Das geht uns alle an: Wahljahr 2017

Beginnen wir mit einem Zitat. Ich entlehne den nachfolgenden Geistesblitz dem Repertoire von Johann Wolfgang von Goethe, den ich tatsächlich für einen der größten Deutschen halte, die je gelebt haben. Er war eine Zierde für dieses Land; die besten, hier kultivierten Disziplinen und Vorzüge versammelte er auf sich. Deutschland war einmal mit einer großen Anzahl hitzköpfiger Genies nicht nur das Parade-, sondern geradezu das Zugpferd der Aufklärung. Hier wurde da weitergedacht, wo die Grenze der Bequemlichkeit überschritten wurde. Hier wurde im Dienst der Kultur, des Wissens erkannt, erforscht, durchlitten und entwickelt.

Kaum ein weiterentwickelter Gedanke, der seinen Ursprung nicht in Deutschland hatte. Viele Ansätze wurden hier geschaffen, von der Atomkraft über die Raumfahrt bis in die Dichtung und Philosophie haben in diesem Land hervorragende Leistungen stattgefunden – und Johann Wolfgang von Goethe wurde von diesem Geist angetrieben.

Er sagte:

Alles Große und Gescheite
existiert nur in der Minorität.

Das müssen wir gründlich und daher langsam verstehen: Goethe sagt uns damit, dass jemand, der die Stufen der Erkenntnis hochsteigt, auf seinem Weg immer einsamer wird. Exzellenz entsteht nicht in der Gosse von Mehrheiten, man kann sich zu ihr nur durch Arbeit, Disziplin und eisernem Willen hocharbeiten. Wer diesen Weg wählt, der wählt den Verzicht, die Unbequemlichkeit, die Arbeit und die Sorgen – und wird an seinem Ziel (wenn er es je erreicht!) nur wenige finden, die gleich ihm in sich und ihre Zeit investiert haben.

Wieviel Wahrheit in diesem Satz liegt, beweist uns unsere „Demokratie“, die sich in den letzten etwa zwanzig Jahren durch die Ignoranz der Straße und der Dummköpfe selbst demontiert.

Vielleicht war das auch alles ein wenig zuviel verlangt … wer weiß das schon. Jedenfalls spricht die Wahlbeteiligung der letzten Jahre eine eindeutige Sprache und nach der ist es den Menschen zunehmend gleichgültig, wer sie wie regiert, solange sie sich in ihrem Streben nach Konsumgütern und Entertainment nicht gestört fühlen.
Unsere Regierung hat sich aufrichtig bemüht, jedwede Schulbildung qualitativ auf ein so tiefes Level niederzulegen, dass es kaum noch Meinungen und Überzeugungen gibt, die ernst genommen werden könnten. Auf den Straßen wird zunehmend nur noch blödes Geheule und Geschreie laut und alle Qualitäten und Disziplinen, die dies Land früher einmal gekennzeichnet haben, verkehren sich ins Gegenteil und zeigen uns nur noch blöden Mob.

Die Halbwertzeit des letzten, verlorenen Krieges ist offensichtlich abgelaufen und Rechtsradikalismus ist wieder salonfähig. Bisher hat die Bundesregierung durch verbissenes Wegschauen und extrem vorsichtige „Kommentare“ das Anwachsen dieser Strömung nach Kräften gefördert. Für sie ging es darum, eine gute Portion Islamophobie und Herrenmenschen-Denke wieder zu beleben. Denn nur ein derart verdummtes Volk lässt sich in seiner Soldatenuniform einreden, es ginge angeblich um etwas ganz anderes als ums Öl, wenn man sie zum Schießen und Sterben ins Ausland schickt.
Deshalb waren auffällig viele Akten plötzlich „verschwunden“, Zeugen „konnten sich nicht mehr erinnern“ und ein Kriminaler befand sich „zufällig“ während einer der Hinrichtungen vom NSU vor Ort, will aber „nichts mitbekommen“ haben, obschon er nachweislich kaum 2 Meter vom gefallenen Schuss entfernt gewesen war. Solange es gegen Muslime speziell und Migranten allgemein ging, hielt die Regierung liebevoll den Mantel des Schweigens über ihre eigenen Organe.

