So unterdrückt unsere „freie“ Presse den Islam

So furchtbar Erstaunliches ist eigentlich zunächst gar nicht passiert:

ibn Ali Miller, 26 Jahre alt, trifft in Atlantic City im amerikanischen New Jersey auf zwei 15-jährige Jungs, die sich gerade für eine Schlägerei fertig machen. Erste Hiebe flogen bereits, eine johlende Zuschauermenge applaudiert und zückt Smartphones zum Mitfilmen.

Miller steuerte auf die beiden zu, redete den beiden ins Gewissen und brachte sie tatsächlich dazu, die Schlägerei zu beenden und sich zum Schluss sogar versöhnlich die Hand zu geben.

Irgendjemand hat das gefilmt, hochgeladen und wie in den USA üblich, gingen die Klicks durch die Decke. Durch den Hype wurde die Presse aufmerksam und berichtete. Man muss aber feststellen, wie armselig diese Berichterstattung ausgefallen ist und dass man gerade daran gut erkennen kann, wie verrenkt und falsch unsere Presse immer dann arbeitet, wenn Islam ins Spiel kommt.

Miller wurde anschließend nämlich identifiziert und interviewt. Er staunte über den Hype und sagte, dass er als Muslim nur auf dem Boden des Islams reagiert habe, in dessen Geist er erzogen worden sei. Das echte Interview ist auf folgender Seite beschrieben:

http://www.middleeasteye.net/news/us-man-who-gained-fame-stopping-fight-cites-muslim-faith-1802959159

Er empfäde sich selbst überhaupt nicht als „Friedensstifter“ und was er getan habe, sei nichts weiter als Islam. Nicht mehr, nicht weniger. Er sei nur eingeschritten, weil es halt in diesem Moment notwendig war und die beiden hätten nicht wie gefährliche Raubtiere auf ihn gewirkt, sondern ihn an seine eigenen Kinder erinnert.

Ich kenne das und verstehe Miller aus eigenem Erleben heraus. Ich habe genau solche Situationen erlebt, in denen sich sehr viele Muslime, die weder mit einem in ihrer Nähe entstehenden Streit, noch mit den Streitenden selbst etwas zu tun hatten, eingeschaltet haben. Das kennt man in Europa nicht; in dieser Gesellschaft ist es normal, jemandem dabei begeistert zuzuschauen, der soeben zusammengeschlagen, geschubst, mit Waffen angegriffen oder beleidigt wird.

Unsere Presese , namentlich die „ZEIT“, greift die Meldung aus den USA auf und verstümmelt sie. In diesem Artikel ist weder ein Muslim, noch der Islam zu finden – diese Begleitaspekte wurden ganz einfach “ vergessen“ und damit ist der gesamte Fall förmlich kastriert und zu einem Zerrbild, ja geradezu zu einer Fake-Nachricht gemacht worden.

Man überzeuge sich selbst und lese die verrenkte „ZEIT“-Meldung:

http://ze.tt/inspirierende-botschaft-wie-dieser-mann-einen-strassenkampf-beendete/?utm_campaign=zonparkett&utm_medium=parkett&utm_source=zon

Wenn man nun eine derart hervorragend beleumundete Redaktion der “ ZEIT“ beurteilen will, muss man ihre Arbeit an einem solchen publizistischen Totalversager festmachen. Es wäre grundlegend falsch, lediglich den „Journalisten“ Till Eckert für diese höchst fragwürdige Fehlleistung verantwortlich zu machen – denn wenn die „ZEIT“ ein zumindest befriedigendes Qualitätsmanagement hat, dann gibt der Artikel Einblick in die Denkens- und Arbeitsweise dieser Zeitung. Der Islam wurde wegredigiert, weil eine an sich positive Meldung im Westen ohne jeden Islambezug besser verkäuflich ist. Islam wird seit vielen Jahren von der Presse unappetitlich gemacht und nun nimmt die Abwärtsbewegung für Muslime Fahrt auf, weil sich die Presse im selbst begründeten Trend gefangen sieht und nicht (mehr) positiv über Muslime und Islam berichten kann, weil sie sie selbst vorher herabgewürdigt haben.

