Die Ibn-Rushd-Goethe-„Moschee“ – also mir reichts jetzt!

Es gibt ein paar Dinge, die haben das Zeug dazu, mich spontan zuerst misstrauisch zu machen und dann schwer zu verärgern. Und am leichtesten zuverärgern bin ich, wenn man mich über den Tisch zu ziehen versucht.

Als ich die ersten Hinweise darauf las, dass ein illustrer Kreis die „erste, wirklich freie!“ Moschee in Berlin gründen wolle, war ich bereits misstrauisch.
Mit wenigen Ausnahmen wurden und werden in Deutschland Moscheen gebaut und Islam-Vereine dafür von Gemeindemitgliedern gegründet. Für gewöhnlich geht alles seinen meist sehr langsamen, aber stetig beschrittenen Weg. Man stellt erst einen Bedarf fest; vielleicht bemerkt man, dass sich irgendwie immer mehr Freunde, Nachbarn, Verwandte auf den Weg zur nächstgelegenen Moschee machen und irgendwann denken sie: „Wieso nicht eine eigene in der Nähe bauen?“
Dann wird Geld gesammelt, vielleicht findet sich sogar ein Sponsor und die eine oder andere mehr oder weniger großzügige, dickere Spende. Das kann viele Jahre dauern.
Irgendwann denkt die Gemeinde, halbwegs genug zusammen zu haben, den Rest der Baukosten aus eigener Tasche und mit eigenen Muskeln zuwege zu bringen und das ist dann der Anfang vom Ende der Story, es geht dann recht schnell: man verhandelt über einen Bauplatz, feiert die Grundsteinlegung, schuftet, schachtet, baut und schleppt.
Und irgendwann ist sie dann zur großen Freude aller fertig, die Moschee.
Natürlich gibt es immer schönere, größere, reichere, kostbarere Moscheen – aber diese „Nachbarschaftsmoscheen“ erreichen immer mein Herz. Sie sind wunderschön, weil jede Fuge mit Hingabe an Allah gefüllt, jeder Pinselstrich am Ornament mit Liebe zu Allah gezogen und jeder einzelne Stein im tiefen Glauben an Allah zumeist aus eigener Tasche bezahlt und hineingeschleppt worden ist.

Wenn man dies „Gründungsmuster“ kennt und es beim Löwenanteil aller existierenden Moscheen wiederfindet, dann erweckt jede Moschee lebhaftes Misstrauen, die sozusagen aus dem Nichts heraus „mal eben“ hingeknallt und eröffnet wird. Dahinter stecken meist besondere Interessen.
Aber auch das kann völlig rechtens sein: wenn ein paar Nachbarn Teile eines großzügig geschnittenen Hauses nach geringfügigen Baumaßnahmen „auf einmal“ zu einer Moschee erklären, weil sie einem speziellen Verein, einer besonderen Schule beispielsweise angehören.

Wenn ich aber höre, dass hier Leute aus der Öffentlichkeit zusammentreten, die Eröffnung einer „wirklich freien!“ Moschee verkünden, eine GmbH gründen und kurz darauf Fotos von hochwertig und aufwendig renovierten Räumlichkeiten kursieren lassen – dann werde ich misstrauisch. Denn diese Moschee ist NICHT natürlich gewachsen, geschweige denn entstanden. Sie ist NICHT Teil einer Gemeinschaft, NICHT von Nachbarn, Verwandten und guten Freunden gegründet und gebaut. Das Geld kommt von der Bank, gehört einer Gesellschaft und die Handwerkeraufträge werden von irgendeinem Betrieb ausgeführt, der keine Ahnung, keine Leidenschaft für die Materie hat und lediglich der billigste war.

Aber Goethe! Jeder, der mich kennt, weiß um meine Goethe-Leidenschaft!
Nebenbei bemerkt habe ich bis heute keine Ahnung, wie der Name des Alten aus Weimar in diese „Moschee“ hineingeraten konnte – aber mittlerweile ist mir das auch egal.

Dann steht da federführend eine „Imamin“ mit Namen Seyran Ateş, eine Rechtsanwältin aus Berlin. Jeder Muslim, der sie nicht persönlich kennt, hängt damit womöglich schon am Fliegenfänger, weil sich ihr Name so wunderbar außerdeutsch anhört dass man meinen möchte, da könnte sich Islamkompetenz finden lassen.
Wie enttäuschend, dass grad das Gegenteil die Wahrheit ist.
Ateş hat nach eigenen Angaben unter dem Islam kaum weniger gelitten als Hamid Abdel-Samad, dessen Schilderungen seines (angeblichen?) Leidens- statt Lebensweg unglaublich lukrativ für ihn ausgefallen waren. Was will der Ärmste nicht alles durchgestanden haben! Angeblich als Junge mehrfach von älteren Jungs vergewaltigt, vom Vater, der Imam sei oder gewesen sei, regelmäßig verprügelt worden und nichts als Unbill, Schmerz, Enttäuschung und Strafe will er vom Islam erlebt haben. Ateş schwadroniert ebenfalls von einer Kindheit und Jugend der Erniedrigung im Islam und pflegte reichlich Kontakte zu Islam-„Kritikern“ vom Range eines Abdel-Samad.

