Essensgäste

Als einer von wohl eher wenigen Menschen kenne ich keine sonderliche Angst gegen Insekten, auch nicht gegen haarige und stachelbesetzte. Irgendwie habe ich Hummeln sogar in mein Herz geschlossen; wenn ich ihr tiefes Brummen im Frühjahr meist noch vor den Bienen höre, freue ich mich auf Sonne. Als wenn ich es geahnt hätte, pflanzte ich vor Jahren ein köstliches Buffet für unsere Gartengäste: einen reich blühenden Hibiskus.

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Ich habe diese Dame hier keineswegs gestört. Ihre Lieferung wird erwartet, sie hat keine Zeit und wohl auch nicht für einen Pausentee zum Pollen.

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In Käferkreisen kann man es augenscheinlich ruhig angehen lassen. Dieser hier jedenfalls genießt das Schaukeln der Blüte im Wind und lässt sich die Sonne auf den Panzer scheinen.

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Diese Dame hält mich argwöhnisch im Blick. Ihr steht der Sinn wohl weniger nach der Süße der Blüte, sondern vermutlich mehr nach den Fliegen, die den Busch ebenfalls umsurren.

Unser Garten ist ein halbwilder. Er kennt „Unkraut“, er kennt auch kleine Mistecken mit Pflanzen, die sich ihren Standort selbst bei uns gewählt haben. Das beschert uns nahezu pausenlos Besuch. Und am späten Abend ist die Zeit der Fledermäuse angebrochen und sie ziehen ihre völlig geräuschlosen Kreise über unserem Rasen.

Wie oft sitze ich auf meinem Stuhl und blicke in unseren Garten … der irgendwie eigentlich keiner ist. Er ist wie wir: einladend. Ursprünglich einladend. Und dann danke ich Allah für all die Schönheit, mit der Er mich umgibt und beschenkt. Was wäre auch schon eine geleckte Anlage mit preiswürdiger Rose gegen eine zufriedene und glückliche Fledermaus … ?

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Israel & Türkei – Todesstrafe für die „Demokratie“

Die Schreierei in Europa wegen der angekündigten Wiederaufnahme der Todesstrafe in der Türkei sprach Bände. Die Schreierei entstand nicht etwa wegen der Todesstrafe, sondern nur, weil es die Türkei ist, die sie erneut als Bestrafungsmittel installieren will.Kaum, dass sich die Politik Europas heiser geschrien hat, zog Israel genau mit der gleichen Absicht nach – auch wenn die Dinge hier durchaus ein wenig anders liegen.

Benjamin Netanyahu verlangt die Wiedereinführung der Todesstrafe, wenn auch allerdings nur für Terroristen, die meistens nur "Terroristen" sind, weil sich die israelische Wortdefinition für "Terroristen" etwas anders liest als für den Rest der Welt.
Israel ist sich in diesem Punkt mit der arabischen Welt einig: Kritik an der Regierungsführung ist zwar keineswegs Terrorismus (sondern freiheitliche Demokratie), aber sehr wohl "Terrorismus". Alles, was in- und außerhalb Israels Gegenwehr gegen die israelische Regierung übt, wird als "Vaterlandsverräter" und "Terrorist" bezeichnet.
Man wird die Uhr danach stellen können: recht bald werden Mitglieder von B’Tselem, Break The Silence und BDS nebst einigen palästinensischen Vereinigungen als "Terroristen" bezeichnet werden.

Israels Wahrheitsverdrehung und dessen Umdefinierung der Welt hat eine lange Geschichte; nach dieser ist der israelische Soldat, der einem wehrlosen Palästinenser ohne jede Not (-Wehr) einfach in den Kopf geschossen hatte, natürlich keinesfalls ein "Killer", sondern ein "Held".
Wenn israelische Soldaten, wie dutzendfach geschehen, Kinder von der Straße fangen und als lebende Schutzschilde vor sich her schieben, dann ist das nie geschehen. Wenn sie aus großer Entfernung arglosen Jugendlichen eine Kugel in den Rücken jagen, dann ist das einfach nicht wahr. Und wenn Soldaten aussagen, dass sie Befehl dazu erhalten haben, gezielt auf Frauen und Kinder zu schießen, dann ist das Verleumdung. Wenn israelische Raketen auf spielende Kinder gefeuert werden, so waren das natürlich "erwachsene Terroristen", die soeben einen Angriff vorbereiten wollten – und all das waren diese Kinder natürlich auch, als vier ausländische Journalisten, die das Geschehen persönlich beobachtet hatten, das Gegenteil offen aussagen.

Aber wenn Israel die Todesstrafe einführt, dann ist das hier nur wenige Zeilen, auf keinen Fall aber einen (womöglich sogar noch ablehnenden!) Kommentar wert.

In der Türkei ist das natürlich etwas ganz anderes. Die Todesstrafe würde, ganz entgegen jeder Absichtserklärung Israel gegenüber, Verhandlungen und Vereinbarungen mit der Türkei für die EU bis zur Unerträglichkeit erschweren und während Israel mit deutschen Waffen beliefert wird (für seinen Kampf gegen seine "Terroristen"), stößt man die Türkei wegen der gleichen Ankündigung wütend und brutal zurück.

Das ist ja auch was anderes. Natürlich.

