Qatar – und der Irre aus den USA

Ein Kleinkind findet Streichhölzer lustig. Es wird sie auch lustig finden, wenn es mitten in einem Raum sitzt, in dem löcherige Benzinfässer herumstehen. Vorübergehend.

Jetzt werden ganz neue Verdachtsmomente gegen das Kleinkind Donald Trump laut, der sich über sein angezündetes Streichholz in Saudi-Arabien ganz wahnsinnig freut.

Und dieser Verdacht geht so:

Im Jahr 2010 reiste Trump zusammen mit Tochter Ivanka nach Qatar und unterbreitete dort der staatlichen Investitionsgesellschaft QIA ein (für ihn) äußerst lukratives Angebot zur Errichtung eines Immobilienfonds. Die qatarischen Verhandlungspartner von QIA, Hussein al-Abdullah und Sheikh Hamid bin-Jassem al-Thani, zeigten sich über die Art und Weise, in welcher Trump den Fonds anpries, "geschockt", ließen ihn jedoch höflich seine Präsentation zuende bringen, bedankten sich artig, begleitete Trump hinaus – und lehnten im Nachhinein überzeugt ab.

Jahre später reiste Trumps Tochter Ivanka zusammen mit Ehemann Jared Kushner wieder nach Qatar; diesmal sollte ein Immobilienhandel über ein Objekt in den USA abgeschlossen werden, allerdings zogen sich die Verhandlungen bis wenige Monate vor Amtsübernahme der Präsidentschaft hin. Wahrscheinlich sind sie ergebnislos verlaufen.

Insider sehen in diesen Vorgängen die wahre Motivation von Donald Trump, Qatar unter Zuhilfenahme von unaussprechlich blöden Vorwürfen den Golfstaaten regelrecht ausgeliefert zu haben.
Mittlerweile weiß selbst jedes Kind in Europa und dem Westen allgemein, dass für Qatar in ganz erheblich geringerem Maße gilt, was allen anderen Golfstaaten erheblich vorzuwerfen ist: das beinah wahllose Verstreuen von ungeheuren Waffenmengen, halb offen geführte Niederwerfungs- und Angriffskriege, Finanzierung der entsetzlichsten Terrororganisationen, die für hunderte von Toten verantwortlich zeichnen.

Trump ist ein unfähiger Idiot.
Wie ein US-Unternehmer unlängst frotzelte, würde er noch nicht einmal als kleiner, schmieriger Autohändler Erfolg haben, denn so einem kauft man gar nichts ab. Da ist was dran; ganz objektiv betrachtet, würde ich gegen einen Typen wie Trump reflexhaft ein tiefsitzendes Misstrauen entwickeln, wenn er mir irgendetwas anbieten sollte.
Er ist ein bekannter Bankrotteur, bewiesenermaßen ein Lügner, ein unerträgliches Großmaul und ein Dummkopf. So erscheint es durchaus nachvollziehbar, dass er minderwertige Rachegefühle für entgangenen (Privat-) Gewinn zum Anlass nahm, sich viele Jahre später an Qatar zu rächen.
In seiner vollendeten Dummheit hatte er natürlich überhaupt nicht begriffen, dass ausgerechnet Qatar im Zenit des US-Interesse steht, denn immerhin sind dort viele tausend US-Soldaten stationiert und ihr Verbündeter, Deutschland, hat mehr als 60 Leopard-Kampfpanzer dorthin verkauft.

Trumps ganze Politik ist ausschließlich nur auf seinen persönlichen Zugewinn ausgerichtet, mit den gesamten USA unter dem Arm realisiert er Einnahmen, die er ohne die Präsidentschaft nicht würde erreichen können. Nicht ganz zufällig kippt das auch Kontrolleuren, Behörden und der Presse in den USA auf und ebenso nicht ganz zufällig ist das auch Inhalt der gerichtlichen Klage gegen Trump wegen unzulässiger Vermischung von Amts- und Eigengeschäften.
Es wäre Trump ein Leichtes und würde ihm keinen Seufzer abnötigen, ganze Länder in Brand zu stecken, wenn er daran ein paar Dollar verdienen könnte. Ebenso würde er ganz ungerührt Krieg gegen ein Qatar ausbrechen lassen, das ihm ein Geschäft vermasselt hatte.

Bisher (!) steht die oben geschilderte Motivation Trumps, Qatar beschädigen zu wollen, nur im Range einer Annahme und für gewöhnlich pflege ich solche nicht ernst zu nehmen, sondern nach Beweisen zu fragen. Ein zugegebenermaßen gerissener, schlitzohriger, aber als äußerst gewissenhaft und genau arbeitend bekannter Journalist namens Clayton Swisher hat nun seinen Finger gehoben und glaubt, für das dargelegte Szenario überzeugende Beweise in Händen zu halten.
Swisher ist nicht irgendwer.
Ihm war es gelungen, der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) ein als "geheim" eingestuftes Papier abzuluchsen und zu veröffentlichen, welches für Aufruhr in ganz Arabien gesorgt hatte. Es enthielt das kleinlaute Zugeständnis der Westbank-Palästinenser unter der Führung von Mahmoud Abbas, dass es für die damals vertriebenen Palästinenser wohl nie zu der immer versprochenen Rückkehr nach Israel kommen würde oder könnte. Das Papier beerdigte letztendlich jede Hoffnung für die Vertriebenen, jemals zu ihrem Recht zu kommen.
Es ist also überaus wahrscheinlich, dass Swisher auch jetzt ausreichend belastbare Beweise dafür in Händen hält, dass sich Trump in Saudi-Arabien lediglich an Qatar rächen wollte und so für Spannungen gesorgt hatte, die um Haaresbreite in einen umfänglichen Krieg in der Region hätten münden können.

Es liegt in einem demokratischen Staat in Händen der Bürger, ihren Anführer frei zu wählen. Wenn sie es denn getan haben, so werden sie sich (leider?) international mit ihm assoziieren lassen müssen. Auf rein privater Ebene mag man einem einzelnen US-Bürger noch die Ablehnung dieses Präsidenten glauben – offiziell im Kreise aller anderen Staaten der Welt geht und gilt dies natürlich nicht!
Es liegt ganz allein in der Verantwortung der US-Bürger, wie die USA jetzt und künftig wahrgenommen werden – ob als einen Riesenhaufen Verrückter oder als failed state, diese Entscheidung liegt beim Volk allein. Wir, die Welt, müssen damit umgehen lernen.

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Islam – warum wir Muslime uns gegenseitig verraten; Versuch einer Erklärung

Der Islam hat so wie jede andere Religions- und Gesellschaftsform auch, eine bewegte und in Epochen einteilbare Geschichte, die man grob folgendermaßen einteilen könnte:

In der Frühzeit war der Islam eine revolutionäre und fundamentale Erneuerung. Erstmals in der Geschichte wurden Rechte statt Strafen für Menschen formuliert, Frauen sprangen in ihrer Bedeutung und in ihrem Wert aufwärts, die weit verbreitete und z.T. grausame und brutale Sklavenhaltung wurde auf einmal als verpönt betrachtet und es griffen tatsächlich die ersten Umweltgesetze. Es war eine Zeit der Neuerung, der Zivilisierung.

