USA ./. Saudi-Arabien – die nächsten Kriegsdekaden sind gesichert!

Gestern konnte ich es wieder beobachten: da hatte sich eine dicke Fliege in unseren Wintergarten verirrt, fand nichts zu Essen, nicht wieder heraus und knallte wohl ein dutzend Mal mit dem Kopf voll vor die Glasscheibe.

Brrr ….. patsch ….. brrr …. patsch …. brrr …. patsch … und immer so weiter.

Das erinnert mich an den Präsident der USA. Prinzipiell macht ihn seine Aktion in Saudi-Arabien persönlich schuldig an dem Tod der nächsten Zehn- oder Hunderttausenden. Und dann auch wieder nicht.
Forscher wollen, habe ich gelesen, entdeckt haben, dass das Kurzzeitgedächtnis einer Fliege weniger als eine Sekunde abspeichert. Das macht sie dem US-Präsidenten weit überlegen. Im Vergleich zu Trump könnte eine Fliege ihren Doktor machen.
Fliegen sind aber im Gegensatz zu Trump nicht ferngesteuert. Das Unvermögen, aus dem zurückgelegten Weg hinein auch den hinaus zu finden, ist ihr selbst zuzuschreiben. US-Präsidenten aber sind ferngesteuert.

Der Waffendeal mit Saudi-Arabien entstammt als Idee ja keinesfalls dem Trump’schen Büro (geschweige denn Hirn), sondern ist als nächste Folge in der Serie: „Halten wir die ganze Region zuverlässig im Aufruhr fest!“ in den oberen Konzernetagen der US-Wirtschaft erdacht. Wenn man genau hinschaut, entdeckt man in der so oft belachten Frisur von Trump die Antennen für den Befehlsempfang.
Sogar die deutsche Bundesregierung sieht sich außerstande, durch beredtes Schweigen selbst in den Ruch der Blödheit abzurutschen und zeigt Wirkung. Berlin will tatsächlich aufgefallen sein, dass die Belieferung von erzkonservativen Mördern und Verstümmlern mit Waffen, denen in den letzten Dekaden häufig aktive Terrorfinanzierung nachgewiesen worden ist, vielleicht nicht sonderlich friedesstiftend ausfallen könnte. Wahnsinn.

Rolf Mützenich, Vizefraktionschef der SPD im Bundestag, rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her und sagte (Zitat: zeit.de)

„Was die Arabische Halbinsel braucht, sind nicht mehr Waffen, sondern ein funktionierendes regionales Sicherheitssystem, welches auf Verträgen und Vertrauen beruht.“

Ausrasten möchte man darüber. Diese Erkenntnis, zwanzig Jahre früher gefasst und umgesetzt, hätte einen Osama bin Laden vollständig, die Taliban-Organisation in weiten Teilen, al-Qaida und Daesh („Islamischer Staat“) wieder ebenfalls vollkommen verhindert. Hunderttausende von Menschen würden noch leben – und im Gegensatz zu heute auch für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre keine furchtbar missgebildeten Kinder zur Welt bringen.
Das hätte aber neben den USA auch Deutschland tiefe Einschnitte in die Exportbilanz eingebracht und Teile der deutschen Bevölkerung hätten, wenn man sich jemals ernsthaft mit der Idee, Frieden im Nahen Osten haben zu wollen, bestimmt auf mindestens einen Döner oder eine Kinokarte pro Jahr verzichten müssen. Das erschien nicht hinnehmbar.
Deshalb musste eine islamistische Strömung, die vom saudischen Königshaus mit brutaler Gewalt durchgesetzt wird, seit Jahrzehnten mit großen Waffenmengen unterstützt werden – sonst hätte die Kasse nicht gestimmt.
Sogar dem sonst innerlich höchst robust ausgestaltenen England wurde das zuviel: London hat Waffenlieferungen an Saudi-Arabien ausgesetzt nachdem es im Gegensatz zu Deutschland und den USA verstanden hat, dass ihre Waffen hemmungs- und schamlos im Jemen zur Massenvernichtung von Zivilisten eingesetzt werden.

Natürlich pfeifen die Spatzen seit ebenfalls Jahrzehnten von den Dächern, dass der saudische Wahhabismus durch aktive Unterstützung in allen westlichen Ländern u.a. für den aggressiven Salafismus (der aus ihm hervorgegangen ist und von Riadh liebevoll finanziert wird!) überall auf dem Globus für Spannungen, Unruhen, Kriege und Foltereien sorgt – die zurückgebliebene Stubenfliege Trump aber schiebt dem höchst verblüfften Königshaus dennoch geradezu gigantische Waffenmengen auf den Palasthof. Bekannt ist das schon lange; es kostet unsere eigene Bundesregierung seit vielen Jahren schon große Anstrengung den Eindruck zu vermeiden, dass man das verstanden hätte. So bezahlte der Bund viele Millionen, als in Köln die „König Fahd“-Akademie errichtet wurde, die von Saudi-Arabien größtenteils finanziert, geplant und gebaut worden war. Ein paar Jahre später beklagt man sich dann lautstark über das, was selbstverständlich die zwangsläufige Folge war: Entstehung des Salafismus in Deutschland und Radikalisierung. Die Bundesregierung hat sich den Quell von Terror selbst ins Land geholt und sogar auch noch dafür bezahlt, obschon sie damals wissen musste, was geschehen würde.

Islamistische Terroristen wahhabitischer Prägung und von saudischen Gnaden zündeln, sprengen und schießen zwar auch in den USA, trotzdem hält Trump sie für die „Guten“ und ruft die königlichen Chefterroristen, Henker und Verstümmler aber dazu auf, sich gegen ihresgleichen zu engagieren.
Die mit der Fernsteuerung in der Hand rechnen mit Konten, Dollar und Euros; der Verlust von Menschenleben taucht in ihren Bilanzen nicht auf. Und der mit der Antenne auf dem Kopf und dem per Goldkette infantil geschmierten Kleinkindego merkt das alles nicht und wird auch für die Folgen seines Fliegengedächtnisses persönlich nicht einzustehen haben.

Die Friedensgefahr im Nahen Osten ist definitiv vorüber.
Wenn wir unseren dadurch verdienten Zusatzdöner essen oder den Vorspann der Extrakarte im Kino genießen, werden wir dafür dankbar sein.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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