Im Jahr 2014 vernichtete Israel durch gezielten Beschuss eines Wohnviertels eine ganze, deutsche Familie. Das war der Bundesregierung peinlich. Sie saß das, eisern schweigend, aus.
Im Jahr 2017 verhaftete die Türkei einen deutschen Journalisten. Das macht die Bundesregierung böse. Sie hob ein furchtbares Geschrei an.
Israel erschoss zehn Aktivisten der Aktion "Freedom Flotilla" gezielt auf offener See. Die Bundesregierung kommentierte dies gar nicht.
Die Türkei bestrafte Israel mit dem Abbruch diplomatischer Beziehungen und übte harsche, offene Kritik – als einziger Staat auf der Welt. Die Bundesregierung kritisierte daraufhin die Türkei, nicht etwa Israel.

"Wenn zwei das gleiche tun, ist’s noch lange nicht dasselbe!" – sagt der Volksmund.

Natürlich ist es das nicht. Wann hätte man je gesehen, dass sich ein Sündenbock, der mit allen fremden Sünden beladen zum Stadttor zum Sterben hinaus in die Wüste gejagt werden soll, vor dem Tor noch einmal umdreht und gesagt hätte: "Ich gehe. Aber das, was ihr mir aufgeladen haben wollt, liegt noch immer auf euren Schultern. Schwerer und größer geworden durch meinen Tod."

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Israel – und die konditionierte, deutsche Presse

Eine Stichprobe quer durch die deutsche Medienlandschaft hat einen Anfangsverdacht erhärtet: die deutsche Presse hat sich vermutlich verabredet, bestimmte Fakten in Bezug auf die Krise und Eskalation am haram al-Sharif ("Tempelberg") vollständig zu unterdrücken.Mitunter muten die Veröffentlichungen demjenigen, der ein wenig von der Materie versteht, unfreiwillig komisch an; manche Sätze wirken derart verrenkt, dass man den Rotstift des Chefredakteurs direkt vor Augen sieht.

(Quelle, als Beispiel: DIE ZEIT)

Lissy Kaufmann berichtet für DIE ZEIT aus Tel Aviv, und sie tut das ganz im Sinne der deutschen Bedürftigkeit und "rein zufällig" auf eine Art und Weise, die dem deutschen Bundeskanzler- und Außenamt wohlgefällig sein muss.
Wir erinnern uns: sowohl dem Bundeskanzler- als auch dem Außenamt war der Umstand, dass eine komplette, deutsche Familie (ja, mit deutschen Pässen!) beim letzten Massaker der Israelis im Gaza-Streifen durch israelischen Artilleriebeschuss eines Wohngebietes zerrissen worden ist, höchst unangenehm. Das war 2014. Bis heute, drei Jahre später, haben es die genannten Behörden unterlassen, die restlichen Familienmitglieder in Deutschland über den Tod ihrer Angehörigen in Kenntnis zu setzen. Das ist ein schwerer Bruch aller Usancen – und ohne Beispiel.
Ursache dafür war, dass es der Bundeskanzlerin ungeheuer unangenehm gewesen wäre, bei offiziellem Zurkenntnisnehmen dieser Todesfälle ihrer Landsleute in Israel mit Forderungen und Kritik vorstellig zu werden.

Aber Lissy Kaufmann erspart dem Bundeskanzleramt solche Sorgen. Ihre "Bericht"-Erstattung ist derart verrenkt und daher beinahe sachlich falsch, dass kaum noch jemand Anstoß daran nehmen kann, wenn er kein gutes Wissen zur Lage mitbringt.

Kaufmann arbeitet durchaus geschickt. Sie versteht es, einen politischen in einen religiösen Konflikt umzumünzen und zugunsten religiöser Schreierei internationale, nüchterne Verträge in ihrer Existenz vollkommen zu unterdrücken:

Doch wer die Region kennt, weiß, dass die Reaktionen der Muslime zu erwarten waren, wenn auch nicht unbedingt in der Härte, in der sie sich zeigten.

Es dreht sich hier schwerpunktmäßig überhaupt nicht um Religion – und so ist der Bezug auf "Muslime" einerseits sachlich ganz einfach falsch und andererseits nur Ausdruck für den Versuch, der Auseinandersetzung eine größere Portion Irrationalität zu verpassen, die auch gleich den Muslimen zugeschrieben wird. Nirgendwo etwa erwähnt Kaufmann, dass es extremistische Juden in der jüngeren Vergangenheit waren, die absichtsvoll geltende Verträge brachen und dadurch provozierten.

Kaufmann baut diesen Gedanken genüsslich aus:

Denn jede noch so winzige Veränderung am Tempelberg, diesem religiös höchst umstrittenen Ort, kann die Massen auf die Straßen treiben.

Sie baut ganz einfach auf den Vertrauensbonus, den Deutschland Israel entgegenbringt; der wird ja auch nicht zuletzt dadurch valide und stark gehalten, dass Israel keine einzige Gelegenheit verabsäumt Deutschland an seine historische Schuld zu erinnern. Die Wunde soll bluten.
In deutschen Köpfen soll sich die Idee einbrennen, das alles immer gut ist, was Israel tut. Dass israelische Politiker, ob sie auch durch Vergewaltigungen und Korruption in die Schlagzeilen geraten, grundsätzlich immer integere Leute sind, die nichts als alles Gute für alle wollen.