Danach trat eine Epoche der Versteinerung, der Lähmung ein, die Jahrhunderte andauern sollte. Obschon der Islam in dieser Zeit auch weiterhin gesellschaftliche Fragen regelte, eine funktionstüchtige und effiziente Rechtsprechung aufbaute, die allgemein akzeptiert war, konnte er sich aufgrund der vielen Kleinkriege nicht weiter entfalten oder entwickeln.
Viel zu viele Gelehrte und angebliche, selbsternannte Gelehrte und Anführer rissen die Deutungshoheit über den Qur’an an sich und begannen damit, einzelne Suren in ihrem (Macht-) Interesse in ihrem Sinn zu verbiegen.
Sie alle machten sich zunutze, dass die Bevölkerungen viel zu wenig Zeit mit eigenen Qur’an-Studien verbrachte und gegen den Willen Allahs dadurch verstieß, dass sie sich mangels eigenem Wissen und Verstehen auf Menschen verließ, die ihnen diese Arbeit abnahmen – und sie dadurch langfristig an die Führer verrieten.

Jetzt sind wir beinahe in der Neuzeit angekommen.

Es ist die Kolonialzeit, die die wahrscheinlich schlimmsten Brüche in der Gemeinschaft der Muslime, in der Ummah anrichtete.
Was passiert wohl, wenn man zwei Löwen in einen Käfig steckt, umstellt und mit schweren Stangen und unter wütendem Schreien unaufhörlich auf den Käfig einschlägt? Ganz einfach: nach vergleichsweise kurzer Zeit werden sich die Löwen gegenseitig anfallen und zu töten versuchen.

Was passierte, als zusammen mit Großbritannien diverse industrieelle Weststaaten das viele Öl in Arabien für sich entdeckten? Sie droschen mit den Keulen Militär, Intrigen, Geld, Macht und Lügen auf die Region ein. Sie erfanden ein "Kuwait", für das es ebensowenig eine historische Entsprechung gibt wie für ein "Saudi-Arabien".
Sie formulierten Grenzen, die plötzlich das freie Wandern und Handeln der Stämme unterbanden, alte, tribale Gesellschaftsstrukturen vertrockneten dadurch. Auf einmal galt nichts mehr und große Kriege brachen aus, wo es vorher höchstens vereinzelte Auseinandersetzungen zwischen kleineren Verbände, Sippen und Stämmen gab. Großbritannien "schenkte" der Welt die unerträgliche Seuche des Wahhabismus, der verkrüppeltsten, brutalsten und intolerantesten Strömung im gesamten Islam. Sie forcierten die Ausbreitung weder mit Ideen, noch mit Argumenten – sondern einzig und allein mit Maschinengewehren und Peitschen.

Die weit verbreitete Unart unter Muslimen, vielleicht den Text des Qur’an lesen zu lernen, aber nicht zu verstehen zu versuchen, öffnete plattestem Unglauben, verrenkten Ideen, Hass und Zerstörung Tür und Tor. Jeder flüsterte auf den anderen ein, behauptete, er allein sei der Besitzer der islamischen Wahrheit und jeder andere ein Verbrecher. Das Schisma, zwischen Sunniten und Shiiten angerichtet, wäre für sich allein genommen schon eine unerträgliche Schieflage. Nun aber verloren die Muslime den gesamten Sinn des Qur’an völlig aus den Augen, begannen, einzelne Suren aus ihren Kontexten zu reißen, einige vollständig zu "vergessen" oder einfach auszublenden und eine Aura der Missgunst, des Hasses, des Neides und theologischer Übergeschnapptheit zu schaffen.

Da stehen wir Muslime heute.

Obschon ich eine Scherenbewegung festzustellen glaube: es mehren sich Gruppen in Anzahl und Qualität, die genau dies für sich festgestellt haben und heute, nach sovielen Jahrhunderten, die alten Qualitäten des Islam neu beleben wollen. Sie betonen das Barmherzige, das Freiheitliche, das einst so revolutionäre Verbindende; sie stehen zu der Herausforderung, sich selbst im Qur’an kundig zu machen. Und so entstehen zu meiner großen Freude ganz neue Ansätze; ich registriere voller Dankbarkeit die Entstehung feministischer Gruppen von Muslimas, die mittlerweile hartnäckige Infragestellung tradierter, oftmals völlig unislamischer Bräuche. Unserer Zeit entspringt ein ganz neuer "Neo-Islamismus" der produktiven und positiven Prägung anstelle des hasserfüllten Sprengstoff- und Peitschenislamismus eines Daesh etwa.
Dieser ganz neue Islamismus atmet ein ganz neues Selbstverständnis, einen neuen Stolz und fühlt seine Daseinsberechtigung. Das sind die Muslime, auf die ich meine Hoffnung setze. Ihr Glaube ist tief, schön und unzerstörbar. Aber leider sind das alles erst Anfänge.

Momentan versinkt die Ummah tief in Gewalttätigkeit und Misstrauen – wo sind wir Muslime bloß hingekommen, dass wir noch nicht einmal untereinander Vertrauen haben? Was haben wir nur angerichtet? Was würde unser Prophet Mohammed (saws) von dem, was wir getan haben, halten?
Im Augenblick können wir das anhaltende Trommeln der alten Kolonialmächte, die auch heute noch durch Waffen, Geld und Lügen auf die muslimische Welt einprügeln, (noch) nicht zurück in ihre Löcher scheuchen und umso mehr Mühe, Not, Anstrengung und Verzweiflung müssen wir aufbringen, trotzdem mit unserer Schulter die des nächsten Muslimen zu suchen und zu berühren. Wir sind es selbst, die sich zusammensetzen und aufeinander zuarbeiten müssen. Eine zersplitterte, ja beinahe nicht existente Ummah ist und bleibt wehrlos und muss ihrer eigenen Zerstörung hilflos zusehen.
Aber das ist es nicht und keinesfalls, was Allah von uns will!

Spucken wir Muslime der Welt, die gegen uns steht, einfach in die Suppe und tun, was sie am meisten fürchtet:
Beginnen wir, uns selbst zu lieben.

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Update: Unser Flüchtling!

Zu Beginn runzelte auch meine Frau ob meines Vergnügens an unserem Flüchtling die Stirn – aber nun amüsiert sie sich selbst ebenfalls prächtig.

Er ist ja mit unserer Tochter und unserem jüngsten Sohn für zwei Tage in dessen Studentenbude eingezogen und machen die Umgebung dort unsicher.
Man hat ihm also auf seinen speziellen Wunsch hin die eine oder andere Burg und auch ein Schloss gezeigt und sehr gestaunt, wie heftig er darauf reagierte.
Niedlich! Er hat an einem einzigen Tag weit über hundert Fotos geschossen und für seine Familie und seine Freunde upgeloaded – entsprechend reichhaltig, frenetisch und jubilierend fällt natürlich die Resonanz aus.

