Friedensmarsch der Muslime – Warum ich nicht dabei war

An sich wäre es eine wirklich gute Gelegenheit gewesen. Unser Flüchtling soll, damit er ein besseres Bild von Deutschland bekommt, sich immerhin auch noch Köln ansehen und den Dom mit dem goldenen Schrein besichtigen.

Andererseits aber halte ich den Friedensmarsch für einerseits überflüssig und andererseits für generell falsch.

Wer als Deutscher bzw. Nichtmuslim bis vorgestern noch der Meinung war, alle Muslime würden nur einer rückständigen, brutalen Erobererreligion anhängen, die außer dem „Heiligen Krieg“, dem Vergewaltigen blonder Frauen und dem Auslutschen unseres Sozialsystem nichts im Kopf haben, der wird auch heute noch der gleichen Ansicht sein.
Solche Märsche machen niemanden vom Saulus zum Paulus.

Im Gegenteil: die Antimuslimische, angeblich Islam-„kritische“ Horde der Dummköpfe nimmt den eher exotischen, arabischen Begriff „Taqīya“ zum Anlass, speziell den demonstrierenden Muslimen Verlogenheit, Verschlagenheit, bösartige List und Tücke vorzuwerfen. Dabei meint Taqiya nur die Genehmigung für Muslime, per Lippenbekenntnis dem Islam folgenfrei abschwören zu dürfen, wenn ihnen wegen ihres Muslimseins der Tod oder Folter droht. Sonst nichts.

Es hat derlei Demonstrationen, die im Grunde nichts als Hilferufe Verzweifelter sind, längst in Reihe gegeben. Keine von ihnen hatte einen positiven Effekt. Nichts, was Muslime tun, nicht tun, sagen oder nicht sagen, hat irgendetwas gebracht.Und was hat die Gemeinschaft aller Muslime nicht alles versucht! Sie kochten, sie veranstalteten Parties, Tage der „Offenen Moschee“, sie drucken und verteilen Flugblätter, sie bieten sich, ihre Moscheen und jeden gewünschten Detaillierungsgrad in den dargebotenen Informationen an.

Ergebnis: Null.

Schlimmer noch: in den letzten Jahren stieg die Zahl der gewalttätigen und ekelerregenden Anschläge auf Muslime und Moscheen dramatisch an. Alles, was sowieso nicht ganz bei Verstand ist, fühlt sich neuerdings bemüßigt, seinen allgemeinen Lebensfrust, sein eigenes Versagen an Muslimen zu rächen.

Das Deutsche daran ist, dass die Bevölkerung im Rahmen ihrer „abendländischen“ Kultur darauf angewiesen ist, die passende Direktrive von der Regierung zu erhalten – und das geschieht ja auch. Der verkrachte Türke Özdemir von den Grünen, der vermutlich ein Kindheitstrauma (hat er mal abends von seinen bösartig-muslimischen Eltern keinen Pudding bekommen?) praktischerweise mit seinen Karrierevorstellungen im deutschen Politbetrieb verbindet, prügelt seit Jahren mit merkwürdigen Sprüchen. Die fallen ihm immer kurz vor Wahlen ein. Da räsoniert er, der es eigentlich besser wissen müsste, auf einmal über Kopftücher und formuliert knackige Vorwürfe, Anklagen, Herabwürdigungen (immer als „Kritik“ verkleidet!).
Von Thomas „die Misere“ de Maiziere wollen wir gar nicht reden. Er behandelt Muslime, als seien sie nur wegen seines unendlichen Großmuts und seiner Gutmütigkeit überhaupt auf freiem Fuß, weil sie eigentlich durchnummeriert in Lägern konzentriert werden müssten.

Die totale Ablehnung der gesamten, deutschen Politik, die Millionen stimmberechtigter, deutscher Muslime überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, tut ihr Übriges. Ausschließlich immer nur (!) kurz vor Wahlen fällt so manchem das muslimische Wählerpotenzial ein und schon beschmutzen sie mit ihren Käsefüßen einige Moscheen. Aber immer nur, bis das tausendfache „Klick!“ der Pressekameras anhält. Verebbt es, eilen sie hinaus, vergessen die Aktion möglichst schnell und tun beinah angeekelt.

Und dann demonstrieren sie wieder, die Muslime; in der Hoffnung, irgendein Wunder würde geschehen und der, der ihnen am Tage zuvor noch einen Brandsatz durchs Fenster gejagt hatte, würde plötzlich seine weiche Stelle auf der Seele entdecken. Aber das wird er nicht.

Auf der anderen Seite halten es all die vielen, vielen Christen und Demokraten für völlig unnötig, ja sogar deplatziert, sich selbst von den Verbrechen und blutigen Übergriffen ihrer eigenen „Kollegen“ und „Freunde“ distanzieren zu sollen.
Weil: das ist ja auch was anderes.
Man ist ja lupenreiner Christ – und der da eben nicht. Das müssen ja alle verstehen und wissen. Deshalb ist der Christ, der in Malawi ein kleines Mädchen schändet, eben kein Christ, mit dem andere Christen umzugehen hätten. Und der Christ und Demokrat, der im Irak einem Jungen im Rahmen einer Wette „aus Spaß“ und „Langeweile“ gezielt in die Genitalien schießt, hat eben mit den Christen und Demokraten hier nichts zu tun. Weshalb sollte sich eine alte, brave, fromme und unschuldige, christliche Oma im deutschen Kleinkleckersdorf von einem US-Soldaten wohl distanzieren, der ohne jede Begründung und Notwendigkeit Menschen abknallt?