Und dann raunt Kaufmann etwas ganz Geheimnisvolles:

Der Berg, auf dem heute die Al-Aksa-Moschee steht, ist der drittheiligste Ort der Muslime. Sie sehen in den Metalldetektoren eine Verletzung des fragilen Status quo.

Huch! Ein "fragiler Status quo"!
Was sie wohl damit meint?
Erstens: was macht diesen rätselhaften "Status quo" wohl "fragil"? Könnte es wohl doch sein, dass die Nerven der Palästinenser, denen dieser Ort vertraglich zugestanden ist und der unter der Hoheit Jordaniens steht, wegen wiederholter Angriffe durch extremistische Juden blank liegen? Ist das die Antwort auf die Frage, weshalb die Lage dort "fragil" sein könnte? Kaufmann beantwortet uns diese Frage lieber nicht; sie baut offensichtlich darauf, dass kaum ein Leser die genaue Geschichte, die Verträge und den Charakter des israelischen Vorgehens kennt.

Und was ist denn der "Status quo"?
Möchte DIE ZEIT und mit ihr Kaufmann, dass ihre Leser verstehen sollen, dass die Muslime nur aufgrund der großen Gnade Israels überhaupt Zutritt INNERHALB ihres eigenen Territoriums erhalten? Ich vermute eher, Kaufmann erklärt das verschwurbelte "Status quo" zur rosa Schmusedecke mit der erstickt werden soll, dass hier Israel den aggressiven Ton hereinbringt und permanent geltendes Recht bricht. Wenn "Status quo" bedeuten soll: "Freut euch, dass wir euch überhaupt in eure eigene Stadt lassen!", dann leistet Kaufmann Israel einen Bärendienst.

Selbst dem israelischen Geheimdienst Shin Bet ist zwischenzeitlich klar geworden, dass Israels Aktionen gegen den Gaza-Streifen und die Palästinenser nur noch sehr schwer und oftmals gar nicht mehr der Welt zu verkaufen sind. Alle Beteiligten ahnen längst, dass die Stunde der Wahrheit immer näher rückt, die Kritik an Israels Rassismus immer lauter wird und alle Tarnungs- und Täuschungsversuche ihr Ende finden.

Vertreter der Waqf hatten in den Tagen vor der Entscheidung bereits deutlich gemacht, dass sie sich auch mit neuen Sicherheitsmaßnahmen am Tempelberg nicht zufriedengeben werden.

Hier soll die Idee in den Köpfen der Leser geboren werden: "Meine Güte! Immer diese Palästinenser! Was wollen die denn jetzt noch?"
Und genau dieser Leser soll keineswegs auf die Idee kommen, dass da vielleicht Israel schuld an der Situation und der Aggressor ist.

Das mediale Verrenken der Lage zugunsten Israels (und, im vorliegenden Fall eben auch Deutschlands!) nimmt sogar noch weitaus groteskere Züge an:

Israel ist einen Schritt in Richtung Deeskalation gegangen – und hat parallel dazu in der Nacht zum Dienstag eine diplomatische Krise mit Jordanien abgewendet: Dort hatte am Sonntag ein israelischer Wachmann der Botschaft in Amman einen jordanischen Angreifer erschossen, ein weiterer Jordanier kam bei dem Vorfall ums Leben.

"Israel ist einen Schritt in Richtung Deeskalation gegangen" – wow. Das liest sich, als hätte da jemand die Aggession eines anderen beschwichtigt. Dabei ist das exakte Gegenteil der Fall. In den letzten Monaten reiht sich eine schwere Provokation an die nächste; der Übergriff auf den "Tempelberg" reiht sich da nur als eine von vielen Aktionen Israels ein.
Da sollen alle islamischen Gebetsrufe wegen des "Lärms" verboten werden, gleichzeitig aber ziehen Gruppen religiöser Juden durch die Städte und stoßen laut in ihre Hammelhörner. Da wird Palästinensern das Zeigen und Tragen ihrer Fahne strikt untersagt, man ebnet einen historisch höchst interessanten und islamisch bedeutenden Friedhof ein, trägt Sorge dafür, dass die Knochen möglichst entweder vernichtet, in den Müll geworfen, oder achtlos durcheinander in ein paar Kartons geworfen werden – diese Botschaft war Israel besonders wichtig, weil sie die Überreste historisch sehr bekannter, islamischer Persönlichkeiten direkt betraf. Um das Maß voll zu machen und ein Optimum an Zynik dabei an den Tag zu legen, baute man ein jüdisches Museum und einen Parkplatz auf die Fläche.

