Qatar – stehen wir dem Land bei!

Der industriell geprägte Westen, der wesentliche Teile seines Reichtums u.a. auch aus dem Nahen Osten bezieht, bevorzugt die Strategie des klammheimlichen Intrigierens und mit falschen Vorwürfen „begründete“ Angriffskriege, um seine Kapitalinteressen aufrecht zu erhalten.

Aus diesem Grunde wurde Israel mit schier unglaublichen Geld- und Waffenmengen dorthin gebracht, wo es heute steht; aus eigener Kraft wäre es heute ein ärmliches Bauernländchen.
Aus diesem Grunde hielt der Westen auffällig still, als die USA den Irak wegen seines Öls brutal zusammengetreten haben.
Aus diesem Grunde hat sich der gesamte Westen daran beteiligt, die erste, frei und demokratisch gewählte Regierung in Ägypten zu stürzen und einen blutsaufenden Despoten zu installieren.
Aus diesem Grunde verwickelte man Afghanistan nach einer kurzen Atempause nach dem russischen Angriffskrieg erneut in mehr als zehn Jahre Krieg und Zerstörung.
Aus diesem Grunde werden Nachrichten aus der Türkei sehr großzügig mit Halbwahrheiten und ganzen Lügen gespickt, um die Interessen des Landes nachhaltig zu torpedieren.
Aus diesem Grunde hielt man den Iran seit nun mehr als zwanzig Jahren beständig unter der Drohung eines vollumfänglichen und vernichtenden Krieges.
Aus diesem Grunde hofiert und bewaffnet man einen der grausamsten Folter-, Terror- und Verstümmelungsstaaten namens Saudi-Arabien; bizarrerweise werden anderen Ländern mit ganz erheblich geringeren Menschenrechtsverstößen Hilfen versagt, während man Saudi-Arabien schnell und aufmerksam mit allem bedient, was man dort haben will.

Bei all dieser zynischen, grausamen und brutalen Kumpanei fällt dann ein winziges Land aus der Reihe und benennt solche und andere Verbrechen beim Namen und opponiert dagegen:
Qatar.

Ich begrüße die Entsendung von türkischen Truppen und die sofortige Aufnahme von Güterlieferungen des täglichen Bedarfs per Flugzeug aus der Türkei. Die in Qatar stationierten zehntausend US-Soldaten und bald etwa drei- bis fünftausend türkischen Soldaten werden Qatar vor dem Schlimmsten bewahren und beschützen.

Wir in Europa werden von der Krise um Qatar, wenn sie weiter anhalten oder sich gar verschlimmern sollte, sehr empfindlich getroffen:
Gerade deutsche Wirtschaftler stellen jüngst ein wenig erschrocken fest, wieviel qatarisches Geld in unseren Firmen und Konzernen steckt. Beispiel: immerhin siebzehn Prozent aller VW-Aktienanteile werden von Qatar gehalten, in einigen deutschen Aufsichtsräten sitzen Qataris und weitere Milliardensummen sind von Qatar in Deutschland investiert.
Sollte sich also nun die Krise verschlimmern, könnte Qatar etwa auf die Idee kommen, Gelder aus der deutschen Wirtschaft abzuziehen, was einen Bankrott von Konzernen nebst daraus resultierender Arbeitslosigkeit zur Folge hätte. Oder aber Qatar fordert über seine Aktienanteile von deutschen Herstellern, Geschäfte mit seinen Golfgegnern unverzüglich einzustellen – was Milliardenverluste bedeuten würde, denn Qatar hält signifikanten Anteile an Siemens etwa und die bauen derzeit ein riesiges Gaskraftwerk in Ägypten. So oder so wären die Verluste unvorstellbar hoch und würden den deutschen Haushalt schwer treffen.

Wie schrieb ein bekanntes, deutsches Magazin heute?

Qatar liegt nicht am Ende der Welt – Qatar liegt für uns um die Ecke!

Was ich damit sagen will ist, dass Deutschland und Europa keineswegs Partei für einen arabischen Staat ergreifen soll, weil es da so hübsch ist und es sich gut Urlaub machen lässt – sondern aus eigenem Interesse heraus.
So ganz nebenbei könnte Europa bei dieser Gelegenheit doch noch umsetzen, was es substanzlos seit vielen Jahren behauptet zu tun: Dialoge ermöglichen, Demokratie stützen, Menschenrechte umsetzen, Balancen herzustellen, Frieden zu sichern.

Nein – wir KÖNNEN uns nicht mehr irgendwie hindurchlavieren, ohne hier einen Euro Umsatz, dort Glaubwürdigkeit und woanders Allianzen zu verlieren. Nun ist die Region dorthin gebombt und intrigiert worden, wohin sie der gesamte Westen immer haben wollte: in Uneinigkeit, Kriegsgefahr, Bedürftigkeit, Streit. Aber alle, die damit unter Ignoranz der daraus resultierenden Gefahr ihren kurzfristigen Erfolg erwirtschaftet hatten, können sich nun nicht mehr wegducken und von den Ländern einklagen, dass sie ihre Probleme (die WIR gemacht haben!) gefälligst selbst lösen sollen.

Also los! Entscheiden wir uns also! Jetzt!
Wollen wir wirklich saudischen Staatsterror ausweiten? Ja? Ist es das? Wenn wir uns nicht kritisch Saudi-Arabien entgegenstellen und die sofortige Einstellung der Feindseligkeit gegen Qatar einfordern, dann stimmen wir für die Entrechtung von Frauen, gegen Meinungsfreiheit, gegen Demokratie, gegen Menschenrechte – und gegen Menschen.

