Korea – Sollten wir das Land wirklich vernichten?

Soviel vorab: Nach dem zweiten Weltkrieg haben die USA in schnell und sehr stark ansteigendem Maße nur noch unter Lügen Kriege aus Eigennutz angezettelt. Jedes einzelne Mal schützten sie weinerlich die angebliche Verteidigung von Recht und Freiheit vor, wenn sie Millionen von Tonnenlasten Bomben und chemische Waffen irgendwo auf der Welt niederregnen ließen.

Deshalb denke ich spätestens seit dem Ersten Golfkrieg: wenn die USA zu schießen beginnen, ist grundsätzlich das Gegenteil von dem richtig, was sie als Kriegsgrund vorschieben. Im Extrembeispiel konnten wir das im Irak und in Afghanistan beobachten: natürlich hat es die „Chemiewaffen“ im Irak nie gegeben und der erste „Präsident“ Afghanistans, Hamid Karzai, war vorher nur ein glückloser Konzernangestellter in den USA, der Afghanistan eine Kooperation für eine Pipeline andienen sollte. Weil Afghanistan dies Geschäft ausgeschlagen hatte und über geradezu märchenhafte Rohstoffvorkommen verfügt, musste das Land leider in die Verhandlungsbereitschaft gebombt werden. Dass man ausgerechnet die Marionette Karzai als „Präsident“ installiert hatte, sprach von beleidigender Zynik.

Nun also Korea.

Auch hier stimmt wieder einmal das genaue Gegenteil von dem, was seit Jahren aus den USA hierzu behauptet wird. Die Zahl der Länder, die, weil wehrlos, von den USA in Grund und Boden gebombt und in geradezu steinzeitliche Verhältnisse nebst anhaltender Bedürftigkeit gejagt wurde, ist Legende. Die jüngere Geschichte beweist, dass die nordkoreanische Politik der hastigen Atomwaffenentwicklung völlig richtig war.

Würde der Irak über Atomwaffen verfügt haben, würden die USA bis heute gequält lächelnd über Ölgeschäfte zu verhandeln haben. Nur weil die USA zweifellos (!) wussten, dass Hussein weder über Atom-, noch über Chemiewaffen verfügte, erfolgte der Angriff. Auch Afghanistan wurde nur überfallen, weil es nach den furchtbaren Jahrzehnten des Krieges gegen Russland ohnehin schon am Boden lag und wehrlos war. Wir müssen also festhalten, dass die Strategie der Atomwaffenentwicklung tatsächlich das einzige Mittel darstellt, einen vernichtenden Feuerüberfall zu verhindern.

Eine schnelle Wiedervereinigung der beiden Koreas wäre vollkommen verrückt. Wir haben in Deutschland sehr eindrucksvoll erleben müssen was dabei herauskommt, wenn man zwei völlig unterschiedliche Systeme plötzlich zusammenführt. Durch unser vom Raubtierkapitalismus verstörtes Westdeutschland stolperten auf einmal Millionen von Ostdeutschen, die weder mit uns, noch mit unseren „Werten“ zurecht kamen und vor allem die Sinn- wie Nutzlosigkeit dieser gebetshaft bemühten „Werte“ nicht erkannten. Sie hungerten nach Videogeräten, Bananen, Palmen bestandene Urlaubsregionen und hatten wirklich geglaubt, wir würden den Rest auch ernst meinen. Wie tragisch.

Zurück nach Korea:

Im „Land der Morgenstille“ gilt größtenteils das gleiche. Wenn die DDR im Vergleich nur „Trabbis“ hatte und Golfs wollte, so hungert es die Menschen in Pjöngjang mittlerweile auch nach Kuchen – und nicht mehr nach Brot. Der „verrückte Diktator“ stabilisierte die Nahrungsmittelproduktion und so sind Hungerkatastrophen wie die in den 90’er Jahren mittlerweile sehr unwahrscheinlich geworden. Kim Jung Un hat dem rigiden Kommunismus seines Vaters nach dem Vorbild Deng Xiao Pings aus China erste Öffnungen installiert. Etwas Privatwirtschaft ist möglich geworden, gleichzeitig aber verbleiben beinah alle Aufwendungen der Lebensführung kostenlos. Niemand zahlt in Nordkorea für Bildung oder Busfahrten beispielsweise.

Das macht den neuen Machthaber nicht zum Menschenfreund. Aber damit kommen wir im Westen doch eigentlich ganz gut klar, denn unsere Führungen bestehen ja selbst auch nur aus Macht- und Kapitalfreunden.