Einer der erschossenen Jordanier ist ausweislich seiner Geschichte, des Grundes seines Dortseins und der Aussage seines Vaters keinesfalls eines Anschlags auf einen israelischen Soldaten schuldig, und daraus resultierte die Verhärtung im Verhältnis zwischen Israel und Jordanien. Der Vater des Erschossenen drängt auf eine unabhängige Untersuchung, er fordert Aufnahmen von Überwachungskameras ein. Er wird sie wohl nie bekommen.
Israel mag das nicht. Es hat Angst vor Kameras. In einem reportierten Fall überfielen israelische Soldaten den Inhaber eines Shops, an dessen Außenwand eine solche Kamera hing und die theoretisch die willkürliche Erschießung von mehreren palästinensischen Jugendlichen hätte beweisen können. Dumm daran waren gleich mehrere Dinge: zum einen verfügte der Shop auch im Inneren über eine solche Kamera, und die zeichnete die Bedrohung und das Verprügeln des Shopbesitzers auf. Die Aufnahmen, deren Herausgabe die Soldaten erzwingen wollten, waren nicht mehr verfügbar, weil sie rechtzeitig gesichert werden konnten und sich nicht mehr im Zugriff der Soldaten oder des Shopbesitzeres selbst befanden.
Anhand dieser Aufnahmen fertigten Londoner Forensiker ein Gutachten an und enttarnten einen israelischen Soldaten, der allerdings tatsächlich zumindest einem Jugendlichen absichtsvoll und gezielt auf große Entfernung in den Rücken geschossen hatte. Die gleichen Aufnahmen machten auch alle Ausflüchte unmöglich, der Jugendliche sei vielleicht aggressiv gewesen und/oder hätte jemanden oder etwas angegriffen. Man sieht ihn auf dem Film gemächlich schlendern, als ihn die feige Kugel traf.

Die Journalisten Lissy Kaufmann und ihr Arbeitgeber, DIE ZEIT, sind beileibe keine unrühmlichen Ausnahmen, sondern im Kreis höherrangiger, deutscher Medienvertreter in bester Gesellschaft. Die Haltung, den wahren Status und die permanenten Verbrechen Israels nach Kräften zu tarnen, eint sie alle.
Und kaum jemand von ihnen versteht, dass die Tage bald enden werden, an denen das (noch) den gewünschen Erfolg hatte. Den Preis dafür zahlen dann Zehntausende Araber und Tausende von Israelis.

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Türkei – Der Brief unseres Außenministers Gabriel an türkische Mitbürger

Dieser Brief ist ein sehr wertvolles Zeitdokument, dessen tiefere Bedeutung erst im Kontext mit den Aktionen der Bundesregierung deutlich wird. Im Grunde halte ich diesen Brief für ebenso sehr faszinierend wie maximal verstörend und im Grunde macht er mir sogar ein wenig Angst.Warum?
Weil ich mittlerweile nicht mehr erkennen kann, ob die Bundesregierung tatsächlich im Zustande geistiger Umnachtung verhaftet ist, oder die Aussagen in diesem Brief sogar wirklich ernst meint. Letzteres wiederum spräche aber auch wieder für die geistige Umnachtung.

Sehen wir uns das berühmte Pamphlet an:

Liebe tür­ki­sche Mit­bür­ger

… da geht es schon los: diese Bundesregierung hat ihre türkischen Mitbürger überhaupt nicht lieb. Sie reduziert ihre Präsenz in muslimischen bzw. türkischen Gemeinden Deutschlands auf werbe- wie wahlwirksame Auftritte und latscht immer kurz vor Wahlen grinsend und winkend durch eine Moschee, säuft den angebotenen Tee und flüchtet dann in ihrer Panzerlimousine bis zum nächsten Wahlkampfauftakt.

ich möch­te mich – auch im Namen der ge­sam­ten Bun­des­re­gie­rung – in die­ser Form an Sie wen­den.

Das ist eine wichtige Wendung! Gabriel verhaftet für seinen Brieftext die Bundeskanzlerin, seine komplette Fraktion und damit die Bundesregierung gleich mit. Unter diesem Licht muss der Brief gelesen werden; niemand aus Berlin hat mehr eine Fluchtmöglichkeit.

Wir wol­len Ihnen des­halb sagen: Die Freund­schaft zwi­schen Deut­schen und Tür­ken ist ein gro­ßer Schatz.

Das ist eine glatte Lüge.
Über Jahrzehnte machte sich die Bundesregierung zum Wort- wie Rädelsführer innerhalb der EU, der Türkei mit immer neuen Forderungen und Klagen aus ihrem Mitgliederkreis fernzuhalten. Während man sich über „Prozentpunkte“ beklagte, die die Türkei bei der Erreichung abgeforderter Reformziele noch trennte, begrüßte man die Aufnahme von osteuropäischen Staaten, deren Lage und Situation um ein Vielfaches ärger war und ist als die Türkei zu Beginn ihrer Reformtätigkeit aufzuweisen hatte.
Aus Fragen der Wählermanipulation verweigerte man der Türkei den Zutritt; es galt, lieber viele Millionen intellektuell zurückgebliebener, rechtsgerichteter Wähler im eigenen Land zu keilen, als einen politisch wie wirtschaftlich und sozial wichtigen Schritt mit der Aufnahme der Türkei zu wagen. Es waren immer die extrem konservativen Kreise in Europa und federführend natürlich in Deutschland, die die Türkei mit immer neuen und immer neuen, harschen Forderungen eindeckte. Immer dann, wenn Ankara die gesetzten Ziele beinahe erreicht hatte, beklagte man sich in der EU hörbar und lauthals, all das reiche lange nicht aus und neue Forderungen wurden formuliert.
Es ist die Bundesregierung, die aktiv, bewusst, absichtlich und sehr zielgerichtet verhindert hat, dass es eine Freundschaft zwischen Deutschen und Türken geben könnte.

Wir haben uns für gute Be­zie­hun­gen zur Tür­kei immer auch ein­ge­setzt, weil wir wis­sen, dass ein gutes Ver­hält­nis zwi­schen Deutsch­land und der Tür­kei für Sie wich­tig ist.