Eben.

ICH BIN eine solche, alte, brave, fromme, wenn auch muslimische „Oma“ in einem deutschen Kleinkleckersdörfchen und ich habe nichts zu schaffen mit jemandem, der mit scheußlich zusammengelogenen und -gebogenen „Argumenten“ Hass und Zerstörung sät.
Wer MICH dazu bringen will, dass ICH mich von solchen Glaubens-„brüdern“, die ich nicht als solche empfinde, offen distanzieren soll – der hat zuvor etliche Großdemonstrationen gegen den völkerrechtswidrigen, offen christlich verbrämten Angriffskrieg gegen den Irak, gegen die Drohnen-Hinrichtungen von Zivilisten, gegen die Vergewaltigung von Muslimen durch westliche Angriffsheere durchzuziehen.

Solange sich alle Deutschen zu solchen harmlosen Omas erklären, während sie jedoch gleichzeitig Berge von Waffen produzieren und zum Krieg gegen Muslime verkaufen, solange bin auch ich zwangsläufig als eine solche Oma zu betrachten – und warum sollten sich zum Donnerwetter zwei harmlose Omas gegenseitig erklären, die jeweils andere nicht erschlagen zu wollen? Weshalb?
Der biodeutsche Dummkopf wird das nicht verstehen, weil er es nicht verstehen will. Für ihn gelten zweierlei Maß: die muslimische Rotte und Horde ist eine, und die christliche eben nicht. Sie besteht aus prinzipiell ganz lieben Individuen und alle gegen sie ausgestoßenen Verdächtigungen und Verallgemeinerungen sind natürlich falsch. Muslime aber werden konsequent nur als „feindliche und aggressive Masse“ wahrgenommen, weil es einfach ist, weil es beim Waffenbau ein gutes Gewissen macht und weil man sich von Natur aus als überlegen empfindet.
Die Anführer der Doofen wissen das nur zu genau: in dem Moment, in dem sie den Muslimen das Stigma des „geborenen Sündenbocks“ und das Klischee des naturaggressiven Plünderers aberkennen, rollt eine große Flutwelle an Fragen und anstehenden Maßnahmen durch ihr Land – und plötzlich erscheint der überlegene Westmensch als Täter, als Verantwortlicher, als Schuldiger. Weil aber der Westler qua Geburt überlegen, weise und gut ist, solche Ideen bei ihrer blöden Klientel nicht gut ankommen, den Verlust von hunderten von Arbeitsplätzen und der ideellen Vorrangstellung bedeuten würde, belässt man diese Stigmen gern auf den Schultern der Muslime. Es tut gut, immer einen Sündenbock zur Verfügung zu haben, jemanden unter sich selbst wahrnehmen zu können und dadurch zu wissen, dass man nicht selbst das Letzte und Unterste darstellt.

Ich erhebe für mich selbst den gleichen Anspruch wie er von allen anderen Deutschen, einschließlich der Blöden von der rechtsgerichteten Front, ebenfalls gilt:
ich habe nichts gemein mit Tätern. Ich säe weder Hass noch Zerstörung, ich prügele meine Frau nicht, ich ziehe mich nicht seltsam an, ich arbeite, ich zahle jeden Steuerpfennig, ich pflege meinen Vorgarten, ich habe ein Eigenheim, ich gehe wählen und helfe (christlichen!) Omas über die Straße.
Also darf ich meinen Samstag so wie Millionen anderer Durchschnittsdeutsche auch daheim im Kreise meiner Lieben vebringen – was ich auch tat.

Ich warte auf die Großdemonstrationen, auf denen sich Deutschland solidarisch zu seinen muslimischen Mitbürgern erklärt, Muslime zu selbstverständlichem und unauflöslichem Bestandteil des Landes erklärt, sich von den widerwärtigen Stellvertreterkriegen im Nahen Osten distanziert und Waffenverkäufe dorthin vollständig unterbindet. Und auch nicht klammheimlich an Dritte liefert.

Die Kölner Demonstration, fürchte ich, hat das Gegenteil dessen bewirkt, was notwendig gewesen wäre: Muslime haben sich abgezirkelt selbst zu einem „besonderen“ Teil Deutschlands gemacht, selbst isoliert, selbst entfernt.

Advertisements

Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
Dieser Beitrag wurde unter Aberglaube, Christen, Christentum, Deutschland, Extremismus, Faschismus, Geschichte, Gesellschaft, Glaube, Islam, Islamophob, Kultur, Leben, Muslime, Naher Osten, Philosophie, Politik, Waffen, Waffenexporte, Wahl abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.