Israel & Türkei – Todesstrafe für die „Demokratie“

Die Schreierei in Europa wegen der angekündigten Wiederaufnahme der Todesstrafe in der Türkei sprach Bände. Die Schreierei entstand nicht etwa wegen der Todesstrafe, sondern nur, weil es die Türkei ist, die sie erneut als Bestrafungsmittel installieren will.Kaum, dass sich die Politik Europas heiser geschrien hat, zog Israel genau mit der gleichen Absicht nach – auch wenn die Dinge hier durchaus ein wenig anders liegen.

Benjamin Netanyahu verlangt die Wiedereinführung der Todesstrafe, wenn auch allerdings nur für Terroristen, die meistens nur "Terroristen" sind, weil sich die israelische Wortdefinition für "Terroristen" etwas anders liest als für den Rest der Welt.
Israel ist sich in diesem Punkt mit der arabischen Welt einig: Kritik an der Regierungsführung ist zwar keineswegs Terrorismus (sondern freiheitliche Demokratie), aber sehr wohl "Terrorismus". Alles, was in- und außerhalb Israels Gegenwehr gegen die israelische Regierung übt, wird als "Vaterlandsverräter" und "Terrorist" bezeichnet.
Man wird die Uhr danach stellen können: recht bald werden Mitglieder von B’Tselem, Break The Silence und BDS nebst einigen palästinensischen Vereinigungen als "Terroristen" bezeichnet werden.

Israels Wahrheitsverdrehung und dessen Umdefinierung der Welt hat eine lange Geschichte; nach dieser ist der israelische Soldat, der einem wehrlosen Palästinenser ohne jede Not (-Wehr) einfach in den Kopf geschossen hatte, natürlich keinesfalls ein "Killer", sondern ein "Held".
Wenn israelische Soldaten, wie dutzendfach geschehen, Kinder von der Straße fangen und als lebende Schutzschilde vor sich her schieben, dann ist das nie geschehen. Wenn sie aus großer Entfernung arglosen Jugendlichen eine Kugel in den Rücken jagen, dann ist das einfach nicht wahr. Und wenn Soldaten aussagen, dass sie Befehl dazu erhalten haben, gezielt auf Frauen und Kinder zu schießen, dann ist das Verleumdung. Wenn israelische Raketen auf spielende Kinder gefeuert werden, so waren das natürlich "erwachsene Terroristen", die soeben einen Angriff vorbereiten wollten – und all das waren diese Kinder natürlich auch, als vier ausländische Journalisten, die das Geschehen persönlich beobachtet hatten, das Gegenteil offen aussagen.

Aber wenn Israel die Todesstrafe einführt, dann ist das hier nur wenige Zeilen, auf keinen Fall aber einen (womöglich sogar noch ablehnenden!) Kommentar wert.

In der Türkei ist das natürlich etwas ganz anderes. Die Todesstrafe würde, ganz entgegen jeder Absichtserklärung Israel gegenüber, Verhandlungen und Vereinbarungen mit der Türkei für die EU bis zur Unerträglichkeit erschweren und während Israel mit deutschen Waffen beliefert wird (für seinen Kampf gegen seine "Terroristen"), stößt man die Türkei wegen der gleichen Ankündigung wütend und brutal zurück.

Das ist ja auch was anderes. Natürlich.

Im Jahr 2014 vernichtete Israel durch gezielten Beschuss eines Wohnviertels eine ganze, deutsche Familie. Das war der Bundesregierung peinlich. Sie saß das, eisern schweigend, aus.
Im Jahr 2017 verhaftete die Türkei einen deutschen Journalisten. Das macht die Bundesregierung böse. Sie hob ein furchtbares Geschrei an.
Israel erschoss zehn Aktivisten der Aktion "Freedom Flotilla" gezielt auf offener See. Die Bundesregierung kommentierte dies gar nicht.
Die Türkei bestrafte Israel mit dem Abbruch diplomatischer Beziehungen und übte harsche, offene Kritik – als einziger Staat auf der Welt. Die Bundesregierung kritisierte daraufhin die Türkei, nicht etwa Israel.

"Wenn zwei das gleiche tun, ist’s noch lange nicht dasselbe!" – sagt der Volksmund.

Natürlich ist es das nicht. Wann hätte man je gesehen, dass sich ein Sündenbock, der mit allen fremden Sünden beladen zum Stadttor zum Sterben hinaus in die Wüste gejagt werden soll, vor dem Tor noch einmal umdreht und gesagt hätte: "Ich gehe. Aber das, was ihr mir aufgeladen haben wollt, liegt noch immer auf euren Schultern. Schwerer und größer geworden durch meinen Tod."

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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