Hier beunruhigt mich die Vermutung, dass die Bundesregierung ganz offensichtlich Türken für ganz ausgesprochen dumm bzw. doof hält. Dieser Satz, der selbst eine „BILD“-Zeitungsqualität nach unten durchschlägt, ist so offensichtlich geheuchelt und gelogen, dass einem der Mund trocken bleibt, wenn man ihn liest.
Es war eine Bundesregierung, die seit dem spätestens zweiten Tag nach dem Putschversuch nichts unterlassen hat, um die Maßnahmen Ankaras zu diskreditieren und mit Verdachtsmomenten zu beladen. Von Ankara angebotene Beweise für die Täterschaft des Predigers Fetullah Gülens wurden von Gabriel absichtsvoll ignoriert und totgeschwiegen – das spricht durchaus vom Willen Berlins, der Türkei nachhaltig schaden zu wollen. Beweiskräftige Hinweise samt originalen Zeugenaussagen, Video- bzw. Überwachungskameramitschnitten und geradezu balkendicke Hinweise auf die ultimative Verstrickung, wenn nicht Initiierung des Putsches durch die Gülen-Bewegung werden vom deutschen Außenminister ganz einfach totgeschwiegen. Das ermöglichte sowohl ihm, als auch der rechtslastigen wie sensationsgeilen Presse Deutschlands, von Beginn an das Lied vom „Diktator Erdogan“ zu singen, der nichts anderes als die Vernichtung von Opposition beabsichtigt.

Jetzt aber wer­den un­be­schol­te­ne deut­sche Staats­bür­ger ins Ge­fäng­nis ge­steckt.

Auch hier wieder geheucheltes „BILD“-Zeitungsniveau. Nachweislich (!) war zumindest einer der Verhafteten keineswegs ein „Unbescholtener“, sondern ein vom US-Milliardär George Soros bezahlter Aktivist mit der Aufgabe, durch die Unterrichtung türkischer, oppositioneller Gruppen in Kryptographie dem türkischen Staat Schaden zufügen zu sollen. Soros ist dafür sattsam bekannt; seine Emissäre tauchten immer „rein zufällig“ im Irak, in Afghanistan, in der Ukraine und an anderen Orten auf, an denen es gerade Umsturzversuche gab.
Privatleute haben das ohne größeren Aufwand recht schnell recherchiert – die Bundesregierung ist entweder zu blöd dazu, was niemand glauben würde, oder sie hat eine dezidierte Absicht, die Realität mit solchen Fiktionen zu überlagern.

Als deut­sche Bun­des­re­gie­rung kön­nen wir nicht ta­ten­los zu­se­hen. Wir müs­sen un­se­re Staats­bür­ger schüt­zen.

Mir kommen die Tränen – obschon ich nicht entscheiden kann, ob es Tränen der Wut oder wegen der Lächerlichkeit in der Aussage sind. Der Bundesregierung sind deutsche Staatsbürger immer dann vollkommen gleichgültig, wenn sie weder politisch noch wirtschaftlich benutzbar sind. Beispiel: Beim israelischen Massaker im Gaza-Streifen wurde eine ganze, unbeteiligte und deutsche (!) Familie durch Raketenbeschuss getötet. Das ist nun gut drei Jahre her und bis heute (!) hat die Bundesregierung den Tod der Familie, gut reportiert, nicht nur nicht bestätigt – sondern medial vollständig unterdrückt. Es gab nicht nur keine Verurteilung Israels deshalb, es gab nur die totale Verweigerung Berlins, den Tod von insgesamt sieben deutschen Staatsbürgern überhaupt nur zur Kenntnis zu nehmen. Das lacht der Aussage Gabriels, man wolle „Staatsbürger schützen“, einfach nur Hohn!

Des­halb än­dert sich die Po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung ge­gen­über der tür­ki­schen Po­li­tik.

Auch diese Aussage grenzt an eine ganz bewusst vorgetragene Lüge; die Ressentiments deutscher Politik gegen die Türkei haben sich schon immer aus den entscheidenden Kräften in der Reihe unserer Konservativen gespeist und diese generelle Ablehnung reichte schon immer von passiver Abwehr bis hin zu manipulativen Aussagen in der Öffentlichkeit. Gabriel sagt nur, dass jetzt ganz offen geschieht, was über viele Jahre längst Praxis war, die man (noch) mit rosaroten Gardinchen verhängt hatte.

Was Sie aber wis­sen sol­len ist: Nichts davon rich­tet sich gegen die Men­schen in der Tür­kei und un­se­re Mit­bür­ger mit tür­ki­schen Wur­zeln in Deutsch­land.

Es wäre geradezu tragisch, wenn dieser Satz von irgendjemandem geglaubt würde. Gerade eine „S“PD hat in den zurückliegenden Jahren sehr darum gekämpft, vom Wähler ebenfalls als ressentimentbeladene Partei wahrgenommen zu werden, die sich zum Griff in die Begriffskiste von Faschisten und Rassisten nicht mehr zu schade ist.
Als die „S“PD noch eine SPD war, erschöpfte sich ihre Fremdenfeindlichkeit auf Tonlosigkeit. Man hatte den Türken und Muslimen wenigstens nicht schaden wollen – das hat sich nun nachhaltig geändert. Die „S“PD von heute bedient sich gnadenlos am Bedürfnis der intellektuell stark eingeschränkten Wählerschaft, irgendeinen Bevölkerungsteil dringend geringschätzen, kommandieren und korrigieren zu müssen. Und da bieten sich die muslimischen Türken geradezu an, da sie Ressentiments wegen ihres Glaubens, ihrer Kultur und häufig wegen ihres Äußeren bedienen – und daran will die „S“PD ganz einfach ebenso mitverdienen wie die GRÜNEN auch, de ihren komischen Türkenfresser Cem Özdemir immer wieder mal markige Sprüche gegen Muslime abfeuern lassen.