Denn soviel ist klar:
Dieser zunächst nur politische Kriegsschauplatz geht nicht über Nacht wieder weg. Diese Feindseligkeit wird sich weiter auswachsen und die Golfdespoten dazu zwingen, den Unwillen ihrer Bevölkerungen mit immer mehr brutaler Gewalt und (deutschen!) Waffen niederzuschlagen. Aber auch das gelingt nur vorübergehend, denn langfristig ist mit dieser Politik ein halber Weltenbrand nicht mehr aufzuhalten.
Wenn wir Qatar nicht beistehen, werden Millionen von Menschen am Golf und in allen arabischen Staaten, die durch unseren Willen furchtbare Regimes beherbergen, zu den Waffen greifen. Vielleicht nicht heute. Vielleicht nicht morgen. Vielleicht nicht nächste Woche – die Revolution aber wird kommen und sie wird um ein Vielfaches größer als alles bisher Dagewesene.
Und wir kriegen (gerechterweise!) unseren Teil des Fettes ab: europaweit wird es zu siebenstelligen Arbeitslosenzuwächsen kommen, Banken krachen zusammen, ganze Konzerne werden schließen müssen.

Denn:
Der Reichtum Saudi-Arabiens ist Geschichte. Schon heute ist längst nicht mehr soviel Geld da wie früher. Das Land hat bereits Projekte einstellen und Leute entlassen müssen; Kuwait, Bahrein, den UAE und vielen anderen ergeht es ähnlich. Wenn der Konflikt gegen Qatar nicht sehr bald geschlichtet wird, werden die genannten Länder ZUSAMMEN ihre Investitionen in Europa und der Welt zurückfahren und die Gelder zurückordern müssen.
Allein Kuwait hält über seinen Staatsfonds Anteile an US-Unternehmen, die über Nacht zu einer schweren Krise dort führen, wenn sie zurückbezahlt werden sollen.
Qatar selbst wird als Angegriffener selbst nach schweren und schwersten Verlusten sehr bald wieder auf die Füße kommen, weil das Land überaus vorausschauend vor vielen Jahren bereits in die Verflüssigung von Erdgas investiert hat und heute in der Lage dazu ist, gut 30 Prozent des weltweiten Bedarfs daran allein zu decken.

Man muss es wiederholen:

Trotz der kranken Ideen eines infantilen Dummkopfes namens Trump ist es tatsächlich Qatar, mit dem wir in Europa die meisten Berührungspunkte pflegen und viele Werte teilen.
Der Bescheuerte aus den USA hat zu allem Überfluss auch noch selbst und offen zugegeben, dass er sich erst in Saudi-Arabien hat einflüstern lassen, dass Qatar angeblich Terror unterstütze – und er hat, wie sich herausgestellt hat, vor seinen kindischen Tweets noch nicht einmal gewusst, dass zehntausend seiner Soldaten in Qatar stationiert sind.
Nun ist der Waterboardingstaat USA, der ausweislich seines Präsidenten noch viel mehr Folter anwenden will, kaum besser als sein Kumpel Saudi-Arabien, aber dafür werden die USA von den Auswirkungen der selbst mitangeschobenen Krise selbst schwer und schwerst getroffen werden.

Alles Vorgenannte sind letztlich nur ganz nüchterne, zahlenverliebte und wirtschaftliche Fakten, wenn man so will, eine säkulare Sichtweise.

Es gibt noch eine andere:
Nach meiner Meinung sind alle Muslime verpflichtet, auf die Seite Qatars zu wechseln; es gibt meines Wissens nach unter den agierenden Staaten sonst KEINEN EINZIGEN, der einen halbwegs erträglichen oder vertretbaren Islam pflegt, der diesen Namen auch verträgt. Es gibt am Golf nur noch Extremismus; der Terror von Daesh („IS“) ist letztlich auch kein grausamerer als der von offizieller Seite in Saudi-Arabien verübte. Ryadh hat im Jemen mit (englischen!) Streubomben tausende von Zivilisten umgebracht, die relevanteste Infrastruktur soweit zertrümmert, dass tagesaktuell heute von Cholerausbrüchen im Jemen die Rede ist.
Saudi-Arabien verfolgt einen unterdrückerischen, schwarzen und sehr hässlichen Islam und kaum eine Heimtücke und Lüge wurde bisher von seinen Regierenden ausgelassen.

Den Muslimen weltweit muss die Sicherheit der qatarischen Geschwister sehr am Herzen liegen, denn derzeit ist Qatar der einzige Ort auf der Welt, an welchem ein heller, friedlicher und fröhlicher Islam entspringen kann – er wird sonst nirgendwo geduldet, sondern verkommt überall zu einem Sammelbecken an tödlichem Hass, Schreierei, Missgunst und Zerstörung.
Man kann es drehen und wenden wie man will: die schrecklichste Missgeburt aus dieser Lage heißt Daesh. Ursprünglich entstanden aus Verzweiflung, Angst und Verfolgung, bezahlt aus Saudi-Arabien und bewaffnet durch die USA, wurde daraus im Handumdrehen ein furchtbares Monstrum, das eine Spur von Blut, Leichen und Tränen über die ganze Welt zieht.
Sogar der Staats-Wahhabismus von Qatar ist mit dem aus Saudi-Arabien nicht im geringsten zu vergleichen; ich wage die Behauptung, dass sich der überwältigende Teil aller Sunniten dort wohlfühlen könnte. Qatar bildet Frauen nicht nur selbstverständlich aus, es entsendet auch welche im Namen des Staates ins Ausland, ausgestattet mit weitreichenden Befugnissen und Kompetenzen.

Für unser europäisches wirtschaftliches Fortbestehen und Wohlleben MÜSSEN wir Qatar beschützen, als Menschenrechtler sowieso und für Muslime ist es eine Pflicht!
Wir müssen also dreimal (!) motiviert sein, wenn wir richtig entscheiden wollen!

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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