Der „Journalist“ (so bezeichnet er sich wohl selbst) Eckert ist ein Wiedergänger seiner Kollegen aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, die ebenfalls nur „vergessen“ hatten zu berichten, wieviel kulturelle, künstlerische, gesellschaftliche und philosophische Werte Juden nach Europa gebracht hatten, von denen hier alle Bürger jahrhundertelang profitiert hatten. Auf einmal wussten Eckerts Kollegen auch nichts mehr Positives von Juden zu berichten – und wenn ein Jude eine herausragende Leistung ablieferte, dann wurde sein Glaube in der Berichterstattung natürlich auch „vergessen“.

Man würde die “ ZEIT“ nur wenig zu kritisieren haben, wenn die ganze Ursache der Meldung als solche nicht ausschließlich nur auf den Islam Millers zurückzuführen wäre, was sie jedoch ist. So wird aus der Möglichkeit, einen Randaspekt tatsächlich nur „übersehen“ oder eben „vergessen“ haben zu wollen, ein sehr bewusster, absichtsvoller Akt der Unterdrückung der Wahrheit, ein massiver Akt der Manipulation. Aber damit reiht sich auch die „ZEIT“ nur in die Phalanx der Presseorgane ein, die mit diesem Trend Angst erzeugen und daran verdienen wollen.

Aber, wie bereits gesagt, Muslime haben in Europa durch die „freie“ und „objektive“ Presse Europas keine faire oder wenigstens nur faktengestützte Berichterstattung zu erwarten. Ein höchst renommiertes Magazin wie die „ZEIT“ verfälscht sogar eine verzichtbare Meldung dessen, was Miller getan hatte. Hier wurde keine Rede eines Muslimen vor der UN gefälscht, kein Attentat als „flase Flagg“-Aktion Muslimen fälschlicherweise zur Last gelegt. Nein, hier war einfach nur ein herzlich unwichtiger, unbekannter Muslim auf einer US-Straße seinem Glauben gefolgt -und selbst das muss unterdrückt, verschwiegen werden. Das ist erbärmlich.

Was Miller getan hatte, ist tatsächlich nichts anderes als das, was gute Muslime (nicht nur untereinander) gewohnheitsmäßig tun – und ich verstehe Millers Erstaunen über die globale Pressewirkung des Vorfalls sehr gut. Die Vorfälle, die ich selbst in Tunesien und Ägypten beobachtet hatte, verliefen alle in einer solchen Form – der einzige Unterschied liegt nur darin, dass sich eigentlich alle Umstehenden beinahe synchron so verhalten haben, so dass aus der Streitereien von zwei Leuten plötzlich eine große Angelegenheit wurde, weil etliche Leute begütigend auf die Streitenden einwirkten. Und sobald die Angelegenheit erledigt, der Streit geschlichtet und sich die Streithähne die Hand gegeben haben, laufen üblicherweise alle wieder auseinander und widmen sich ihrer Geschäfte. Dafür gibt es keine Presse, weil es so selbstverständlich ist, so zu agieren. Und jeder einzelne Beteiligte wäre von dem anschließenden Hype ähnlich belästigt wie Miller und ebenfalls jeder würde immer auf Befragen erstaunt aussagen, dass sein Glaube dies von ihm verlange.

Aber das soll Europa nicht denken. Europa braucht neue Juden, die es „Brunnenvergifter“ nennen und dafür verbrennen kann. Damals ging es um das Geld, das die Fürsten von den erschlagenen Juden geraubt hatten und heute geht es um die Stigmatisierung von Muslimen, weil man die Ölquellen in ihren Ursprungsländern von ihren Eigentümern freischießen will. Und dazu braucht es eben Soldaten, die nichts Gutes von Muslimen und dem Islam erwarten sollen.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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