Sie, die tür­kisch­stäm­mi­gen Men­schen in Deutsch­land, ge­hö­ren zu uns – ob mit oder ohne deut­schen Pass.

Darüber kann man noch nicht einmal mehr lachen. Der totale Irrsinn in diesen Worten ist allzu überdeutlich. Man kann das noch nicht einmal mehr Lüge nennen – dieser Satz ist für jeden leicht erkennbar so weit von jeder Realität entfernt, dass eine Interpretation überhaupt gar keinen Sinn ergäbe.

Richtig genug erkenne ich auch über meinen facebook-Account eine Welle der wütenden, enttäuschten Raserei unter türkischen Mitbürgern. Sie fühlen sich von diesem Brief regelrecht abgestoßen und ich gebe ihnen Recht darin.
Tausende und Abertausende tippen sich an die Stirn und sind entsetzt, sie sind in diesem Gefühl leider nur zu bestärken.
Die Nazis waren ganz erheblich erfolgreicher darin, die Ghettos und Konzentrationsläger landesweit als Erholungsstätten mit Arbeitstherapie zu verkaufen. Aber ganz ähnlich verhält es sich mit der „Freundschaft“, die unsere Politik angeblich ihren „türkischen Mitbürgern“ entgegenbringen will!

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Israel – wenn die „Freunde“ wechseln …..

Benjamin Netanyahu wird jeder erdenkliche Schreck in die Glieder gefahren sein und womöglich dämmert ihm langsam, dass es aus ist. Jetzt mischt ein Spieler mit, der für seine Unverfrorenheit, seine Gerissenheit und Durchsetzungsstärke bekannt und in der ganzen Region gefürchtet ist: Wladimir Putin.Der hat schon seit vielen Jahren erkannt, wo er dem Westen gefahrlos und mit großer Erfolgsaussicht in die Flanken beißen und ihn vor sich hertreiben kann wie einen Bären durch die Manege. Nachdem auch ziemlich klar geworden ist, dass Putin aus den USA in Person Trumps einen täppischen Idioten gemacht hat, der nur allzu willig jedem Zug an seinem Nasenring gehorcht, wird seine Einmischung in die Palästinafrage ein bequemes Heimspiel für ihn werden.
Das Feld ist zurechtgeschossen und vorbereitet; es werden ein paar wenige "Gespräche" mit der israelischen Führung ausreichen, um das Land zu einer sehr scharfen Kehrtwende zu "überreden".

Putin hat es in der Hand. Mit einem kleinen Lächeln kann er in, gegen und für Israel ein politisches und militärisches Höllenfeuer entfachen und es läge ganz an ihm, die Hitze und Zerstörungskraft zu steigern oder abzumildern. Sein Süppchen dort ist zusammengerührt; er verfügt über reichlich Militär in der unmittelbaren Nachbarschaft, er weiß die USA in einem absolut desolaten Zustand, hat sich deren Häuptling eingekauft und kann mit dem Zankapfel Palästina in der Hand den gesamten Golf aufmischen.
Denn dort grassiert momentan nur eine einzige Angst: dass die Menschen auf den Straßen aufwachen, Solidarität entwickeln, sich gegen die eigenen Regierungen stellen und Umstürze beginnen könnten.
Putin hat den Moment klug gewählt.
Für ihn dürfte als Fiebermesser gelten, dass es trotz der Drohung, Abweichler von der Boykottlinie gegen Qatar mit 15 Jahren Gefängnis zu bestrafen, dennoch zu solchen Protesten kommt.
Es ist vorbei.
Es würde ohne Russland quälend langsam, über viele Jahre erstreckt, trotzdem zu diesen Aufständen und Umstürzen kommen. Die Büchse der Pandora wurde für die Despoten am Golf in Ägypten mit der ersten, freien und geheimen Wahl des Präsidenten, Dr. Mohammed Mursi, geöffnet und ist nicht mehr zu schließen, auch tausende von Toten später nicht. Demokratie in Arabien ist möglich – das ist die Botschaft.

Und nun beschert Wladimir Putin den Menschen am Golf eine neue Vision: Gerechtigkeit und Sühne für das Leid der Palästinenser ist möglich. Es kann einen eigenen Palästinenserstaat geben und die Dominanz der USA ist ein für alle Mal Geschichte. Wer sich heute auf die USA verlässt, ist morgen der Verlierer.

Momentan entstehen durch die Schwäche und den Wahnsinn der USA politische Luftlöcher und es formieren sich ganz neue Allianzen und mit ihnen Optionen. Die Achse Ankara-Moskau hätte sich ohne einen Trump nicht so massiv ausformen lassen und der Bildung der nächsten Achse Ramallah-Moskau, die vom neuen Superstar Erdogan gleich nebenan gestützt wird, haben die USA ebenfalls nichts entgegenzusetzen. Keine Vision, kein Deal, keinen Plan, keine Idee – und dieser kranke und abstürzende Stern USA verhält sich wie ein Eisberg auf Reise in den Süden: er wird kleiner und kleiner und kleiner.