Man weiß ja: für die Amis tragen wir alle Hüte mit Gamsbart, wohnen ausnahmslos alle in Heidelberg, wo wir uns von Schweinehaxen und Sauerkraut ernähren. Und außerdem ist alles in Deutschland mindestens zwischen vier- und fünfhundert Jahren alt (vermutlich auch die Menschen).

Also hat meine Stammhalterschaft den Flüchtling natürlich auch durch Heidelberg geschleift; vermutlich langte er abends mit einem saftigen Overload in der Bude vom Sohn und wird sich mit knapper Not auf seinem Bett in die Waagerechte gebracht haben können.
Fundamentale Schrecknisse des täglichen, europäischen Daseins weichen wachsender Erfahrung; die Technik deutscher Klopötte, die manchmal eine gewisse "Ablagefläche" für die Hinterlassenschaft bereithält und diese nicht sofort lotrecht in Wasser versenkt, war für ihn so etwas. Wie ich höre, bereitet ihm auch das Speisen mit Messer und Gabel in der in Europa gebräuchlichen, gewohnten und geübten Form durchaus Schwierigkeiten. Solche Gerätschaften sind in den USA zwar sehr wohl im Einsatz, nicht aber so durchgehend und konsequent wie bei uns.

Meine Frau, die selbst Erfahrungen mit den USA und sich den Speiseplan für die nähere Zukunft ausgedacht hat hält es für nötig ihm vorbereitend mitzuteilen, dass das geplante Hühnchen für heut abend auch mit Fingern gegessen werden könne.
Wer immer mit einer (völlig) fremden Brille auf der Nase durch unsere kontinentale Realität läuft, wird immer gar Erstaunliches, Verwunderliches, Rätselhaftes und Bizarres entdecken – und genau das wiederfährt ihm im Moment.

Den psychologischen Fangschlag verpassen wir ihm am kommenden Wochenende:
in unserem Nachbardorf ist eine größere "Stadt"-Festivität mit Trödelmarkt, Blaskapelle und sonstigem, begleitenden Trara und Tamtam angesetzt und da gedenken wir ihn in aller Unnachsichtigkeit und Brutalität durchzuziehen. Sollte ihm das nicht reichen, werden wir ihm ein Schützenfest verordnen – wenn er DAS unbeschadet durchgestanden hat, KENNT er Deutschland!
Aus seiner momentanen Perspektive betrachtet, sind wir tatsächlich ein winziges Märchenländchen mit allerlei wunderlichen Menschen und vielen alten Schlössern und Burgen. Die Ernsthaftigkeit unserer anderen Realität, die aus Industrie, Geld, Engstirnigkeit und hartem Ernst besteht, werden wir ihm wohl kaum ersparen dürfen.

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In eigener Sache – Wir haben ja einen politischen Flüchtling aufgenommen

Unsere große Tochter hatte kürzlich ihr Auslandssemester in Bosten, USA, abgeschlossen und eine Woche nach ihrer eigenen Rückkehr ihr zweibeiniges Reiseandenken importiert.

Derek hatte sich ihr längst anvertraut; heute Ende zwanzig, empfindet er das Leben und Arbeiten in den USA als besonders bedrückend. Die nun tobende Trum-Ära hat für ihn das Faß zum Überlaufen gebracht. Im sozialen Bereich (als Streetworker) tätig, erscheint ihm angesichts der täglichen Realität die Zukunft der USA durchaus als bedrohlich. Das könnte ja noch alles subjektiv eingefärbt sein, allerdings bestätigt unsere Tochter diesen Eindruck nicht nur, sondern findet noch ganz andere Worte für die Lage.
Sein Wohnumfeld zuhause ist, wie sie uns erzählt (und ich kann ihrer Wahrnehmung vertrauen!), bedrückend; allabendlich erhebt sich eine Geräuschkulisse von Schreiereien, Kämpfen, Unfällen, Bränden und Schüssen.
Er selbst ordnet seine Familie und letztlich auch sich in die Kategorie "White Trash" ein ("Weißer Abschau / weißer, unterer Gesellschaftsrand") und benennt sich selbst voller Zuversicht, sein eigenes Leben davon entfernen zu können, "White Recycling".
Kürzlich wechselte er seinen Arbeitgeber und startete zusammen mit einem Masterabsolventen in einem neuen Arbeitsverhältnis durch; er selbst verdient nicht unwesentlich mehr als der Absolvent, und das ohne jeden universitäten Abshluss. Honoriert wird seine größere Erfahrung. Deshalb sieht er für sich auch keine Notwendigkeit, einen solchen Abschluss anzustreben, denn mit Ausnahme astronomischer Kosten, die gern fünfstellig auflaufen, hätte er damit keinen Vorsprung und letztlich nur die gleiche Chance auf eine Karriere wie jemand ohne jeden Abschluss. Also warum studieren?
Seiner Ansicht nach verhärten sich die Verhältnisse in den USA mit jedem Tag immer mehr und werden regelrecht gnadenlos.

Ganz ehrlich? Ja? Im Ernst?
Also gut – ich gebs zu und zeige Wirkung: Je mehr Geschichten ich "von der Straße" aus den USA höre, desto freundlicher und angenehmer erscheint mir unser gutes, altes Deutschland samt seines Europas. Motto: "Soooo schlimm SIND wir ja gar nicht."

Nun also bestaunt er Europa – und weiß durchaus um sein Glück, ausgerechnet bei UNS diese Chance zu erhalten. Denn das hat mich maßlos stolz auf meine Familie, auf unsere Kinder gemacht: mit einem Fingerschnipp wechselte bei uns zuhaus die gesamte, auch familieninterne Kommunikation ins Englische. Sein Sonderstatus als "Gast aus der Fremde" war nach zehn Minuten bereits ins Nichts verfallen. Mit größter Fröhlichkeit und noch größerem Vergnügen bekommt er alles für Ihn Merkwürdige erklärt, gezeigt und nähergebracht.
Allerdings haben wir uns alle beeilt ihm mitzuteilen, dass wir sicherlich als Familie alles andere als "Durchschnittsdeutsche" sind. Durch meine Frau besteht unsere Familie aus verschiedenen Hautfarben und wir pflegen einen durchaus nennenswert liebevolleren, aufmerksameren, relaxteren und fröhlicheren Umgang untereinander als der Großteil aller Familien. Derek hatte insgesamt kaum eine Stunde an unserem Tisch gesessen, und schon flachsten, lachten wir miteinander.
Tage vor seinem Flug hatte er wohl wegen uns einige Beklemmungen, weil er von Deutschen, deutschem Leben und deutschen Familien keine Ahnung hatte und den Wissensfetzen, die er zu haben glaubte, aus gutem Grund misstraute. All das war schnell verflogen – und nun ist er einfach nur ein junger Mann mehr in unserem Haus, der zufällig anders spricht als die da auf der Straße vor unserem Haus. Basta.

