Europa – Polen sind besser als Türken!

Deutschland müht sich an Polen ab. Das Land triggert den deutschen Reuereflex ebenso routiniert und elegant an wie es Israel auch versteht. Heraus kommt dabei, dass sich beide Länder problemlos an allen Menschenrechten nach Belieben vergreifen, diese brechen und offen darüber reden können, ohne dass Deutschland auch nur Kritik übt. Von Maßnahmen, Konsequenzen, Strafen und Korrekturmaßnahmen gegen diese Länder ist weit und breit nichts zu sehen.Unsere deutsche Politik nimmt dafür auch in Kauf, dass die eigenen Staatsbürger in den betreffenden Ländern zu Schaden oder sogar ums Leben kommen. Und selbst wenn das geschieht, erstickt die deutsche Politik diese Vorkommnisse mit einer dicken Decke des eisigen Schweigens.

Jedes größere und kleinere Vergehen der Türkei wird von balkendicken Überschriften, lautem Aufjaulen, einbestellten Botschaftern und energischen Worten aus Berlin begleitet. Auf einmal sieht man die Demokratie in der Türkei in Gefahr, man ahnt einen erzkonservativen, islamischen Staat am Horizont heraufdämmern und sieht somit ganz Europa brüskiert.

Polen ist da in einer ganz wesentlich besseren Ausgangslage. Dort grassiert ein harter Rechtsradikalismus – der jedoch nirgendwo in der deutschen Politik auch nur Erwähnung findet, geschweige denn Kritik provoziert. Hier einmal ein paar Auszüge von ZEIT.de, die vom überaus freundlichen Empfang deutscher Schüler in polen handeln:

Muslimische Schüler der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule aus Berlin-Moabit sind auf einer Reise nach Polen mehrfach rassistisch beleidigt, bedroht und angegriffen worden. Das berichtet das polnische Nachrichtenportal Wirtualna Polska unter Berufung auf die Schüler und die polnische Zeitung Fakt.

Polen ist auf seinem Weg zur Rechtsradikalisierung wesentlich weiter fortgeschritten als Deutschland; dort hat man bereits einen Vorstoß hinter sich, nach welchem alle Juden des Landes namentlich in eine Liste aufgenommen und öffentlich zur Kenntnis gebracht werden sollten. Im wahrlich letzten Moment drehte die Regierung bei und bestand nicht mehr auf dieser Liste. Wahrscheinlich aber wird sie tatsächlich doch geführt.

Während sich in Deutschland wenigstens die Staatsmacht selbst noch damit abmüht, ihre eigene Rechtslastigkeit nach Möglichkeit zu verleugnen und zu verstecken, ist man in Polen bereits diesen Schritt weiter:

Demnach wurde eine kopftuchtragende Schülerin nach eigenen Angaben am 21. Juni im ostpolnischen Lublin bespuckt und beleidigt. Freunde der Muslima, die ihr helfen wollten und Streifenpolizisten auf den Vorfall aufmerksam machten, wurden demnach ignoriert. Als sie ein weiteres Kommissariat aufsuchten, um den Übergriff zu melden, seien sie für ihre Beschwerde ausgelacht worden, sagte Magdalena Zagórska, eine in Deutschland geborene Polin, die der Reisegruppe als Übersetzerin diente.

Polen agiert wie Israel: die Behörden samt all ihrer Vertreter werden künstlich aufgehetzt und zu Übergriffen geradezu ermuntert. Die Vorgesetzten eröffnen den Beamten die Möglichkeit, sich völlig frei von Verfolgungsdruck gegen andere in ihrem Hass und in ihrer Brutalität gänzlich ausleben zu können.

Eine Menschenmeute, die sich aus dummen Individuen rekrutiert, bedarf lediglich eines Startschusses, um über vermutet wehrlose Minderheiten herzufallen. Dieser Automatismus funktioniert in Israel, in Polen und er funktioniert natürlich auch in Deutschland, auch wenn die Effizienz in den Augen konservativer, deutscher Politiker durchaus noch zu wünschen übrig lässt.
In Polen und Israel aber mehren sich die Übergriffe und die Härte derselben nimmt dramatisch zu (was man von der Türkei sicherlich nicht behaupten kann!):

Wie Wirtualna Polska berichtet, waren die Vorfälle in Lublin nur ein Teil von zahlreichen rassistischen Beleidigungen und Demütigungen, denen kopftuchtragende Mädchen auf der Reise ausgesetzt waren: Während ihres Aufenthalts in Łódź wurden mehrere von ihnen beim Vorbeigehen von Passanten beleidigt. Einer der Schülerinnen wurde Wasser über ihre Kleidung und Kamera gegossen. Einer anderen wurde angedroht, dass sie Essen ins Gesicht geschmissen bekomme.