Der rechtsradikale Netanyahu sieht Wagners Götterdämmerung aufziehen und damit das Ende seiner Macht und das Ende eines Israel, wie wir es heute (noch) kennen. Die israelische Politik wird seinen Bürgern erklären müssen, weshalb es seine faschistischen Pläne nicht umsetzen kann und es wird ernste Zusammenstöße in Israel zwischen den blind-radikalen Eiferern und modernen, progressiven und realistischen Bürgern geben – möglicherweise bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen.

Warten wir ab.
Dieser Vorstoß Wladimir Putins jedenfalls wäre einmal ein begrüßenswerter!

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Israel – wenn ein großer Bruder vor allen Augen den kleinen erwürgt

Es ist schon eine gruselige Szene:

Das offizielle (!), rechtsradikale und rassistische Israel ist wütend. Es erträgt nicht, dass Kritik daran zu hören ist, dass es seinem Nachbarn, seinem eigenen, kleinen Bruder die Hand um die Kehle legt und diesen vor den Augen der ganzen Welt langsam erwürgt.
Nein, sagt es, die Welt habe kein Recht zu dieser Kritik.
Er sei der wesentlich hübschere, größere, wichtigere und er allein habe das Recht auf das Erbe. Alles, alles, alles gehöre ihm ganz allein und der kleine Bruder sei nichts weiter als unwertes Leben. Es sei sein gutes Recht, diesen seinen Bruder zu erschlagen, zu erschießen, zu erdrosseln, ganz wie es ihm beliebe, denn dieser Bruder äße nur, was ihm, dem großen und mächtigen gehöre.
Der kleine Bruder soll verschwinden – am besten in den Tod.

Es waren die Umstehenden, die Gaffer, die den großen Bruder groß gemacht, die ihn dahingefüttert haben, auf dass er die Kraft habe, seinen kleinen Bruder zu erwürgen.
Sie drückten dem großen Bruder Messer und Seile in die Hand und erzählten allen, das sei nötig.
Sie fütterten und fütterten und bezahlten den großen Bruder, Sie kleideten ihn, sie schickten ihm Kuchen und Kissen, damit er Kraft haben würde, ganz allein das Erbe anzutreten, das ihm nicht gehört.

Die Reihe der Umstehenden ist nicht dicht genug. Sie umschlingen sich und drücken sich aneinander – trotzdem erhaschen Passanten noch immer einen Blick darauf, wie der große seinen kleinen Bruder erbarmungslos beim Hals packt, hochhebt und zurdrückt. Immer weiter, immer härter, immer fester zudrückt:

(Quelle: die ZEIT)

Die Zustände im Gazastreifen haben sich schneller verschlechtert als befürchtet: Nach Ansicht von UN-Vertretern ist das Gebiet nicht mehr bewohnbar. Für viele Mitarbeiter der Vereinten Nationen sei "die Schwelle zur Unbewohnbarkeit bereits überschritten", sagte der UN-Beauftrate für die humanitäre Lage in den palästinensischen Gebieten, Robert Piper.

Der große Bruder ist fett.
Tausende von Milliarden Dollar hat er erhalten und trotzdem ließ all das Geld keinen Frieden, keinen Wohlstand, keine Gerechtigkeit, sondern nur Hass, Missgunst und Habgier wachsen. Mit jedem Dollar, den er erhielt, wuchs sein Wunsch nach mehr und er denkt bis heute, die ganze Welt hätte ihm zu gehorchen. Mitunter beleidigt er sogar die, die ihm mehr und mehr und immer mehr Geld, Macht und Waffen geben.

Noch hört man den kleinen Bruder röcheln, auch wenn ihm längst die Augen aus dem Kopf und Schaumblasen vor den Mund treten:

Demnach haben die Bewohner nur noch wenige Stunden am Tag Elektrizität und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei mehr als 60 Prozent. Mehr als 95 Prozent des Wassers hat dem Bericht zufolge keine Trinkwasserqualität. Ein normales Leben in dem Gebiet sei so laut Piper nicht mehr möglich

Uns stört keine Hinrichtung.
Wir haben noch nie ein wirkliches Problem damit gehabt, Wehrlosen dabei zuzuschauen, wie ihnen langsam die Augen brechen, solange wir daran gut verdienen. Und dafür glauben wir einfach alles. Wir wollen, dass der große Bruder ganz allein verzehrt, was seine Eltern ihm und seinem kleinen Bruder vermacht haben.

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Irak – Soeben werden die nächsten zehn, fünfzehn Jahre Krieg organisiert

Die eindimensionalen und leicht retardierten Mitbürger, denen selbst die tägliche Lektüre der „BILD“ eine intellektuelle Quall ist, denken momentan, durch die Einnahme von Mossul und die Eliminierung der letzten Kampfeinheiten des Daesh („Islamischer Staat“) sei dieser erledigt und Geschichte.