Ich finde die Situation unglaublich amüsant, weil sie mich an meine ersten Reisen ins Ausland erinnert, auf denen ich die gleiche Beklommen- und Unsicherheit verspürt hatte. Dankenswerterweise erweist sich Derek als offen, zugewandt und humorvoll und so lässt er uns zu seinem eigenen und unseren Vergnügen an seinen jeweiligen Entdeckungen teilhaben.
Seine Ideen sind (natürlich) typisch amerikanisch: er will auf jeden Fall eine alte Burg und ein schönes Schloss besichtigen, denn so etwas gäbe es nun mal in den USA nicht. Also werden wir ihm eine selbst für unsere, europäischen Verhältnisse besonders malerische, frühmittelalterliche Wasserburg zeigen und ihm die dazugehörigen drei Gruselgeschichten erzählen. Er wird sich alte Schwerter und Pieken, Rüstungen und Folterwerkzeuge anschauen können.
Wir werden ihn auf ein Schützenfest mitschleppen – wobei wir ihm bereits erzählt haben, dass wir als Familie keinen sonderlichen Wert auf diesen etwas merkwürdigen Beitrag zur deutschen Kultur legen. Aber ein Schützenfest ist eine markante Lebensäußerung von Deutschen – und wenn er Deutschland kennenlernen will, sollte er die dazugehörigen Blaskappellen- und Uniformparaden, ein Vogelschießen und das anschließende Megabesäufnis in einem Zelt einmal miterleben. Er wird es bestaunen, solche Dinge sind ihm aus seiner jüdischen Lebensumgebung seines Elternhauses völlig fremd.
Er scheint alles wie ein Schwamm aufzusaugen; als wir gestern ein wenig über die jüngere Geschichte gesprochen und ihm erzählt hatten, dass wir vor vergleichsweise noch wenigen Jahren in Europa Nationengrenzen mit Schlagbäumen, Maschinengewehren, Passkontrollen und unterschiedlichen Währungen hatten, staunte er.

Vielleicht nehme ich ihn einmal zu meinem (Jagd-) Bogenschießtraining mit, wenn er denn mag. Momentan befindet er sich mit unserer Tochter bei unserem jüngsten Sohn und seiner Freundin in Mannheim und wird also, wenn er morgen wieder bei uns sein wird, schon ein gutes Stück Deutschland gesehen haben.

Ich habe durchaus großen Respekt vor Leuten, die es nicht beim Jammern und Klagen belassen, sondern die Ärmel hochkrempeln und ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Die ihre Heimat mit der Energie, der Zuversicht und Leistungswilligkeit verlassen, woanders ihr Glück aufzubauen, noch einmal anzufangen. Das schließt die Flüchtlinge, über die sonst so energiegeladen in Deutschland diskutiert wird, natürlich mit ein – auch wenn ihre Motivation eine um ein Vielfaches ernstere, bedrohtere und verzweifeltere ist.

Als ich dies mit meiner Frau gestern besprach, nickte sie und murmelte leise Zustimmung:
wir haben als Eltern sehr viel richtig gemacht. Alle unsere vier Kinder sind grandios geraten und wir sind maßlos stolz auf sie. Es mag viele Jahre gedauert haben, bis sie umgesetzt haben, was wir ihnen als Werte beibringen wollte – dennoch ist es genial gelungen. Sie sind alle "geländegängig"; wir können jedes unserer Kinder irgendwo auf dem Planeten absetzen und es würde seinen Weg machen. Sie haben mit keinem Glaubensbekenntnis, keiner Hautfarbe, keiner Sprache, keinem Essen und nichts anderem den Hauch eines Problems. Sie kennen keine Ressentiments, keine Vorbehalte, keine Angst. Sie haben alle einen durchgedrückten Rücken, einen ausgeprägten, positiven wie produktiven Willen, eine klare, offene Sprache und vor allem einen Plan für ihr Leben.
All die durchwachten, durchschwitzten und durchsorgten Nächte, all die kleinen und auch großen bis sehr großen Katastrophen auf ihrem Weg haben wir zusammen gemeistert. Es war nicht immer leicht, wirklich nicht ….. wir sind häufiger nicht nur an unsere Grenzen gelangt, sondern manchmal auch weit darüber hinaus.

Für uns hat seit einigen, wenigen Jahren ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Wir haben immer mehr Verantwortung und Zuständigkeit aus den Händen gleiten lassen können. Heute kann ich stillvergnügt auf meinem Platz auf der Küchenbank sitzen und dem zahlenmäßig anschwellenden (jetzt haben alle Kinder einen Partner!) Getreibe lächelnd zuschauen.
Keine Windel mehr, keine Sorgen über Klassenarbeiten, Klausuren und falsche Freunde. Kein Milchfläschchen mehr warm machen, keine "blauen Briefe" mehr …. nein, heute blinzelt mein jüngster Sohn mich an und fragt: "Noch’n Kaffee, alter Mann?" und er stellt einen vor mich hin.
Mit drei Stück Zucker und etwas Milch – wie ich es mag.

Alahmdulillah … nicht alles wird immer schwerer! Meine, unsere Zeit wird besser, von Tag zu Tag.

Wir können uns als ganze Familie nun um unseren "Flüchtling" kümmern und ihm ein Deutschland unserer Familie zeigen, das ich mir für alle wünsche.

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Qatar – stehen wir dem Land bei!

Der industriell geprägte Westen, der wesentliche Teile seines Reichtums u.a. auch aus dem Nahen Osten bezieht, bevorzugt die Strategie des klammheimlichen Intrigierens und mit falschen Vorwürfen „begründete“ Angriffskriege, um seine Kapitalinteressen aufrecht zu erhalten.

Aus diesem Grunde wurde Israel mit schier unglaublichen Geld- und Waffenmengen dorthin gebracht, wo es heute steht; aus eigener Kraft wäre es heute ein ärmliches Bauernländchen.
Aus diesem Grunde hielt der Westen auffällig still, als die USA den Irak wegen seines Öls brutal zusammengetreten haben.
Aus diesem Grunde hat sich der gesamte Westen daran beteiligt, die erste, frei und demokratisch gewählte Regierung in Ägypten zu stürzen und einen blutsaufenden Despoten zu installieren.
Aus diesem Grunde verwickelte man Afghanistan nach einer kurzen Atempause nach dem russischen Angriffskrieg erneut in mehr als zehn Jahre Krieg und Zerstörung.
Aus diesem Grunde werden Nachrichten aus der Türkei sehr großzügig mit Halbwahrheiten und ganzen Lügen gespickt, um die Interessen des Landes nachhaltig zu torpedieren.
Aus diesem Grunde hielt man den Iran seit nun mehr als zwanzig Jahren beständig unter der Drohung eines vollumfänglichen und vernichtenden Krieges.
Aus diesem Grunde hofiert und bewaffnet man einen der grausamsten Folter-, Terror- und Verstümmelungsstaaten namens Saudi-Arabien; bizarrerweise werden anderen Ländern mit ganz erheblich geringeren Menschenrechtsverstößen Hilfen versagt, während man Saudi-Arabien schnell und aufmerksam mit allem bedient, was man dort haben will.

