Irak – Zivilisten sind uninteressant und werden verbrannt.

Basta.

Wer braucht schon Nichtkämpfer im Krieg? Sie stehen bloß in der Schussbahn, heulen unentwegt, liegen blutend herum und zerrissene Kinder geben keine hübschen, geschweige denn heldenhafte Kriegsfotos her. Wenn man sie schon massenhaft umbringt, dann doch bitte gleich so, dass sie niemanden stören – am besten, man verbrennt sie.
Und optimal ist eine Kriegsführung, die die Aufgabe in einem einzigen Arbeitsgang erledigt: erst töten und dann sofort bis zur Unauffindbarkeit vernichten. So geht das.

Der Erfinder dieser genialen wie höchst durchsetzungsstarken Kriegführungsstrategie sind die USA. Sie haben hierfür ein sehr einfaches wie effizientes Waffensystem entwickelt, welches Israel bereits mit großem Erfolg im Einsatz hatte.
Phosphor-Brandbomben sind die Lösung.

Ein einfaches Feuer wäre leicht löschbar und es wäre nicht auszuschließen, dass etliche der Angezündeten von Leidensgenossen noch gelöscht und gerettet werden könnten. Das galt es schon für Israel zu vermeiden; die in Gaza-Stadt 2014 von diesen Brandbomben Getroffenen starben zum größten Teil.
Für die Begleit-„Musik“ dieses Sterbens gab es keine besonders gute Presse; Israel hat diese seinerzeit aus dem Gaza-Streifen ausgesperrt, damit keine Mikrophone das stundenlange Schreien auffangen und keine Kamera von den entsetzlichen Wunden Bilder machen konnte. Das gelang natürlich nicht und deshalb ist das Internet heute noch voll von Fotos von Menschen, die über viele Stunden qualvoll an den Tropfen brennenden Phosphors starben.

Das Feuer ist definitiv nicht und durch nichts löschbar. Weder Wasser noch sonstiger Luftabschluss kann die Flammen ersticken. Ärzte schnitten in Gaza nach eigenen Angaben „sehr großzügig“ das brennende Fleisch aus den Körpern und mussten dennoch häufig hilflos dabei zuschauen, wie sich die Flammen in tiefliegenden Gewebeteilen neu entzündet hatten.
Viele der Getroffenen verbrannten zu kleinen Häufchen Kohle; sie waren als menschliche Körper nicht mehr erkennbar. Ihr Tod kam nicht schnell; er war für jeden zum Schluss eine Gnade.

Natürlich sind diese Waffen international geächtet; lediglich aufgrund ihres Sekundäreffektes, dem dicken, weißen Rauch, können sie ausschließlich nur gegen Militär eingesetzt werden. Der Einsatz dieser Waffe gegen bewohnte Gebiete oder gar gegen Zivilisten ist verboten, was Israel kalt ließ, weil es dem Land ja gerade um die Vernichtung von Nichtjuden gegangen war.

Im Irak unserer Tage stehen Zivilisten nur im Weg. Sie sind nur ärgerliche Hindernisse und erreichen für die kriegführenden Mächte dort noch nicht einmal mehr den Rang eines „Kollateralschadens“. Zivilisten, Frauen, Kinder, Alte und Behinderte, die nur in höchster Not fliehen, stören den Vormasch der alliierten Streitkräfte und deshalb werden sie entsprechend entsorgt: durch Phosphor-Brandbomben (vermutlich „made in USA“).
Die Vorteile liegen auf der Hand: es liegen keine gammelnden Infektionsherde in den Straßen herum und kein Fahrzeugrad quält sich mit Leichen, sondern knirscht einfach nur durch Kohle. So lässt es sich sehr effizient für die Freiheit der Bürger kämpfen, auch wenn man sich fragen muss, wer denn diese Freiheit noch erleben darf.
Die Effizienz der Waffe wurde im Feldeinsatz bewiesen; es kam zu den beabsichtigten Opferzahlen und zu einer furchtbaren Traumatisierung aller Überlebenden. Deshalb wurde das gleiche Modell von den USA vermutlich auch an den Irak geliefert. Das System arbeitet flächenweise Menschen ab: in größerer Höhe explodiert die Granate und streut viele Dutzend Brandsätze auf ein weites Gebiet. Man erreicht mit dieser militärischen Maßnahme einfach größere Menschenmengen und entseucht interessante Gebiete von Zivilisten.

Kurdische TV-Sender haben Fotos vom Einsatz der Phosphor-Brandbomben über der Stadt Mosul gemacht und veröffentlicht und auch Al-Jazeera zeigt sie. Das irakische Militär reagierte sofort mit der Drohung, gegen diese Medien vorzugehen.
Die Ankündigung, man werde diese Vorwürfe dieses Waffeneinsatzes prüfen, ist ebenso fadenscheinig wie feige. Israel hat seinerzeit recht offen und frech zu der Benutzung der besonders grauenvollen Chemiewaffe gestanden.

Es gab damals gegen Israel wegen dieses Waffeneinsatzes nur ein ganz kleines, mediales Hüpferlein – und keine einzige, politische Verurteilung von irgendwelchen Israel-„Freundes“. Niemand verurteilte das grauenvolle Verbrennen bei lebendigem Leib, deshalb ist der Einsatz auch im Irak sehr anzuempfehlen und wohl deshalb haben die USA auch den Irak damit beliefert.

Hier habe ich den Link zu dem kurdischen Foto:
http://www.aljazeera.com/news/2017/06/iraq-probe-white-phosphorus-mosul-170603205843400.html

Ich liefere auch gern Links zu dem Arbeitsergebnis dieser Waffe; wer sich wahrlich ein Bild davon machen möchte, wie ein Mensch aussieht, der von der Brandmasse getroffen worden ist, kann sich gern bei mir melden – ich werde diese Bilder hier nicht veröffentlichen, weil sie schwerst traumatisieren. Viele Mütter mit ihren Babies sind qualvoll über Stunden zu Tode verbrannt; die Fotos davon lassen nächtelang keinen Schlaf mehr zu.

Es tut doch gut zu wissen, nicht wahr, wie sehr, wie aufmerksam, ja geradezu liebevoll sich die Alliierten im Irak und Syrien um das Glück der Menschen sorgen.
Denn diese Menschen finden Glück nur noch im Tod.
Alles andere ist Qual – auch der Weg in den Tod.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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