Es braucht nun wirklich nur noch ganz wenig Geist, um zu bemerken:

Die irakische Armee ist eine shiitische. Durch Lenkung Irans war es den Shiiten in den zurückliegenden Jahren möglich, durch Großangriffe und etliche Massaker an Zivilisten die Zahl der Sunniten im Irak deutlichst zu minimieren. Der von den USA so herzlich begrüßte Metzger und Shiit al-Maliki, der, kaum als Präsident eingesetzt, tausende von Sunniten „großtechnisch“ hat vernichten lassen, hinterließ nach seinem Fortgang keineswegs eine stabilisierte Politik. Geschweige denn ein Ende der Feindseligkeiten.
Daesh war die einzige Organisation, die sich dieser großflächigen Vernichtung militärisch mit eindrucksvollen Erfolgen entgegengesetzt hat und für unzählige Dörfer und Städte war der „Islamische Staat“ bis vor kurzem noch die einzige Überlebenschance. Nach der Vernichtung von Daesh wird der Vernichtungsdruck von neuem einsetzen. Die Welt wird erfahren, dass der Zug von verzweifelten Flüchtlingen keineswegs nachlassen wird.

Amnesty International klagt beide kriegführende Parteien unnötiger Grausamkeit und der Nutzung unangemessener Gewalt an. In der Tat häuften sich in den zurückliegenden zwei Jahren die Meldungen signifikant, dass die irakische Armee ihrerseits Massenhinrichtungen an Sunniten vornahm, Menschen so wie Daesh auch bei lebendigem Leibe verbrannt hatte und allgemein wahllos in den „befreiten“ Ortschaften Frauen, Kinder, Alte und Behinderte niedergeschossen hat.

Der kriegführende Westen, der sich mit Unmengen Waffen und Geld an diesem irakischen Vorstoß beteiligt hatte, verfügt auch heute wieder nicht über Pläne, wie es im Irak nach der Entfernung von Daesh weitergehen soll. Wie damals nach dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak weiß auch heute niemand, was nach Beendigung der Kriegshandlungen gegen Daesh gegen die Vernichtung der Sunniten im Irak unternommen werden soll. Man muss sogar sagen, dass das Schicksal der Sunniten niemanden interessiert.
Sobald Daesh als zu berücksichtigende und machtvolle Organisation fortfällt, kann der Westen mit seiner üblichen Politik wieder einsetzen und die Machthaber bewaffnen und bezahlen, die den freien Zugang zum irakischen Öl und Markt ermöglichen. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob ein pluralistisches Volk im Irak sicher leben kann oder ein zahlenmäßig stark reduziertes, rein shiitisches Volk regiert. Geschäft ist Geschäft.

Natürlich bedeutet das neu entstehende Vakuum im Irak, dass existierende Gruppen, Regierungen und Staaten dort hineinstoßen werden. Der Iran ist stark daran interessiert, mit dem Irak eine stabile und machtvolle Dependance zu besitzen. Die Kurden spekulieren auf einen eigenen Staat im Irak, weil sie randvolle Ölquellen damit erhalten und die irakische Regierung in Baghdad wird dies mit Waffengewalt unterbinden.
Im Ergebnis wird Daesh notwendigerweise in eine neue Terror- und Nachfolgeorganisation übergehen, denn die derzeit noch verbleibende, sunnitische Bevölkerung bedarf dringend militärischen Schutzes. Geographisch und demographisch verbleibt der gesamte Irak unter ungeheurem Gewaltdruck; mit Ausnahme der dort lebenden Zivilisten führen alle Genannten dort einen bequemen und abgezirkelten Stellvertreterkrieg.

Niemand diskutiert Schutzzonen unter Bewachung von UN-Blauhelmen etwa und die Frage „Warum eigentlich nicht?“ ist schnell beantwortet: es ist der Welt völlig gleichgültig, ob in den interessanten Regionen des Irak überhaupt Menschen leben. Der Tod der dortigen Bevölkerung ist für die Ölförderung nicht nur uninteressant – er ist absolut gleichgültig.
Der Bedarf der Sunniten dort ist lächerlich gering und stellt keinen interessanten Markt dar; würde man den Absatz dort ankurbeln wollen, so müsste zunächst für ungeheure Investitionen Infrastruktur saniert, repariert und neu errichtet werden. Und wer will schon Milliarden ausgeben, damit er in Zukunft vielleicht niedrigpreisige Güter dort anbieten kann?
Die Leute dort brauchen im Moment nur Brot, Wasser und Ziegel. Auf solche Bedarfsträger kann der Westen verzichten. Wenn Berlin dort HiFi-Anlagen, Maschinen, Kraftwerke, Parfum und Autos würde anbieten können, würde sich Angela Merkel garantiert für die dann plötzlich „ganz armen, verfolgten und bedrohten Sunniten“ annehmen. Aber so … ?
Diese Leute kaufen eben weder Panzer noch Tornados.

Zudem sind latente Feindseligkeiten und Zerstörungen gut für die regionale Politik. Viele Interessenten haben ein großes Interesse daran, die Lage dort heiß und unsicher zu halten. Man wird einen grundverstörten, faktisch in der Region nicht mehr existierenden Irak brauchen, um in der Nachbarschaft ebenfalls kriegerische Auseinandersetzungen entzünden oder aufrechterhalten zu können.

Wir werden uns darauf einrichten können, in den nächsten Dekaden ein- oder zweimal die Woche von zerstörten Dörfern und Städten, gekreuzigten und verbrannten Menschen und großtechnischen Vernichtungsaktionen und Massakern zu hören.
Aber daran sind wir ja gewöhnt, das geht gut in Ordnung für uns.
Das stört uns nicht.

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