Bei all dieser zynischen, grausamen und brutalen Kumpanei fällt dann ein winziges Land aus der Reihe und benennt solche und andere Verbrechen beim Namen und opponiert dagegen:
Qatar.

Ich begrüße die Entsendung von türkischen Truppen und die sofortige Aufnahme von Güterlieferungen des täglichen Bedarfs per Flugzeug aus der Türkei. Die in Qatar stationierten zehntausend US-Soldaten und bald etwa drei- bis fünftausend türkischen Soldaten werden Qatar vor dem Schlimmsten bewahren und beschützen.

Wir in Europa werden von der Krise um Qatar, wenn sie weiter anhalten oder sich gar verschlimmern sollte, sehr empfindlich getroffen:
Gerade deutsche Wirtschaftler stellen jüngst ein wenig erschrocken fest, wieviel qatarisches Geld in unseren Firmen und Konzernen steckt. Beispiel: immerhin siebzehn Prozent aller VW-Aktienanteile werden von Qatar gehalten, in einigen deutschen Aufsichtsräten sitzen Qataris und weitere Milliardensummen sind von Qatar in Deutschland investiert.
Sollte sich also nun die Krise verschlimmern, könnte Qatar etwa auf die Idee kommen, Gelder aus der deutschen Wirtschaft abzuziehen, was einen Bankrott von Konzernen nebst daraus resultierender Arbeitslosigkeit zur Folge hätte. Oder aber Qatar fordert über seine Aktienanteile von deutschen Herstellern, Geschäfte mit seinen Golfgegnern unverzüglich einzustellen – was Milliardenverluste bedeuten würde, denn Qatar hält signifikanten Anteile an Siemens etwa und die bauen derzeit ein riesiges Gaskraftwerk in Ägypten. So oder so wären die Verluste unvorstellbar hoch und würden den deutschen Haushalt schwer treffen.

Wie schrieb ein bekanntes, deutsches Magazin heute?

Qatar liegt nicht am Ende der Welt – Qatar liegt für uns um die Ecke!

Was ich damit sagen will ist, dass Deutschland und Europa keineswegs Partei für einen arabischen Staat ergreifen soll, weil es da so hübsch ist und es sich gut Urlaub machen lässt – sondern aus eigenem Interesse heraus.
So ganz nebenbei könnte Europa bei dieser Gelegenheit doch noch umsetzen, was es substanzlos seit vielen Jahren behauptet zu tun: Dialoge ermöglichen, Demokratie stützen, Menschenrechte umsetzen, Balancen herzustellen, Frieden zu sichern.

Nein – wir KÖNNEN uns nicht mehr irgendwie hindurchlavieren, ohne hier einen Euro Umsatz, dort Glaubwürdigkeit und woanders Allianzen zu verlieren. Nun ist die Region dorthin gebombt und intrigiert worden, wohin sie der gesamte Westen immer haben wollte: in Uneinigkeit, Kriegsgefahr, Bedürftigkeit, Streit. Aber alle, die damit unter Ignoranz der daraus resultierenden Gefahr ihren kurzfristigen Erfolg erwirtschaftet hatten, können sich nun nicht mehr wegducken und von den Ländern einklagen, dass sie ihre Probleme (die WIR gemacht haben!) gefälligst selbst lösen sollen.

Also los! Entscheiden wir uns also! Jetzt!
Wollen wir wirklich saudischen Staatsterror ausweiten? Ja? Ist es das? Wenn wir uns nicht kritisch Saudi-Arabien entgegenstellen und die sofortige Einstellung der Feindseligkeit gegen Qatar einfordern, dann stimmen wir für die Entrechtung von Frauen, gegen Meinungsfreiheit, gegen Demokratie, gegen Menschenrechte – und gegen Menschen.

Denn soviel ist klar:
Dieser zunächst nur politische Kriegsschauplatz geht nicht über Nacht wieder weg. Diese Feindseligkeit wird sich weiter auswachsen und die Golfdespoten dazu zwingen, den Unwillen ihrer Bevölkerungen mit immer mehr brutaler Gewalt und (deutschen!) Waffen niederzuschlagen. Aber auch das gelingt nur vorübergehend, denn langfristig ist mit dieser Politik ein halber Weltenbrand nicht mehr aufzuhalten.
Wenn wir Qatar nicht beistehen, werden Millionen von Menschen am Golf und in allen arabischen Staaten, die durch unseren Willen furchtbare Regimes beherbergen, zu den Waffen greifen. Vielleicht nicht heute. Vielleicht nicht morgen. Vielleicht nicht nächste Woche – die Revolution aber wird kommen und sie wird um ein Vielfaches größer als alles bisher Dagewesene.
Und wir kriegen (gerechterweise!) unseren Teil des Fettes ab: europaweit wird es zu siebenstelligen Arbeitslosenzuwächsen kommen, Banken krachen zusammen, ganze Konzerne werden schließen müssen.

Denn:
Der Reichtum Saudi-Arabiens ist Geschichte. Schon heute ist längst nicht mehr soviel Geld da wie früher. Das Land hat bereits Projekte einstellen und Leute entlassen müssen; Kuwait, Bahrein, den UAE und vielen anderen ergeht es ähnlich. Wenn der Konflikt gegen Qatar nicht sehr bald geschlichtet wird, werden die genannten Länder ZUSAMMEN ihre Investitionen in Europa und der Welt zurückfahren und die Gelder zurückordern müssen.
Allein Kuwait hält über seinen Staatsfonds Anteile an US-Unternehmen, die über Nacht zu einer schweren Krise dort führen, wenn sie zurückbezahlt werden sollen.
Qatar selbst wird als Angegriffener selbst nach schweren und schwersten Verlusten sehr bald wieder auf die Füße kommen, weil das Land überaus vorausschauend vor vielen Jahren bereits in die Verflüssigung von Erdgas investiert hat und heute in der Lage dazu ist, gut 30 Prozent des weltweiten Bedarfs daran allein zu decken.

Man muss es wiederholen:

Trotz der kranken Ideen eines infantilen Dummkopfes namens Trump ist es tatsächlich Qatar, mit dem wir in Europa die meisten Berührungspunkte pflegen und viele Werte teilen.
Der Bescheuerte aus den USA hat zu allem Überfluss auch noch selbst und offen zugegeben, dass er sich erst in Saudi-Arabien hat einflüstern lassen, dass Qatar angeblich Terror unterstütze – und er hat, wie sich herausgestellt hat, vor seinen kindischen Tweets noch nicht einmal gewusst, dass zehntausend seiner Soldaten in Qatar stationiert sind.
Nun ist der Waterboardingstaat USA, der ausweislich seines Präsidenten noch viel mehr Folter anwenden will, kaum besser als sein Kumpel Saudi-Arabien, aber dafür werden die USA von den Auswirkungen der selbst mitangeschobenen Krise selbst schwer und schwerst getroffen werden.