Die gezielt gewählte Wortwahl und vor allem das überaus gezielte Schweigen von Regierungen ist ein breit zu entdeckendes Aktionsmuster, mit dem Übergriffe provoziert werden können, ohne dass sie den Regierungen selbst vorgeworfen werden könnten. Nur selten schlagen Politiker dabei über die Stränge.
Israels Politiker betonen immer kurz vor militärischen Massenvernichtungsaktionen im Gaza-Streifen, dass Palästinenser "Ungeziefer" und "Schädlinge" seien, nur boshaft und niederträchtig wären und samt und sonders nur die besonders lieben und friedfertigen Juden Israels schlachten wollten. Polen kann das aber auch:

Der Parteivorsitzende der PiS, Jarosław Kaczyński, sagte, die Flüchtlingskrise käme der "Invasion" gleich. In der Vergangenheit hatte er Flüchtlinge unter anderem als "Getier" und "Lumpenpack" bezeichnet.

Aber das macht nichts.

Polnische Ausfälle und Verstöße gegen Menschenrechte sind allesamt keine, weil die EU sich davon peinlich berührt und theoretisch zur Reaktion gezwungen sehen würde, wenn man dies rechtsradikale und rassistische Wüten offiziell zur Kenntnis nähme.
Deshalb darf Israel völlig frei auch deutsche Staatsbürger töten und deshalb sind deutsche Muslime in Polen keine deutschen Staatsbürger, sondern minderwertiges Geschmeiß, an dem der eigenen Regierung (!) nichts liegt.
Berlin wird wegen dieser von vorn bis hinten missglückten und entlarvenden Reise deutscher Schüler nichts unternehmen. Es fand noch nicht einmal die Kraft, den Hinterbliebenen der ganzen, deutschen Familie, die durch israelischen Beschuss zerfetzt wurde, den Tod ihrer Angehörigen offiziell zu bestätigen. Bis heute, Jahre nach dem Vorfall, weigert sich sowohl die deutsche Regierung, als auch das Auswärtige Amt, dies zu tun.

Es gibt also Deutsche mehrerer Klassen: wer als hellhäutiger Arier mit urdeutschem Nachnamen im Ausland auftritt, hat theoretisch bei Schwierigkeiten die Möglichkeit, sich auf seine Staatsbürgerschaft zu berufen und seine Regierung zur Hilfe aufzurufen.
Wer als nicht deutlich arisch erkennbarer, deutscher Mensch mit fremd wirkendem Nachnamen im Ausland auftritt sollte hoffen, dass seine Regierung augenblicklich nicht grad ein Interesse daran hat oder haben könnte, seine Folterung, Inhaftierung und seinen Tod vollkommen zu verschweigen, unter den Tisch fallen zu lassen.
Sinngemäß das gleiche gilt für erkennbare Nichtarier mit fremd wirkendem Nachnamen, muslimischen Bekenntnisses und dem Kopftuch, nur liegt hier die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Regierung überhaupt gar nichts unternimmt oder sagt, wenn man zu Schaden kommt, bei nahezu 100 Prozent.

Nur für die Türkei gilt das alles natürlich nicht.
Hier ist die kleinste Übertretung seit Jahrzehnten schon immer ganz grundsätzlich ein "schweres Vorkommnis", ein "massives Problem" – und das zieht sich vom inhaftierten Journalisten bis hin zu kleineren Vorkommen, die in ganz Europa jeden Tag geschehen.
Gegenüber Polen äußert man immer leise "Besorgnis" – der Türkei gegenüber schreit man vor Schmerz getroffen auf und wittert die Vernichtung der Demokratie.
Israel tötet, stiehlt Land und lässt Millionen von Menschen unter ihrer illegalen (!) Knute im Gaza-Streifen unter rechtswidriger Belagerung seit Jahren leiden – aber hier äußert die Bundesregierung noch nicht einmal mehr "Besorgnis", hier weigert sie sich schlicht, die Realität offiziell zur Kenntnis zu nehmen.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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