Israel – Endzeitstimmung

Das ganze Ausmaß der Verkommenheit, des Zerfalls, des Verfalls und des moralischen Niederganges Israels wird jetzt erst nach und nach deutlich.Es ist ja nun keineswegs so, dass die einzelnen Vorwürfe, die der Regierung in Person ihres Ministerpräsidenten zu machen sind, allesamt völlig neu wären. Im Gegenteil ist seit nunmehr Jahren ein ungeheures Potenzial an niedrigsten Instinkten bemerkbar, mit denen die Regierung insgesamt programmatisch agiert.

Rassistischer und faschistischer Hass ist die heiße Nähnadel, mit der die Regierung die Bevölkerung in Atem hält. Nur bleibt diese Politik keinesfalls ohne Folgen, die sich im Innenverhältnis auftun. Etliche Mitglieder der Netanyahu-Regierung sind Vorwürfen der Korruption, sexueller Belästigung, Vergewaltigung und anderer Formen offenen Rechtsbruchs ausgesetzt. Sie reden, handeln und schreiben, als gäbe es kein Morgen. Als wüssten sie, dass es in näherer Zukunft zuende geht. Dass es einen „Staat Israel“ nach heutigem Zuschnitt nicht mehr geben wird – ob er nun durch Kriege eingeäschert oder auf dem Verhandlungswege nachhaltig umgebaut wird.
Endzeitstimmung.
Im Führerbunker scheinen sich kurz vor dem endgültigen Ende ähnliche Szenen abgespielt zu haben. Eva Braun ertrank beinah in Strömen von Alkohol, zahllose, standrechtliche Erschießungen fanden statt, vollkommen kranke Durchhalteparolen wurden emittiert und eine grandiose Partystimmung machte sich unter denen breit, die wussten, dass sie sehr bald tot sein würden.

Netanyahu sitzt nicht in einem Bunker.
Was er aber tut, getan hat und heute nur deshalb peinlich findet, weil die Fakten ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben, ist schon recht heftig.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung)

Der erste Halbsatz kann ja noch belustigen … meine Güte … das ist schon vielen passiert:

„Ende Juli löste Sohn Yair einen kleinen Skandal aus, als er sich weigerte, das Häufchen des Familienhundes Kaiya einzusammeln, … „

Der zweite Teil des gleichen Satzes ist schon nicht mehr so lustig:

“ … am Mittwoch verhörte die Polizei Netanjahus Frau Sara wegen Missbrauchs öffentlicher Gelder.“

… und der übernächste Satz beschreibt den aktuellen, von allen „Freunden“ Israels eiskalt totgeschwiegenen Skandal:

In der Nacht zum Freitag wurde ein Dokument öffentlich, laut dem die Polizei ein Gericht darüber informierte, dass sie Netanjahu in zwei Korruptionsfällen nun als Verdächtigen führt.

Es ist beinahe lustig: Damit es die Strafverfolgung in Israel einfacher hat, wurden die einzelnen Fälle, die gegen Netanyahu zur Anklage führen, in eine tabellentaugliche Benennung eingebracht: man spricht von „Fall 1000“, „Fall 2000“ und „Fall 3000“.
Na. Wenigstens der administrative Ordnungssinn in Israel funktioniert noch – auch eine Erbschaft von den Nazis. Die hatten zur administrativ effizienten Vernichtung von Juden eigens Lochkarten und automatische Datenverarbeitung eingeführt.

Obschon selbstverständlich alle Lebensaspekte der Staatsoberhäupter, die augenblicklich diskreditiert werden, gezielt in aller Öffentlichkeit angespitzt diskutiert werden, bleibt dies im Falle Netanyahu natürlich vollkommen aus.
Das funktioniert seit vielen Jahren. Die Korruptionsvorwürfe sind ja nicht neu. Es sind ja auch überzeugende Beweise für die Annahme aufgetaucht, dass Netanyahu gezielt den Service als Gegenleistung für seine Wünsche angeboten hat, für bestimmte Projekte und Vorhaben ganz gezielt und ganz nach Wunsch die maßgebliche Presse Israels und außerhalb zu beeinflussen. Presse ist für Netanyahu ein käuflicher und programmierbarer Service.
Seit langer Zeit existieren massive Indizien dafür, dass auch der U-Boot-Deal mit Deutschland reichlich Geld in seine privaten Taschen spülte.