Alles Vorgenannte sind letztlich nur ganz nüchterne, zahlenverliebte und wirtschaftliche Fakten, wenn man so will, eine säkulare Sichtweise.

Es gibt noch eine andere:
Nach meiner Meinung sind alle Muslime verpflichtet, auf die Seite Qatars zu wechseln; es gibt meines Wissens nach unter den agierenden Staaten sonst KEINEN EINZIGEN, der einen halbwegs erträglichen oder vertretbaren Islam pflegt, der diesen Namen auch verträgt. Es gibt am Golf nur noch Extremismus; der Terror von Daesh („IS“) ist letztlich auch kein grausamerer als der von offizieller Seite in Saudi-Arabien verübte. Ryadh hat im Jemen mit (englischen!) Streubomben tausende von Zivilisten umgebracht, die relevanteste Infrastruktur soweit zertrümmert, dass tagesaktuell heute von Cholerausbrüchen im Jemen die Rede ist.
Saudi-Arabien verfolgt einen unterdrückerischen, schwarzen und sehr hässlichen Islam und kaum eine Heimtücke und Lüge wurde bisher von seinen Regierenden ausgelassen.

Den Muslimen weltweit muss die Sicherheit der qatarischen Geschwister sehr am Herzen liegen, denn derzeit ist Qatar der einzige Ort auf der Welt, an welchem ein heller, friedlicher und fröhlicher Islam entspringen kann – er wird sonst nirgendwo geduldet, sondern verkommt überall zu einem Sammelbecken an tödlichem Hass, Schreierei, Missgunst und Zerstörung.
Man kann es drehen und wenden wie man will: die schrecklichste Missgeburt aus dieser Lage heißt Daesh. Ursprünglich entstanden aus Verzweiflung, Angst und Verfolgung, bezahlt aus Saudi-Arabien und bewaffnet durch die USA, wurde daraus im Handumdrehen ein furchtbares Monstrum, das eine Spur von Blut, Leichen und Tränen über die ganze Welt zieht.
Sogar der Staats-Wahhabismus von Qatar ist mit dem aus Saudi-Arabien nicht im geringsten zu vergleichen; ich wage die Behauptung, dass sich der überwältigende Teil aller Sunniten dort wohlfühlen könnte. Qatar bildet Frauen nicht nur selbstverständlich aus, es entsendet auch welche im Namen des Staates ins Ausland, ausgestattet mit weitreichenden Befugnissen und Kompetenzen.

Für unser europäisches wirtschaftliches Fortbestehen und Wohlleben MÜSSEN wir Qatar beschützen, als Menschenrechtler sowieso und für Muslime ist es eine Pflicht!
Wir müssen also dreimal (!) motiviert sein, wenn wir richtig entscheiden wollen!

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Islam – Wie richtet sich ein moderner Muslim aus?

Zuerst muss ich noch einmal betonen, dass ich als Muslim von keinem Menschen in irgendeiner Weise beeinflusst, angeworben oder vorgeprägt worden bin. In der Phase der Jahrzehnte, die zwischen meinem Kirchenaustritt und meiner Konversion zum Islam verflossen sind, kreuzten lediglich etliche Muslime „ganz zufällig“ meinen Weg und sie haben mir, wohl ohne jede Hoffnung im Hinterkopf, dass man mich irgendwie missionieren könne, hundert und tausend Dinge nach ihrem jeweils besten Wissen und Gewissen erklärt.Viele dieser dann sehr tiefgehenden Gespräche entwickelten sich tatsächlich durch „Zufall“; weder ich hätte je zuvor Kenntnis von meinem Gesprächspartner gehabt, noch umgekehrt.

Meine „Initialzündung“ wurde auch nicht von Menschen gestartet.

Erst, als ich gewissermaßen vollkommen überrascht, unerwartet und plötzlich mit beiden Beinen im Islam stand, bemühte ich mich um theoretisches und scholastisches Wissen. Ein erster Anlauf, den Qur’an al-Karim zu lesen, schlug jämmerlich fehl. Erst ein wohlgemeinter und gut gezielter Literaturtip gab mir das geistige Werkzeug in die Hand, die Suren richtig zu lesen und die „Funktion“ der Offenbarung und des Islam insgesamt besser zu verstehen.

Aus diesem Grunde sind mir zahlreiche Ideen unter Muslimen tatsächlich fern, die in einer mir unbekannten Geschichte fußen und keine Erwähnung im Qur’an finden und ich habe gelernt, dass es keine Widersprüchlichkeiten im Qur’an gibt, weil einige Suren in ihrem jeweils aktuellen Kontext und historischen Zusammenhang verstanden werden müssen.
Von daher verstehe ich die Gewaltverliebtheit vieler Muslime nicht im Ansatz – und ihren Hang zu sprühendem Hass schon mal gar nicht. Denn diese Phänomene entstehen durch eine konsequent selektive Wahrnehmung, die je nach Bedarf Suren „aus-“ und „einschaltet“.

Für mich gilt aus dem Qur’an ein totales Friedensgebot; Verse, die Gewalt (in eng gesteckten Grenzen!) zugestehen, zielen auf Kriegs- und Verteidigungssituationen. Diese Sachlage zu ignorieren und Gewalt gegen Andersgläubige ohne Verteidigungsnot auch nur zu tolerieren, finde ich nicht im Qur’an begründet – und somit ist eine solche Haltung für mich unislamisch, vorsichtig ausgedrückt.

Ich fand kürzlich einen Beitrag von einem Bruder auf einer islamischen page, den er in einem eigentlich ganz anderen, thematischen Zusammenhang verfasst hatte und der sehr gut widerspiegelt, was ich meine. Ich erlaube mir, ihn zu zitieren:

„Besteht nicht ein Unterschied, ob ich das Pflichtgebet nicht abhalte, oder die Zakat verweigere, oder ob ich bewusst und gewollt einen Massenmord vollziehe?
Wenn ich also Menschen bewusst töte, quäle und erniedrige, was ist dann noch muslimisch an mir?

Bedeutet Islam nicht, durch die Hingabe, das sich Gott ergeben (mit Herz und Verstand), Frieden zu erlangen? Ist ein Muslim nicht dann der oder die, welche sich Gott aktiv ergeben?

Doch was an einem Massenmord ist Gott ergebendes Verhalten? Wenn ich glaube, dies sei Gott ergebendes Verhalten, habe ich dann nicht eine absolute falsche Vorstellung von Gott? Ist ein Massenmord nicht genau das Gegenteil von aktiver Hingabe? Ist ein Massenmord nicht die bewusste Auflehnung gegenüber Gott?

Ist diese Handlung, also der bewusste Massenmord, die bewusste Auflehnung gegen Gott, nicht genau das was in der von der Schwester genannten Sure angesprochen wird?

Ist der Massenmord, das Töten und das Quälen von Menschen und das rechtfertigen dieser Dinge, nicht gleichzusetzen mit einem Austritt aus dem Islam? Da es Gottes Barmherzigkeit, seine absolute Macht über das Sein und die dem Islam inhärent Pluralität negiert?