Die deutsche Bevölkerung hat gegen ihre intellektuelle Tieferlegung nicht den geringsten Widerstand geleistet. Da sie sich ohne jede Gegenwehr in die Position der Verlierer hat manövrieren und tatenlos dabei zugesehen hat, wie sich die Eliten immer unverschämter auf ihre Kosten bereichert hatte, fehlt ihr heute nun auch Energie und Zeit, sich parallel zu gleich mehreren Jobs auch noch um Einzelheiten der Politik kümmern zu sollen.
Der Zug ist abgefahren – und rast unkontrolliert talwärts.
Für die, die immer schon viel hatten und gewissenlos genug waren, immer mehr Mittel für sich anzuhäufen, sind rosige Zeiten angebrochen. Die Bundesregierung unter Angela Merkel hat sich die „Nöte“ der Wirtschaft mit der stereotyp abgespulten Lüge, unsere Gehälter und unsere Arbeitsplatzsicherheit sei angeblich daran schuld, dass Deutschland wirtschaftlich niederginge, zueigen gemacht.
Ganz Europa hat sich unterdessen köstlich über die Verblödung der Deutschen amüsiert, die sich wehrlos einfach untergeordnet und die Lügen geglaubt haben.

Der Wirtschaft ist es nie schlecht gegangen; ihr Geheule bezog sich in all den Jahren nur auf den Umstand, dass einige wenige Manager statt fünf plötzlich nur noch vier Millionen Euro Bonuszahlungen neben ihren „Aufwandsentschädigungen“, die monatlich erfolgten und ihrerseits ein Dutzendfaches eines durchschnittlichen Arbeitergehalts betragen, erhalten haben.

Der durchschnittliche, doofe Deutsche, der kaum den Namen seines Landesinnenministers weiß und Politik für „langweilig“ hält, taucht nicht zu Unrecht seit Generationen mit aufgesetzter Schlafmütze in internationalen Cartoons auf.
Von einer wirkungsfähigen Demokratie in Deutschland, die mehr ist als ein Pappkamerad vor dem Bundeskanzleramt, kann seit Jahrzehnten keine Rede mehr sein. Wohl nur hierzulande findet man ein Stimm- bzw. Wahlrecht langweilig und nervend, weshalb sich weit mehr als nur jeder vierte Wahlberechtigte viel lieber irgendeiner blöden Kurzweil hingibt als ein Wahllokal aufzusuchen.

Und von denen, die tatsächlich noch wählen gehen, rekrutieren sich nennenswerte Anteile aus Gewinnlern, die selbst in die Politik wollen oder damit verbandelt sind, Radikale, die traditionell ein hohes Aktivierungspotenzial haben und solche, die sich erst fünf Minuten vor dem Betreten der Wahlkabine verzweifelt versuchen zu entscheiden.
Der Anteil der Wähler, die tatsächlich aufgrund ihres gesellschaftlichen Auftrags, aus eigenem Antrieb und ohne persönlichen Vorteil informiert und entschieden zur Wahl gehen, dürfte realistisch betrachtet bei etwa 50 Prozent aller Wahlberechtigten liegen.
Das ist natürlich für eine Demokratie nicht tragbar.
Wenn solche Wahlergebnisse dennoch anerkannt und gelebt werden, spricht das für den erklärten Willen der Politik, an diesen Phänomenen nichts ändern zu wollen. Denn soviel ist sicher: nur ein dummer Wähler ist mit bunten Kulis, einigen Lügen, bunten Fotos und ohne Sachargumente gewinnbar – und diesen Vorteil will sich niemand entgehen lassen. Keine politische Strömung hat ein Interesse daran, plötzlich einen kritischen, aufgewachten und somit gefährlichen Wähler vor sich zu haben.

Die Polit-Homunculi wie Cem Özdemir etwa sind Machtmenschen aus der Retorte; sie üben vor dem Spiegel ein paar markige Sätze und entschiedene Gesichtsausdrücke und nennen sich dann „Realos“, was soviel heißen soll wie: „Ich bin vollkommen beliebig und keine Philosophie grenzt mich ein. Ich kann und darf mich den Regierenden, Habenden und Mächtigen so dicht nähern wie ich will. Und solange niemand belastbare, verlässliche Positionen bei mir findet, bin ich eben ‚realistisch‘, das heißt opportunistisch bis zur Unkenntlichkeit. Das dient der Macht und dem Verdienst!“
Figuren wie Özdemir und Althofer haben die GRÜNEN bis hinunter zur Lachnummer heruntergerissen; sie redeten dem unseligen Afghanistankrieg unter dem Herunterbeten der gleichen Lügen das Wort wie ihre Sponsoren von der damaligen „S“PD und der heutigen „C“DU. Nur noch klebengebliebene Althippies glauben der GRÜNEN-Spitze grüne Positionen.

