Laos und Vietnam – Das Lächeln des Todes

Es ist heiß.

Eine kleine und rundliche Frau sitzt unter dem Strohdach, das ihre Terrasse über spannt. Im Hintergrund knattern Mopeds über die ungepflasterte Straße, die durch das Dorf läuft und man hört freundliche Rufe in dieser weichen Sprache, man winkt sich zu, es ist früher Nachmittag in Laos und das Tagwerk will noch einige Stunden fortgeführt werden.

Laos ist ein sehr friedliches Land. Es ist durchaus reich und es könnte seine Kultur des lachenden Buddha genießen. Es ist aber auch ein sehr angespanntes Leben in Laos – weil das Lachen des Buddha bis heute sehr oft zerrissen wird vom Tod, der im Boden des Landes lauert. Man sieht wunderschöne, sanft geschwungene Hügel, die von Menschen mit ihren breiten Strohhüten singend in Reisfelder verwandelt werden, über die Büffel Pflüge ziehen. Aber manchmal gibt es einen harten, kurzen und trockenen Knall. Und manchmal folgt ihm ein entsetzlicher Schrei, denn in diese Erde wurde neben Reis vor Jahrzehnten der Tod in Form von etwa zwei Millionen Minen und Streubomben gepflanzt und diese Todesmaschinen warten bis heute auf ihre Opfer.

Die rundliche Frau gibt silbern glänzende Krümel in einen kleinen Topf aus Ton, unter dem sie tüchtig einheizt. Bei der Schwüle des Tages ist das kein Vergnügen, auch wenn die Frau zusammen mit ihrem Sohn ein lukratives Geschäftchen mit dem, was da im Topf schmilzt, ausbaut.

Lotosseide ist ein für Laos ebenso wichtiges wie schönes Produkt, eine in ganz Asien gesuchte Rarität; neben der einfalls- wie abwechselungsreichen Küche des Landes spricht die Brillianz der aus dieser Seide gewebten Stoffe für eine fröhliche, unbeschwerte und liebenswürdigen Kultur. Laos hat eine beeindruckende Geschichte, die historische Architektur spielt mit eleganten Schwüngen, einer feinen Ornamentik und erzählt von Lebensfreude.

Der Sohn der rundlichen Frau baut Metallkörper auseinander, die er vom örtlichen Schrotthändler bezieht. Er hockt unweit seiner Mutter auf der Terrasse schraubt er mit geübtem Griff schwere Eisenkörper von Aluminiumflügeln, die er in die kleinen Stücke zerhackt, die seine Mutter einschmilzt.

Wohl niemand in Laos hatte anfangs geahnt, was folgen würde, als sie das schwere Brummen der amerikanischen Bomber erstmals hörten, von ihrer Feldarbeit in den Himmel aufblickten und die Geschwader am Himmel entdeckten. Es gab wohl keinen abgefeimten Kommunisten unter ihnen, der amerikanischen Menschen nichts als den Tod gewünscht hätten. Aber nun regnet der auf sie herab. Millionenfach.

Der Inhalt des kleinen Töpfchens im Feuer ist jetzt flüssiges Aluminium. Vorsichtig ergreift sie den Behälter mit einer Zange und gießt das Metall in eine aufrecht stehende, hellbraune und kleine Form. Nach wenigen Momenten klopft sie die Form auf und ein silbern schimmernder Löffel fällt auf den Boden. Sie legt ihn zu den anderen und man sieht viele Dutzend bereits fertig dort liegen. Der Sohn muss nur noch die Angussstiele entfernen.

Die Frau lächelt. Es sei ein ganz gutes Geschäft, sagt sie, die Löffel seien landesweit begehrt. Bombenlöffel. Aus Sprengkörpern, die in Reisfeldern steckten.

In den letzten Jahren steigt der amerikanische Tourismus in das freundlich lächelnde Laos. Und sie kaufen die Löffel gern, deren Rohstoffe sie dorthin gebracht haben. Sie haben das ganze Aluminium und Eisen zusammen mit zwei Millionen Tonnen Sprengstoffen einfach da gelassen, als sie damals wieder abzogen, nachdem das halbe Laos zerrissen war und in Blut und Tränen versank.

Kein einziger Amerikaner hat eine einzige Mine aus dem Boden des lächelnden Buddhas gegraben. Und bis heute hört man immer wieder mal den trockenen Knall, der spielende Kinder zerreisst, Feldarbeitern die Augen aus dem Kopf und Beine vom Körper sprengt.

Aber die Touristen lieben es, die reichhaltige und schmackhafte Küche von Laos mit Bombenlöffeln zu essen, sagt die Frau und fügt hinzu, dass sie die Löffel bis in die USA exportiert.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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