Massenmord ist nicht einfach eine „Sünde“. Es ist die aktive Negation Frieden durch die Hingabe zu Gott zu erlangen.
Bedeutet Islam nicht, durch die Hingabe, das sich Gott ergeben (mit Herz und Verstand), Frieden zu erlangen? Ist ein Muslim nicht dann der oder die, welche sich Gott aktiv ergeben?
Doch was an einem Massenmord ist Gott ergebendes Verhalten? Wenn ich glaube, dies sei Gott ergebendes Verhalten, habe ich dann nicht eine absolute falsche Vorstellung von Gott? Ist ein Massenmord nicht genau das Gegenteil von aktiver Hingabe? Ist ein Massenmord nicht die bewusste Auflehnung gegenüber Gott?
Ist diese Handlung, also der bewusste Massenmord, die bewusste Auflehnung gegen Gott, nicht genau das was in der von der Schwester genannten Sure angesprochen wird?
Ist der Massenmord, das Töten und das Quälen von Menschen und das rechtfertigen dieser Dinge, nicht gleichzusetzen mit einem Austritt aus dem Islam? Da es Gottes Barmherzigkeit, seine absolute Macht über das Sein und die dem Islam inhärent Pluralität negiert?
Massenmord ist nicht einfach eine „Sünde“. Es ist die aktive Negation Frieden durch die Hingabe zu Gott zu erlangen.“

Die Fragestellung des Beitrags zielte auf den Terror – ist für mich aber beliebig ausweitbar auf das generelle Verhältnis zwischen Muslimen untereinander und zu Nichtmuslimen.
Muslimsein – für mich ist das Licht, Nähe, Wärme, Hilfe.
Für viele andere bedeutet das leider schwarze Fahnen, Schreierei, das Bekritteln von anderen Lebenskonzepten, Kreuzigen und das Tragen alberner Kleidung, die in Europa zum Spott reizt. Ich versuche mit und in meinem Leben den ultimativen Beweis dafür anzutreten, dass Islam keine grundaggressiven und schreienden Spinner, sondern moderne Menschen in einem modernen Glauben meint. Eine Religion, denke ich, die zu ihrem Erhalt und nach ihrem Verständnis nur durch wildes Umherschießen, Sprengen, Kämpfen und Zerstören überleben kann, sollte schnellstmöglich untergehen. Der Islam gehört nicht dazu.

Er ist nach meinem Verständnis dynamisch angelegt und verlangt eine permanente Neuausrichtung. Das Tragen von Pluderhosen war zur Zeit der Offenbarung gut, richtig, modisch, angepasst, verbreitet und anempfohlen – wenn Salafis heute im kalten Europa, das noch nie Pluderhosen kannte, solche tragen WEIL sie vor mehr als tausend Jahren irgendwo in der Wüste getragen worden sind, halte ich das persönlich für grotesk!
Die Aussage im Islam heißt für mich: „Übetreibe nicht! Trage, was angemessen ist und befolge dabei die Regel, dass Deine Kleidung nicht aufreizend und zu knapp ausfallen soll!“
Danach richte ich mich; ich latsche sogar im ägyptischen Hochsommer mit langen Hemdsärmeln und langer Hose dort herum – aber doch nicht in einer Gelabia! Auch hier in Deutschland sieht man mich im eigenen Wohnzimmer, aber nicht auf der Straße in kurzer Hose.
Auch teile ich die Auffassung vieler keinesfalls, dass die Sharia grundsätzlich immer nur Verstümmelungen für Diebstahl vorsieht und deshalb auch heute zwingend und möglichst auch noch öffentlich Hände abgeschlagen werden sollen – das halte ich für eine höchst erschreckend triviale, falsche und furchtbare Geisteshaltung. Für mich bedeutet, dass die Sharia eine Rechtsprechung will, die dem Händeabhacken der Frühzeit ein Äquivalent gegenüberzustellen hat. Beispiel: verlor ein Mensch vor tausend Jahren seine Hand, verlor er seine Erwerbsquelle, war stigmatisiert und war beständig auf Hilfe angewiesen. Wenn jemand heute aus Niedertracht und Habgier bösartig stiehlt, zielt nach meinem Verständnis eine moderne Sharia darauf, ihm etwa durch Jobverlust, Entzug des Führerscheins, einer Haft- oder empfindlichen Geldstafe eine gleichrangige Strafe auszusprechen.

Im Islam gilt alles (!) Extreme, Übertriebene und Maßlose als verpönt und verboten; dieser Grundsatz zieht sich durch alle (!) Suren, Ideen, Grundsätze und hat, wenn man über Benehmen, Verhalten, Kleidung etc. nachdenkt, den Charakter einer Richtschnur. Für mich ist der moderne und gute Muslim ein freundlicher, eher fröhlicher und friedlicher Mitmensch, der im Getriebe seiner Umgebung nicht weiter auffällt, aber durch gutes Benehmen glänzt. Er hat seiner Umwelt ein Vorbild und eine Hilfe zu sein – erst dadurch wirbt er wirksam für seinen Glauben.
Er hat kein Recht darauf, ohne bedroht worden zu sein oder zu werden, Gewalt anzuwenden oder anzudrohen. Gerade diesen Aspekt habe ich in der Tiefe mit Imamen diskutiert; einer von ihnen fühlte sich verpflichtet leise anzufügen, dass Muslime aber auch keine wehrlosen Pazifisten seien, die sich willen- und wehrlos abschlachten lassen würden. Und genau da ziehe ich die Grenze: ich greife grundsätzlich niemals jemanden an. Wer durch mich zu Schaden kommt, wird kleinlaut einzugestehen haben, mich vorher massiv bedroht und angegriffen zu haben.
Ich zwinge niemandem meinen Glauben auf – und belästige auch niemanden damit. Es gibt genug Menschen, die mich immer und immer wieder einmal darauf anspreche, weshalb ich jetzt so und später so reagiere. Meist endet ein solches Gespräch mit einem erhellten „Aha!“ und nicht selten gefolgt von einem: „Wenn das nur mal alle so täten.“

An der Diskussion, inwiefern islamistische Terroristen als Apostaten betrachtet oder per „Takfir“ (die muslimische Entsprechung zur „Exkommunikation“) als Nichtmuslim zu gelten habe, beteilige ich mich nicht. Diese Entscheidung trauen sich zwar viele Menschen und Muslime zu – sie liegt aber ausweislich des Qur’an ausschließlich nur bei Allah.
In der Konsequenz lasse ich mich ungerührt von Salafiten als „Kufr“, als „Ungläubiger“ also in dem Wissen (!) beschimpfen, dass SIE es sind, die in die Irre gehen – und nicht ich.