Eine „C“DU, deren „C“ ich absichtsvoll in Anführungszeichen setze, weil sie ihren vorgeschobenen, christlichen Bezug selbst mit Füßen tritt. Jesus hat nach meinem Wissen nie gesagt: „Du darfst nicht töten – es sei denn, Du verdienst daran!“ und Jesus soll doch einem Soldaten, der ihn verhaftete, ein von seinem Jünger abgeschlagenes Ohr wieder angesetzt und nicht nach guter, alter „C“DU-Tradition einen Messerstich in den Bauch nachgesetzt haben. Hier gibt es zwei Ideen: entweder IST die „C“DU tatsächlich christlich, dann möchte ich nichts mehr mit Christen zu schaffen haben, oder sie ist es nicht, dann möchte ich mit ihren Wählern nichts mehr zu schaffen haben – weil mir soetwas Angst macht.
Die Seidenanzugs-„S“PD ist um nichts besser. Ein „Sozial“-Demokrat, der eine Rede für 25.000 Euro hält und nicht realisiert, dass dies dem Jahresverdienst einer Putzfrau darstellt, steht für eine gänzlich auf das Geld konzentrierte (Macht-) Politik. Und dort hat man mit „sozialen“ Ideen ungefähr soviel zu tun wie ein Fuchs mit Kaninchenschutz.

Das könnte endlos so weiter gehen.

Das Versagen ist hier weniger der Politik, als dem Wähler anzulasten; er kann sich auch über mangelnde Bildung deshalb nicht beklagen, weil er sie kraft eigenen Willens für sich selbst überall organisieren kann. Seien es VHS-Kurse, sei es eine Abendschule, vielleicht müsste der Wähler dann auf einen Kegelabend verzichten oder einmal weniger auf den Fußballplatz gehen – aber genau darin liegt das Problem: das will er nicht.
Und weil er das nicht will, höhlt er selbst die Demokratie aus und wirft den Mächtigen immer mehr Macht über sich vor die Füße. Er akzeptiert klaglos, mit Lügen, Halbwahrheiten und geschönten wie verbogenen Statistiken abgespeist und auf einen falschen Kurs gelockt zu werden. Dafür frequentiert er nach wie vor die „BILD“ und ähnlich schlechte „Zeitungen“, für die man soviel gutes Papier eigentlich nicht beschmutzen sollte. Aber dort bekommt der Wähler fix und fertig vorgesetzt, was er glauben soll und dann für „Wissen“ hält – und er kauft es, im direkten wie übertragenen Wortessinn.

Tatsächlich ist keine einzige (!) Partei wirklich wählbar!
Ich traue keiner einzigen Partei vor, dies Land zurück auf den Weg einer Demokratie zu bringen, eine informierte Wählerschaft mit Engagement zu erzeugen oder das Land verantwortungsvoll in eine langfristig angelegte Zukunft zu führen.

Dennoch werden auch 2017 neue Landtage benannt und eine Bundestagswahl abgehalten und nur einige Namensschilder werden sich verändern – aber nicht die Politik. Sie wird auch weiterhin auf eine konsequent fortgesetzte Verblödungs- und Einschläferungstaktik setzen, sich selbst mehr oder weniger direkt am Steueraufkommen delektieren, Machtpositionen betonieren und sich der Lobbyisten bedienen.
Ob der „kleine Mann“ am Ende ihrer Regierung nach dem zweiten nun auch einen dritten Job braucht, um seine Rechnungen zu bezahlen, interessiert diese „Politiker“ nicht (siehe Steinbrück!). Ob der durch sie willentlich radikalisierte Mob statt drei, vielleicht dann sechs Migranten abfackelt, tottritt oder vor eine U-Bahn schubst, ist unerheblich.

Da beschweren sich soviele, dass für Muslime der Islam die „höherstehende“ Gesetzgebung darstellt und sie befürchten in ihrem Unwissen, dass damit ein geringerer Standard implementiert werden solle. Dabei begreifen sie, und das ist die Frucht dieser Regierung!, nicht, dass der Islam solche Kleinigkeiten wie „demokratische Verhältnisse“ und „Menschenrechte“ schon seit mehr als einem Jahrtausend implementiert hat und die modernen, einschlägigen Definitionen deshalb als unzureichend zurückweist. Islam geht über das, was hier unter „Demokratie“ und „Menschenrecht“ bekannt ist, z.T. weit hinaus.

Solange der moderne Mensch kein säkulares, ebenbürtiges Gesellschaftsmodell zur Welt bringt, werde ich konsequent weiterhin und aus Überzeugung heraus Demokrat sein und bleiben, während ich Gewalt zur Durchsetzung dieser Idee auch weiterhin kategorisch ablehne.
Mir bleibt zynisch nur noch festzustellen, dass ICH somit, als „undemokratisch“ gescholtener Muslim, zunehmend allein an der Front stehe und mich für Demokratie einsetze. Alle anderen, sauberen und „bio-deutschen“ Demokraten gehen derweil auf den Fußballplatz, machen Shopping oder fliegen nach Malle.
Der blöde Muslim da kanns ja allein richten, nicht wahr. Als moderner, westlicher Demokrat ist man ja sooo frei, dass man noch nicht einmal zur Mitarbeit an der Freiheit gezwungen werden kann.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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