Nach eigenen Angaben sind in dieser „Moschee“ Kopftuchträgerinnen „nicht willkommen“ und Niqab-Trägerinnen haben sogar tatsächlich Eintrittsverbot. Das ist, vorsichtig ausgedrückt, höchst unislamisch! Selbst wenn man als Muslim und/oder Muslimin beide Kleidungsstücke ablehnt, dürfen sie nicht zum trennenden Merkmal gemacht werden, mit denen man den einen Muslimen den Eintritt in eine Moschee gewährt und den anderen verbietet – wo kämen wir denn da hin? Was wäre das für ein Islam? Eine solche Religion, in der solches verlangt würde, würde ich SOFORT verlassen!
Spirituell halte ich diese Herangehensweise nicht nur für höchst problematisch, sondern sogar für besonders verwerflich und entlarvend. Selbst wenn man der Meinung wäre, dass diese Kleidungsstücke abgeschafft gehören würden, müsste man selbstverständlich (!) Trägerinnen Einlass gewähren, denn nur in der Schutzzone einer Moschee kann man die Menschen erreichen und ihnen Argumente entgegenbringen. Wer sich mit dem Staat gemein macht, der die Kleidungsstücke mit blöden Gesetzen und roher Gewalt von den Körpern reißen will, der schlägt natürlich alle Türen zu, verhindert Dialoge und macht das Problem in aller Regel nur noch größer und schwerer.

Jetzt bleibt nicht mehr viel von dieser Moschee übrig, die eigentlich nur eine „Moschee“ ist.

Ich habe Myriaden schwerer und schwerster Vorwürfe aus der muslimischen Welt gegen die Betreiber mitbekommen – und schließe mich ihnen an.
Diese „Moschee“ ist ein künstliches, trojanisches Pferd; gesattelt von verkappten Islam-„Freunden“ (um mich um die Vokabel „Muslim“ herumzumogeln), die mit ihrem merkwürdigem Gehabe schweren Schaden in die Welt der deutschen Muslime tragen und erschreckend ist, dass genau dies das Ziel von Ates zu sein scheint.

Ich weiß nicht, was das für ein seltsamer Verein und für ein komischer Raum ist, der den Namen Goethe so missbraucht, weil grad dieser Mann zeit seines ganzen Lebens mit großer Leidenschaft für den Islam geworben und sich für die freundliche Aufnahme von Muslimen in Deutschland so engagiert eingesetzt hatte. ER war es, der so unendlich fasziniert von den Qualitäten des Islam war, dass er eigens zur Anfertigung einer der ersten, ernstzunehmenden Qur’an-Übersetzungen die arabische Sprache erlernt hatte.

Goethe würde sich im Grabe herumdrehen wenn er mitbekäme, was heute für ein unerträglicher Schindluder mit seinem Namen getrieben wird.
Der nächste Missbrauchte heißt Ibn Rushd. Über ihn steht in Wikipedia nachzulesen:

In Koran-Versen wie »Denkt nach, die ihr Einsicht habt!« findet Ibn Ruschd nicht nur die Aufforderung an die Muslime, über ihren Glauben nachzudenken, sondern auch, die bestmögliche Beweislage für ihr Denken zu finden, und diese sieht er eindeutig in der Philosophie und zumal in der aristotelischen Beweisführung gegeben.

„Denkt nach, die Ihr Einsicht habt!“ und „Schaut doch hin, wollt Ihr die Zeichen nicht erkennen?“ und „Wollt Ihr nicht sehen?“

Ibn Rushd, den man Averroes nannte und der der erste, methodisch arbeitende Mediziner nach Avicenna war, der ebenfalls muslimischer Gelehrter war. Ibn Rushd beeinflusste mit seinen Standardwerken die gesamte, bis dahin bekannte Medizin. Er würde sich gleichermaßen entsetzen, wenn er auf diese komische „Moschee“ blickte, deren philosophische Verkrüppelung mit seinem Namen unkenntlich gemacht werden soll.

Beinahe halte ich selbst die Benennung dieser „Moschee“ für eine recht hässliche Beleidigung des Islam und der leider längst verstorbenen und daher wehrlosen Personen, deren Namen man darüber gezogen hat.

Advertisements

Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
Dieser Beitrag wurde unter Abdel-Samad, Aberglaube, Deutschland, Extremismus, Gesellschaft, Islam, Kultur, Moschee, Philosophie, Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.