Ich bin es, der eines Tages Rede und Antwort zu stehen hat für das, was ich getan habe. Ich bin dann auf mich ganz allein gestellt und habe nichts als mein Leben, was ich bis dahin geführt haben werde. Ich kann nicht auf andere zeigen und sagen: „Der da hat gesagt, dass ich töten soll. Ich selbst habe die Notwendigkeit nicht geprüft, ich habe mich blind auf den da verlassen!“, denn das rettet mich nicht vor dem gerechten und vielleicht vernichtenden Richtspruch und belastet den von mir Angezeigten auch nicht. Deshalb bin ich extrem vorsichtig darin, Menschen zu begegnen. Auch wenn es mir nicht immer so gelingt, wie ich mir das wünsche, will ich jedem Fremden freundlich und zugewandt begegnen, ihm in (s)einer Not helfen und ihn beraten, wenn er mich um Hilfe und Rat bittet. Sei er was und wie er will – bis er sich feindlich gegen mich stellt, hat er mich an seiner Seite.

Aus vorgenannten Gründen stoßen mich Wahhabiten und Salafiten größtenteils ab – was kein Verlust ist, da sie mich als Ungläubigen betrachten. Ich finde ihre schwarzen Fahnen und ihr Kriegsgeheul enervierend, falsch und gefährlich; das sind keine Muslime, wie ich sie mir in meiner Umgebung wünschen würde. Ich glaube einfach nicht daran, dass man Fremde kreuzigen und bei lebendigem Leibe verbrennen muss.
Und inshallah werde ich eines Tages ins Jenseits eingehen und Allah hat mir erlaubt, ohne diese und andere, große Sünden geblieben und als Muslim gestorben zu sein.

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EILMELDUNG: Vereinigte Arabische Emirate bestrafen „Sympathie für Qatar“ mit 15 Jahren Haft

Quelle:http://www.middleeasteye.net/news/uae-outlaws-support-qatar-social-media-1039717510

In Kurzfassung übersetzt:

Der Oberste Ankläger der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE), Hamad Saif Al Shamsi, bezeichnete das "Zeigen von Sympathie für Qatar" in Bezug auf die soeben erfolgte Totalisolierung als "Verbrechen".

Auf der UAE-Website Albayan drohte al-Shamsi jedem eine Haftstrafe von 15 Jahren bei Zuwiderhandlung an.

Was man hierzu unbedingt wissen muss – und was Donald Trump (natürlich) nicht versteht:

Die UAE zeigen mit diesem Schritt ihre Angst vor ihrer eigenen Bevölkerung sehr eindrucksvoll; sie sind sich der Loyalität und Solidarität ihrer Bürger nicht sicher und vermuten sicherlich zu Recht, dass der fadenscheinige Winkelzug von Saudi-Arabien, Bahrein und den UAE auf heftige Kritik stößt.
In der Tat schrammt die offizielle Erklärung Saudi-Arabiens für die Isolierung Qatars weitaus mehr als hart an einer Beleidigung der ganzen Welt entlang; es dürfte wohl niemanden auf der Welt geben, der daran zweifelt, dass der Hauptinvestor und -Initiator weltweiten, islamistischen Terrors Saudi-Arabien selbst ist. Die von Ryadh gegen Qatar ausgestoßenen Tiraden sind vollkommen substanzlos und nichts als ein überaus schlecht gewählter Vorwand, die qatarische Reformbereitschaft zu zerdrücken, die in die ganze Region ausstrahlen könnte. Es gibt hier zwei Lesarten: die Zuschreibung der angeblichen "Terrorunterstützung" kann bedeuten:

"Wir erzählen Euch irgendeinen blöden Scheiß und zeigen Euch damit, wie hilflos, willfährig und dumm Ihr seid und was wir uns alles erlauben und herausnehmen können, bevor Ihr zuckt!"

oder:

"Wir, die Saudis, wir dürfen und bekommen immer alles. Wir haben es nicht nötig, uns angestrengt irgendeine Begründung auszudenken. Wenn wir al-Qaida zusammen mit den USA erschaffen haben, war das ok, weil wir das waren. Wenn wir Qatar zertreten, dann können wir das natürlich auch."

Donald Trump hat sich zum Preis eines Goldkettchens nicht nur zum international anerkannten Affen, sondern auch zu einem extrem blöden, hilflosen Popanz machen lassen, der sich von den saudischen Politikern und Potentaten willig vorführen lassen hat.
Die Worte, die er anschließend twitterte und mündlich stammelte, hat er (vermutlich für eine Extrastunde Fernsehen und einen Pudding am Abend) brav von seinen saudischen Souffleuren auswendig gelernt. Jeder, der nur halbwegs klar bei Verstand ist, bemerkt das sofort. In seinen "Ausführungen", wenn man seine Auswürfe so bezeichnen möchte, kommt das Wort Qatar in Bezug auf Terror kristallklar erkennbar so vor, wie es sich seine saudischen Vorgesetzten vorgestellt hatten.

Dieser Schritt der UAE selbst ist politisch mehr als ungeschickt und fügt der politischen Bombe, die auf allen arabischen Straßen tickt, nur noch einen weiteren Zünder hinzu. Offener hätte kaum eine Regierung je ausdrücken können, dass es ihr um das Tottreten anderer Meinung, um die Unterdrückung und Ausbeutung ihrer Bevölkerungen getan ist.
Niemand weiß, wieviel nun noch zum Ausbruch einer gigantischen Explosion von Enttäuschung, Demütigung, Entmündigung und Verzweiflung fehlt. Experten und Analysten betrachten die Vorgänge um Qatar als extrem bedrohlich.

Das eigentliche "Verbrechen" Qatars ist ein Dialog.
Nur Golfdespoten mag es natürlich und verständlich erscheinen, dass Dialoge schlimmer sind als Kriege und nur Golfdespoten fürchten sich vor dem Iran, der so oder so über kurz oder lang zu einer regionalen Großmacht wird. Im Verbund mit der Türkei, die gestern hastig entschieden hat, noch hastiger ihr eigenes Truppenkontingent in Qatar ganz erheblich auszubauen und unter der latenten Drohung von Unruhen in den Golfstaaten sehen sich die Machthaber tatsächlich bedroht.
Die Musik spielt demnächst in einem anderen Theater; die Ölvorkommen sichern nur noch für vergleichsweise wenige Jahre den bekannt märchenhaften Reichtum und nur noch für wenige Dekaden das nackte, wirtschaftliche Überleben. Und in diesen Jahren wollen die Herrscherfamilien noch soviel Geld und Macht wie irgend möglich zusammenraffen – es steht zu befürchten, dass sie dafür auch völlig ungerührt tausende Menschen aus ihren eigenen Bevölkerungen töten.

Saudi-Arabien ist bereit, alles zu tun, um seine Vormachtstellung zu sichern. Es entrechtet dafür seine eigene Bevölkerung, führt in seiner Nachbarschaft Vernichtungskriege, rückt mit Panzern gegen Demonstranten vor, stürzt Regierungen und setzt sie nach Gusto ein. Ohne mit der Wimper zu zucken, würden sie alles hergeben und jeden töten, der sich zwischen sie und der Macht stellen könnte.

Die Androhung der UAE, Kritik gegen die Politik gegen Qatar schwerst zu bestrafen, ist ein erschreckendes Armutszeugnis der Despoten. Ein Zeichen von Angst.
Vor den eigenen Leuten.

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