscht werden könnte. Das aber tut booking.com nicht.

Es müssen wohl sehr handfeste Vorteile für booking.com dabei herausspringen, wenn das Unternehmen in dieser Art agiert. Für gewöhnlich scheuen Anbieter Risiken oder gar unangenehme, öffentliche wie offizielle Diskusssionen dieser Art – booking.com jedenfalls verteidigt seine Haltung mit zweifelhaften Mitteln. Schon vor zwei Jahren wies booking.com jede Verantwortung für sein Handeln mit der Bemerkung zurück, es sei nicht an ihnen, internationale Gesetze, Wahrnehmungen oder sonstiges zu beurteilen. Ich will hier nicht von einer Schmiergeld- oder Manipulationsaffäre bzw. -Verschwörung fabulieren, es müssen aber tatsächlich schon sehr handfeste Vorteile sein, die booking.com genießt.

Jeff Handmaker, Professor für Recht an der Erasmusuniversität von Den Haag, sieht das anders. Er verweist klar auf die Verantwortung von Unternehmen, internationales Recht zu beachten und wirft Unternehmen wie booking.com gar vor, israelische Kriegsverbrechen so zu erleichtern.

Natürlich würde mich das Tote Meer ebenso wie Palästina bzw. das Westjordanland interessieren – auch wenn ich aus Sicherheitserwägungen heraus in den nächsten Jahren definitiv eine solche Reise nicht antreten werde. Ich weiß aber nun, dass ich booking.com auf Nachfrage nicht empfehlen und selbst als Kunde vermeiden würde.

Ich mag keine Anbieter, die sich nach meiner Meinung arglistiger Täuschung im Auftrag anderer schuldig gemacht haben, weil sie sich Vorteile dadurch erschleichen, die ich nicht kenne. Wohl, weil ich sie nicht kennen soll.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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