Natürlich ist folgender Gedanke nicht nur statthaft, sondern zwingend vorgegeben:
Ist es möglich, dass Netanyahu auf breiter Front an den Auseinandersetzungen mit Palästina und der arabischen Welt persönlich verdient – und aus persönlichem Gewinnstreben gezielt Hass, Zerstörung, Kriege und Schießereien lanciert?
Auf jeden Fall, weil ganz trivial in Sekundenschnelle bewiesen und erkannt, folgt Netanyahu schon lange keinen eigenen Ideen mehr; die extrem rechtslastige und seitens der Mehrheitsverhältnisse in der Knesset höchst wackelige Regierungsmehrheit verträgt keine liberalen, friedlichen, demokratischen und rechtsstaatlichen Erschütterungen. Seine Koalition verlangt öffentliche wie offene, aus rassistischen Gründen heraus erfolgende Tötungen und Zerstörungen. All die tödlichen Übergriffe reichen seiner Koaltion lange nicht weit genug; wenn etwa zwei Palästinenser erschossen worden sind, hätten es nach dem Willen seiner Koalitionäre wesentlich mehr sein müssen. Im Grunde muss man sagen, dass Netanyahu mit dem Hass, den er auf die Straße bringt, die Abwicklung noch viel größerer, effizienterer und brutalere Vernichtungsaktionen verhindert.

Ich weiß nicht, ob wir über ein „Trump-Phänomen“ reden müssen, das Netanyahu für sich umsetzt oder ob der US-Spinner doch nur die wesentlich ältere „Netanyahu-Agenda“ für sich umgemünzt hat – richtig jedenfalls ist eines: keiner von beiden muss Angst haben.
Trump wird von ebenso willfährigen wie demokratisch nutzlosen und humanistisch minderwertiger Politikern gestützt, gegen jeden Verstand geschützt wie Netanyahu auch. Letzterer kann für sich sogar in Anspruch nehmen, dass sein Kerbholz auch von seinen „Freunden“ weltweit unter dem Mantel des eisigen Totschweigens versteckt wird.

„Bereits im Frühjahr hatte ein Vertrauter Netanjahus angekündigt, dass dieser sich von möglichen Prozessen nicht beeindrucken lassen werde. Der Premier habe „keine Absicht zurückzutreten, selbst wenn er angeklagt wird“, sagte im März David Bitan, Abgeordneter der Likud-Partei.

Niemand wird Netanyahus Vergehen und Verbrechen je öffentlich kritisieren oder disktutieren. Es findet hier auch tagesaktuell NIRGENDWO (!) seitens der Politik kritische Erwähnung, dass er ungeliebte Pressebüros wie Al-Jazeera einfach schließt, um sein Wahrheitsmonopol weiter auszubauen. Berichterstattung aus Israel ist ganz generell ein Problem, kritische Berichterstattung ist in Israel grundsätzlich immer sehr gefährlich. Deshalb kann Netanyahu auch diese Welle von Vorwürfen und Anklagen schadlos überstehen, auch wenn es sehr zynisch wirkt, wenn er dies in der Form öffentlich erklärt. Er kann sogar in aller Öffentlichkeit Mörder zu ihrer Tat beglückwünschen.

Während Premier Erdogan es breit und global diskutiert findet, ob er nun fünf oder doch sechs Minuten auf Toilette war, dürfte Netanyahu wohl straflos und unter lautem Beifall auf offener und belebter Straße zur besten Geschäftszeit eigenhändig palästinensische Babies erwürgen, während er rassistische Kommentare brüllt wie „Vergast alle Araber!“ – und doch würden seine „Freunde“ immer nur sofort behaupten, dass das Baby ein Terrorist war und Netanyahus Rufe nur ein Irrtum. Die Bilder davon wären im Handumdrehen umgemünzt und trügen als Unterschrift: „Benjamin Netanyahu beschützt den Frieden in der Region eigenhändig!“ oder „Benjamin Netanyahu bei der Abwehr eines Terroranschlags!“

Im Namen des deutschen Volkes wird seitens Berlin eine schützende Hand über dieses Israel gehalten und im gleichen Namen wird es aufmerksam mit Waffen und Geld bedient – ganz egal, was Benjamin Netanyahu auch immer tut.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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