Kim Jong Un schickt immer mehr Leute zum Studium ins Ausland; er selbst wurde in der Schweiz geschult und heute bestätigen seine ehemaligen Lehrer zumindest zufriedenstellende Leistungen. So wie er selbst werden die Menschen nach Nordkorea zurückkehren und es ist völlig unmöglich, dass dieser intellektuelle Schub ohne Wirkung bleiben könnte. Schon jetzt verbessern sich Produktion und Verteilung von Waren merklich; der Entwicklungsrückstand zum südlichen Nachbarn beginnt (!) sich etwas zu verkleinern. Selbst die CIA gesteht kleinlaut ein, dass der neue Diktator insgesamt und trotz aller aggressiven Schreierei einen neuen Weg beschreitet.

Sehr bewusst zeigt er sich menschlicher als sein Vater. Er redet im Gegensatz zu ihm öffentlich, zeigt seine Ehefrau und sich selbst absichtsvoll (nach einem kleinen Unfall) vor den Kameras hinkend.

Er wird uns als „böser, kriegsgeiler Metzger“ verkauft und so wählen wir nur zu gern grundsätzlich immer die ablehnende, pessimistisch ste Sichtweise auf alle seine Aktionen. Wir glauben gar nichts mehr. Auch nicht, wenn Geflüchtete offen vor den Kameras bekennen, dass nicht alle Tränen der Menschen, Lobpreisungen, Solidaritäts- und Dankbarkeitsbezeugungen erzwungene Heucheleien sind. Wir mögen es ja allzu gern vergessen haben, Nordkorea kann das aber aber nicht: eigens zur Massenvernichtung von Menschen produzierten die USA Napalm, das tausenden von Zivilisten Nordkoreas einem unvorstellbar qualvollen Verbrennungstod zugefügt hatte. Wie könnte man soetwas je vergessen?

Mir fällt immer stärker auf, dass die ganze Welt von den USA langfristig auf einen vernichtenden Überfall gegen Nordkorea vorbereitet werden soll. Also ist das Gegenteil zu tun: die USA werden notwendigerweise mit Pjöngjang ebenso offen zu verhandeln haben wie einstmals mit dem kaum weniger verfeindeten China. Sie werden die für Nordkorea unverzichtbare Atomwaffen zu akzeptieren haben. Sie können erst demontiert, abgeschafft werden, sobald die ersten, fairen Verträge geschlossen sind. Bis dahin wird und muss vielleicht der Tod noch auf die USA zielen müssen.

Den soviel ist auf jeden Fall klar: die derzeitige Lage der nordkoreanischen Bevölkerung und ihrer Regierung rechtfertigen niemals einen Krieg gegen das Land! Bisher verlautet aus Pjöngjang seit vielen Jahren, dass diese Waffen ausschließlich nur zur Beantwortung eines Angriffs gedacht sind und eingesetzt werden könnten – im Gegensatz zu den USA dienten sie nie als Drohung, in einem Angriffskrieg genutzt werden zu sollen. Die USA haben ihre Atomwaffen schon häufig als zusätzliche Option bei ihren Angriffen vor Ort vorrätig gehalten. Sie lagern welche dauerhaft im türkischen Incirlik was erklärt, dass die USA so nervös reagieren, wenn die Türkei dieses Landeigentum gegen Fremde isoliert und abriegelt.

Nein. Nordkorea ist weder ein Paradies, noch wird ihr neuer Diktator das Land dahin führen, eines zu sein. Wir können wohl frühestens in zwanzig, dreißig Jahren eine nachhaltige Steigerung der Lebensqualität der Menschen auf akzeptablem Niveau erwarten. Wir sehen aber fraglos den Beginn einer begrüßenswerten Entwicklung, die den Leuten dient und eine Zukunft ermöglicht.

Die Menschen, die wir heute durch einen gigantischen Krieg vernichten würden, wären alle tot. Wir würden ihnen diese Chance nehmen, riesige Zerstörungen anrichten und ein vollkommen überfordertes Südkorea dazu zwingen etwas zu tun, was es niemals bewältigen kann: die Integration eines zusammengeschossenen und vernichteten Landesteils, dessen Erde voll von Blindgängern, Gräbern und Tränen steckt.

Vor fünfzig Jahren war Nordkorea vom US-General McArthur ganz konkret mit dem Einsatz von Atomwaffen bedroht; auf seinen Befehl hin wurden dutzende bereits in die Nähe ihres möglichen Einsatzort es transportiert. Wer könnte also dem Land die völlig richtige Idee, dass nur Atomwaffen die USA in ihrer eigenen Sprache antworten können, verdenken?

Ein Fuchs traf in einer uralten Fabel eines Tages den Igel. Er sagte ihm, dass doch Friede unter allen Tieren befohlen sei und er also endlich seine Stacheln abwerfen solle. Der Igel entsann sich so vieler Angriffe durch den Fuchs, bei denen ihm nur seine stachelige Abwehr geholfen hatte.

„Aber brich Du Dir dann vorher erst die Zähne.“ antwortete der Igel lakonisch und zog seines Weges.

 

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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